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Krefeld
Fall Zorn: Warum griff der Bischof durch?

Krefeld: Fall Zorn: Warum griff der Bischof durch?
Die Fahnen vor der Kirche sind auf halbmast geflaggt - auch dies ein Protest gegen das Vorgehen des Bistums. FOTO: Strücken
Krefeld. Die Zwangspensionierung von Pfarrer Zorn ist für das Bistum ein kommunikatives Desaster. Zorn wird aber erstmals auch als "Hitzkopf" beschrieben. Gerätselt wird über die Motive des Bischofs: Wollte er Reformen bis zu seiner Pensionierung unbedingt vollenden? Von Jens Voss

Die Fahne auf halbmast, Worte wie Unmenschlichkeit und Unbarmherzigkeit an die Adresse von Bischof Mussinghoff, Unterschriften gegen die Entlassung: Auch wenn man manche Form der Empörung über die Zwangspensionierung von Pfarrer Günter Zorn als übertrieben empfinden mag, so ist sicher, dass der ganze Vorgang für das Bistum ein kommunikatives Desaster ist. Die Gemeinde wurde von dem Schritt aus Aachen offenbar genauso überrascht wie Zorn selbst. Der Auslöser dafür, dass Aachen den unbotmäßigen Priester nun - nachdem der Konflikt schon jahrelang schwelte - Knall auf Fall in den Ruhestand geschickt hat, ist nicht bekannt. Bekannt sind nur die heftigen Reaktionen aus der Gemeinde.

Unterschriftenliste mit Protest gegen die Zwangspensionierung von Pfarrer Günter Zorn: Solche Listen liege auf einem Tisch im Vorraum der St.-Thomas-Morus-Kirche aus. Links in dem kleinen Foto ist der Tisch im Vorraum der Kirche zu erkennen. FOTO: Strücken.

Auf Kritik stößt, dass Generalvikar Frick in einer Art Musterschreiben mit den immer gleichen Formulierungen auf Proteste aus der Gemeinde reagiert hat.

Rolf-Bernd Hechler, der lange Jahre Kirchenvorstand in St. Thomas Morus war, spricht deshalb von einer "Serienantwort" und beklagt, dass Frick anscheinend nicht bereit sei, "ein Gespräch darüber zu führen, ob es eine Möglichkeit gibt, die unwürdige Strafverbannung dieses Menschen aus seiner gewohnten Umgebung zurückzunehmen". Hechler hält Frick sarkastisch eine Passage aus einem Artikel Fricks in der Kirchenzeitung vor. Der Generalvikar werde dort zitiert mit den Worten: "Es muss uns gelingen, wieder die Kommunikation aufzunehmen, eine Sprache zu finden, die zeigt, was Kirche eigentlich bedeutet. Nämlich keine ferne Institution, sondern eine Gemeinschaft, die nahe beim Menschen ist und weltweit gut vernetzt so viel Gutes bewegen kann." Hechler schreibt dazu an Frick: "Ich weiß nicht, ob Ihnen bewusst ist, dass Sie gerade dabei sind, mit der Gemeinde St. Thomas Morus in Krefeld eine Gemeinschaft, die nahe beim Menschen ist und viel Gutes bewegt, zu zerstören."

Ein anderer engagierter Katholik aus der Gemeinde, der von 1982 bis 2013 im Pfarrgemeinderat saß, davon 20 Jahre als Vorsitzender, ist Alfred Kuhn. Seine Stimme ist interessant, weil er Zorn durchaus kritisch sieht und einräumt, dass der Pfarrer im Kampf gegen die Fusion ein "Hitzkopf" war: "Für uns Pfarrgemeinderäte", schreibt Kuhn, "war es auch nicht immer leicht, den Hitzkopf Günter Zorn für seine Wortwahl und sein kritisches Auftreten gegenüber dem Bischof und anderen Bistums- und Gemeindevertretern zu entschuldigen."

Kuhn berichtet zudem, dass Zorn auch nach der Fusion "jede Gelegenheit in Gremien oder Ausschüssen genutzt hat, um immer wieder seine Sicht über das Zustandekommen der Fusion, über seine Unzufriedenheit damit und über sein Ziel, seine Gemeinde so zu erhalten, wie sie ist, kund zu tun". Dennoch sagt Kuhn, Geduld wäre die bessere Alternative gewesen.

Kuhn glaubt, dass Bischof Mussinghoff seine Ruhestand Ende 2015 vor Augen hat und die Reformen in den Gemeinden bis dahin vollendet wissen will: "Für mich stellt sich die Situation so dar: Ein Bischof, der immer durch seine Vertreter verkünden ließ, dass er sein Feld bestellt und geordnet haben will, wenn er Ende 2015 in den Ruhestand geht, hat noch einmal zugeschlagen; vielleicht um seinem Nachfolger weiteren Ärger mit Pfarrer Zorn zu ersparen." Leider sei nun die Gemeinde "zwischen zwei Mühlsteine oder anders ausgedrückt: zwischen den Konflikt zweier alter Männer (Entschuldigung!) geraten", schreibt Kuhn. Für Zorn hat Kuhn bei aller Kritik viel Respekt: Zorn habe es immer verstanden, seine Gemeinde lebendig zu halten; und zwar vor allem durch sein "Zulassen von selbstständiger Gemeindearbeit durch ehrenamtliche Laien". Kuhn mahnt aber nun auch an die Adresse der Gemeinde, dass niemand die Brocken hinwirft oder gar droht, aus der Kirche auszutreten: All die guten Ansätze in der Gemeinde könnten weitergeführt werden - "mit oder ohne Zorn".

Aus den Reihen der Messdiener hat sich Isabel Grefen zu Wort gemeldet - sie lebt inzwischen 660 Kilometer weit weg von der Krefeld, ist der Gemeinde aber eng verbunden: "Ich bin seit inzwischen 29 Jahren, aktive Messdienerin in St. Thomas Morus und bei so vielen Hochfesten wie möglich dabei." Die Art und Weise, wie das Bistum die Sache mit Zorn handhabe, sei "verstörend, beschämend, völligst unverständlich und läuft gegen alles, wofür die Kirche stehen sollte", schreibt sie.

Auch ihr ist der immer gleiche Wortlaut der Antworten aus Aachen von Generalvikar Frick an eine Reihe von Gemeindegliedern aufgestoßen: "Letztendlich wird man wie ein Schäfchen auf den Kopf getätschelt, um dann wiederum wie ein Schäfchen einen Schupps auf den wolligen Hintern zu bekommen, damit alle weiterhin brav, unmündig, hirnlos und mit Maulkorb in die Kirche latschen."

Quelle: RP
 
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