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Krefeld
Familienbetrieb in Sachen Märchen

Krefeld: Familienbetrieb in Sachen Märchen
Daniel Wagner und zwei Puppen aus dem Märchenspiel "Die gestiefelte Katze". Bevor die Brüder Grimm vom Gestiefelten Kater erzählten, kannten die Franzosen die Geschichte von der Katzendame. Und so wurde sie zur Heldin im Puppentheater-Familienbetrieb der Wagners. FOTO: Klaus Zinnecker
Krefeld. Die Wagners sind ein Familientheater mit besonderem Charme: Sie erzählen in ihrem "Theater Zitadelle" in Berlin Märchen mit großen und kleinen Puppen - nicht nur für Kinder. Von Mojo Mendiola

Bei den Krefelder Puppentheatertagen, die morgen beginnen, sind sie am 5. Mai zu Gast mit "Die gestiefelte Katze". Zitadellen waren früher trutzige Gemäuer, die letzten Rückzugsorte für die Verteidiger in einer belagerten Stadt. Ein bisschen ist das bei der Zitadelle Spandau, erbaut im 16. Jahrhundert, heute noch so, doch nicht waffenklirrende Soldaten, sondern allerliebste Theaterpuppen haben hier ihr Refugium gefunden, und belagert werden sie nicht von Feinden, sondern von Fans und Freunden - wenn sie nicht gerade auf Tour sind. Denn das "Theater Zitadelle" kommt im Rahmen der Krefelder Puppentheatertage ins "Blaue Haus" nach Hüls.

Die Menschen aus der Zitadelle sind schon eine kleine Geschichte für sich, denn ihr Puppentheater ist ein richtiger Familienbetrieb, wie es ihn nur noch selten gibt. Regina Wagner und ihr Mann Ralf sind die "Alten" des Clans. Sie spielt nicht nur aktiv mit, sondern kümmert sich auch um den Bürokram; er baut die Puppen und Bühnenbilder und sorgt für die Technik. Ihr gemeinsamer Sohn Daniel Wagner spielt und führt Regie und teilt sich diese Aufgaben mit seiner Lebensgefährtin Anna Fregin, mit der er auch zwei reizende Kinder hat, die stets die ersten und schärfsten Kritiker neu einstudierter Stücke sind. Regina, Daniel und Anna sind alle drei Absolventen der Abteilung Puppenspielkunst der berühmten Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch".

In Hüls geben sie das Märchen "Die gestiefelte Katze", und die wurde nicht von zeitgeistigem Gender-Streaming inspiriert. "Schon vor den Brüdern Grimm", so weiß Daniel Wagner zu berichten, "kam dieses Märchen bei dem Franzosen Charles Perrault (1628 - 1703) vor, und der erzählte von einer Katze. Das gefiel mir, denn ich selbst mag Katzen auch lieber als Kater." Überhaupt ist es ihm ein Graus, wenn Erwachsene ihre verkopften Vorstellungen über die Märchen stülpen wollen, die er von Kindesbeinen an liebt. Wenn Germanisten, Psychologen und Pädagogen sich darüber streiten, ob Märchen zu grausam sind für Kinderseelen oder nicht vielleicht doch gerade hilfreich für das Kanalisieren und Auflösen kindlicher Ängste, dann möchte er sie immer in Wagners Familientheater einladen. Denn da kann man beobachten, dass die Märchen Groß und Klein ganz einfach Freude machen. "Deshalb verändern wir auch nie den Handlungsverlauf des Originals, schmücken ihn höchstens mal mit ein paar lustigen Einfällen aus, damit es nicht nur spannend ist, sondern auch was zu Lachen gibt."

Dabei spielt das "Theater Zitadelle" keineswegs nur für Kinder. "Für Märchen ist man doch eigentlich nie zu alt", findet Wagner, "und das Hineinlegen menschlicher Charakterzüge in Tiergestalten ist nach wie vor eine höchst vergnügliche Erzählform." Genau das ist auch gemeint, wenn das Theater Erwachsene mit dem Begriff "Märchen-Comedy" lockt. "Mit Stand-Up-Comedy hat das nichts zu tun, schon eher mit Komödiantentum à la Helge Schneider", kommentiert Wagner. Das 1986 gegründete "Theater Zitadelle" wird daheim gefördert vom Regierenden Bürgermeister von Berlin und seiner Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten. An Auszeichnungen errang es den Berliner "Ikarus" 2010, den Moerser "Goldenen Pinguin" 2012, den Münchener Veranstalterpreis der Kulturbörse 2013 sowie mehrere Publikumspreise und Kinder-Jury-Preise bei Figurentheaterfestivals in Göttingen und Wiesbaden.

Gastspiel "Die gestiefelte Katze": Dienstag, 5. Mai, 16 Uhr, Theater Blaues Haus, Tönisberger Straße 64, Hüls

Quelle: RP
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