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Krefeld
Flaschenkinder wollen die Kufa rocken

Krefeld: Flaschenkinder wollen die Kufa rocken
Im Getränkemarkt fühlen sich Endie, Möhre, Fritze, Frank und Peter wie im Paradies: Regale voll mit Flaschen, die sie zum Musizieren nutzen können. FOTO: GBSQ
Krefeld. Das Glas Blas Sing Quintett kommt am 11. Juni mit seinem Programm "Volle Pulle - Flaschenmusik XXL" nach Krefeld. Die ehemaligen Straßenmusiker haben seit 2007 einen rasanten Aufstieg erlebt - und waren schon Gast bei "Wetten, dass...?". Von Norbert Stirken

Die fünf Jungs aus Halberstadt und Blankenburg sind Flaschenkinder. Sie sind nicht mit Milch, sondern mit Musik großgezogen worden. Statt Laktose haben sie den Rhythmus im Blut. Derart speziell ernährt entwickelte sich ein besonderes Talent gepaart mit Charme, der das Quintett in die Lage versetzt, ein großes Publikum für sich einzunehmen und zu unterhalten. Den Beweis will das Glas Blas Sing Quintett (GBSQ) am Donnerstag, 11. Juni, ab 20 Uhr mit seinem Programm "Volle Pulle - Flaschenmusik XXL" in der voll bestuhlten Krefelder Kulturfabrik an der Dießemer Straße 13 antreten.

Im Osten aufgewachsen rockten die Musiker in lokalen Bands. Die Flaschen-Armada im Proberaum brachte die Jugendlichen auf die Idee, den Pfandvorrat an Trinkgefäßen auch anders zu nutzen. Ohne Poncho und Panflöte, aber mit Jeans und 0,33-Liter-Standardbierflasche tingelten die Fünf durch die Fußgängerzonen der Region. Die Resonanz auf die ungewöhnliche Darbietung der Straßenmusiker, die unterschiedlich große Flaschen als Percussion- und Blasinstrumente sowie als Rassel im Kasten nutzten und dabei zum Teil mehrstimmig sangen, war groß. Am Studienort Berlin zog die Truppe tagein tagaus von Café zu Café und kehrte regelmäßig mit einem Kaffeebecher voller Geld ins Studentenheim zurück. Die Resonanz motivierte die Musiker. Einige Jahr später war der Kalender regelmäßig so mit Terminen voll, dass die Vollblutamateure aus ihrer Leidenschaft eine Profession machten.

Seitdem hat das Quintett zahlreiche Tonträger aufgenommen und kleine wie große Konzerthallen bespielt und manchmal auch gefüllt. "Wir leben ganz gut von unserer Musik", sagte Endie im Gespräch mit unserer Redaktion in Krefeld. "Wir haben keine akademische Musikerausbildung. Wir sind in der rauen Praxis gestählte Autodidakten", erzählte Möhre.

Das Glas Blas Sing Quintett spielt eigene Stücke, covert bekannte Hits von Elvis Presley bis zu den Beatles, kombiniert diverse Stilrichtungen und baut eigene Gestelle, um mehrere Flaschen gleichzeitig zum Klingen zu bringen. Schlagen und Blasen ist der Regelfall, Ploppen das Besondere. Dafür sind anatomische Voraussetzungen zu erfüllen. "Die richtige Daumengröße fürs Ploppen des Songs Popcorn ist unbedingt nötig", betont Endie. Eingepackt ist der musikalische Part in einen Mantel aus Selbstironie und Comedy. Das Ganze funktioniert nach der Devise, nimm ein paar olle Pullen und bau dir daraus eine Flaschengitarre, ein Flachmanninoff-Xylophon, ein Set Pizzicato-Pfeifen. Oder ein paar Wasserspender-Floor-Toms, denn dann macht's richtig Bumm, wenn man mit der grünen Perrier-Keule draufhaut. Nicht nur Platsch, wie damals, als die Fünf den Beat bei Depeche Modes "Personal Jesus" noch mit zarten Mineralwasser-Pullen auf den Oberschenkeln trommelten. Das Glas Blas Sing Quintett nimmt das Wissen aus zwölf Jahren Flaschen-Expertise, kombiniert es mit den Möglichkeiten des Jahres 2015 und erzählt die besten Geschichten als "Best of" noch mal neu, noch mal ganz anders. Und da bei uns die Schublade mit den neuen Songs auch schon wieder randvoll ist, wird die gleich noch mit ausgekippt und veredelt.

Krefeld ist für die fünf Ostdeutschen übrigens kein unbeschriebenes Blatt. 2008 trat das Quintett bereits einmal in der Kufa auf und hat gute Erinnerungen. Richtig Eindruck haben allerdings die Auftritte des FC Bayer 05 Uerdingen gegen Dynamo Dresden vor 30 Jahren im Fußball-Europapokal hinterlassen. "Wir kommen gerne in die Kufa und freuen uns auf Krefeld", beteuern Endie und Möhre.

Quelle: RP
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