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Krefeld
Flüchtlinge: Herausforderung für Schulen

Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht
Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht
Krefeld. 177 Kinder werden in Krefeld nach letztem Stand in speziellen Seiteneinsteigerklassen beschult. In den Grundschulen werden die Kinder wohnortnah integriert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Beschulung von Flüchtlingen. Von Sebastian Peters

In neuen Seiteneinsteigerklassen werden Flüchtlinge zusammen mit anderen Krefelder Schülern unterrichtet, die des Deutschen ebenfalls nicht mächtig sind. Für die Krefelder Schulen bedeutet dies viel Zusatzarbeit - die Verantwortung, die auf den Pädagogen lastet, ist groß.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Beschulung von Flüchtlingen.

Ab wann sind Flüchtlingskinder schulpflichtig? Die Stadt informiert in einem Schreiben für den jüngsten Schulausschuss, das auf Antrag der FDP erstellt worden ist: "Grundsätzlich sind alle Kinder, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in NRW haben, schulpflichtig.

Bei Zugewanderten, die zunächst in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes untergebracht werden, beginnt die Schulpflicht nach der Zuweisung an eine Kommune."

Werden Flüchtlinge in Krefeld separat in Klassen unterrichtet? "Bei der Beschulung und Sprachförderung von zugewanderten Kindern ohne Deutschkenntnisse wird nicht nach Aufenthaltsgrund bzw. -status unterschieden", betont Schulamtsleiter Jürgen Maas auf Anfrage unserer Redaktion.

Vielmehr würden Seiteneinsteigerklassen gegründet, in denen die im Deutschen schwächeren Schüler speziell lernen - dies sind nicht nur Flüchtlinge. Ein wesentlicher Teil der aktuell in der Sprachförderung befindlichen Schüler stammt laut Stadt aus Nationen, bei denen nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Familien als "Flüchtlinge" nach Krefeld kamen.

Wie viele Seiteneinsteigerklassen gibt es mittlerweile in Krefeld und an welchen Schulen? In den Grundschulen erfolgt die Förderung nach wie vor innerhalb des Klassenverbandes.

An den Schulen der Sekundarstufe I gibt es derzeit Seiteneinsteigerklassen an neun Schulen. Anfang 2015 ist im Gymnasium am Moltkeplatz die erste Klasse gegründet worden. Es folgten: Gymnasium am Moltkeplatz (5. und 6. Klasse), Gesamtschule Uerdingen (5. Klasse), Ricarda-Huch-Gymnasium (6. Klasse), Maria-Sybilla-Merian-Gymnasium und Freiherr-von-Stein-Schule (7. Klasse), Fichte-Gymnasium (7. Klasse), Gymnasium am Stadtpark Uerdingen (8.

Klasse), Stephanusschule mit personeller Unterstützung der Gesamtschule Kaiserplatz (8. Klasse), GHS Prinz-Ferdinand-Straße mit personeller Unterstützung der Robert-Jungk-Gesamtschule (9. Klasse, demnächst voraussichtlich eine weitere 9. Klasse) und Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (6. Klasse). Zum Stichtag 16. Oktober befanden sich 177 Kinder und Jugendliche in diesen Seiteneinsteigerklassen der Sekundarstufe I. Ein Sonderfall sind die Berufskollegs: Festzustellen ist laut Stadtverwaltung eine wachsende Zahl von jungen Flüchtlingen im nicht mehr vollzeitschulpflichtigen Alter, vor allem aus Syrien.

Allerdings endet die Berufsschulpflicht erst mit dem 18. Lebensjahr. Die Altersspanne der jungen Menschen, die im Kommunalen Integrationszentrum vorstellig werden, liege zwischen 16 und 25 Jahren. Das Berufskolleg Glockenspitz hat mittlerweile vier und das Berufskolleg Vera Beckers zwei Internationale Förderklassen eingerichtet.

Was geschah vor dem Seiteneinsteiger-Konzept mit Flüchtlingskindern, die im schulpflichtigen Alter nach Deutschland kamen? Bis Ende 2014 wurden sogenannte "DaZ-Gruppen" gegründet.

DaZ steht für "Deutsch als Zweitsprache". Jürgen Maas: "Die Kinder wurden im Rahmen vorhandener Kapazitäten in vorhandene Klassen aufgenommen, aber zu einem hohen Stundenumfang gruppenweise für eine intensive Deutschförderung aus dem Regelunterricht herausgenommen. In einigen Fächern fand der Unterricht teilweise mit deutschsprachigen Mitschülern gemeinsam statt."

Wie regeln die Schulen die Mehrbelastung personell und räumlich? Die Stadt verweist auf das Land.

Die Personalausstattung sei Angelegenheit des Landes. "Nach hiesigem Kenntnisstand gibt es zusätzliche Lehrerstellen für Seiteneinsteigerklassen", sagt Jürgen Maas. Schulleiter wollen nicht öffentlich Stellung nehmen, verweisen aber darauf, dass schon jetzt erhebliche Improvisation gefragt ist, um den Bedarf zu decken. So würden Lehrer derzeit aus Sondertöpfen bezahlt, um die Beschulung für die Flüchtlinge möglich zu machen.

Räumlich ist laut Stadt an den Gymnasien wegen der G8-Jahrgänge derzeit mehr Platz.

Nach welchen Kriterien werden die Schüler auf die einzelnen Klassen verteilt, wie wird der Bildungsgrad erfasst, und spielt dies bei der Verteilung eine Rolle? Im Bereich der Grundschulen werden die Schüler laut Stadt nach Möglichkeit jahrgangsbezogen und wohnortnah den Schulen zugewiesen. In der Sekundarstufe I, Klassen 5 bis 9, sind die Klassen nach Altersstufen gebildet.

Die Beurteilung und Erfassung des "Bildungsstandes". Die Klassenstärke, so betont Schulamtsdirektorin Erika Dercks-Dückmann, beträgt höchstens 20.

Welche pädagogischen Erfahrungen machen die Lehrer bisher mit den Klassen, wie ist das Leistungsniveau? Schulamtsdirektorin Erika Dercks-Dückmann sagt: "Die Flüchtlingskinder sind sehr engagiert und leistungsmotiviert. Sie sind dankbar für die Möglichkeit, hier zur Schule gehen zu können, Deutsch lernen zu können und eine Bildungsperspektive zu haben.

" Direktoren berichten aber von durchaus schwierigen Fällen. Nicht selten seien Schüler durch die Flucht traumatisiert.

Hat die Stadt Pläne, welche Schulen als nächstes zusätzliche Auffangklassen einrichten sollen? Der Bedarf steigt laut Schulamtsdirektorin Erika Dercks-Dückmann sukzessive an. "Zurzeit ist nicht abzusehen, wie sich die Zahlen entwickeln werden. Die Festlegung der Klasseneinrichtung erfolgt in Absprache mit den Aufsichten aller Schulformen.

" Wichtig: Die Klassen werden nicht von der Stadt als Schulträger eingerichtet, sondern von der Schulaufsicht, betont Jürgen Maas. Die Auswahl der Schulen erfolge allerdings in enger Abstimmung mit der Stadt unter Berücksichtigung räumlicher Kapazitäten.

Was lernen die Schüler in den Klassen, nur die Sprache oder auch konkreten Fachstoff? Die Stadt verweist auf den maßgeblichen Erlass "Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere im Bereich der Sprachen".

Der Schwerpunkt der gesamten Unterrichtsarbeit soll auf dem Erlernen der deutschen Sprache in Wort und Schrift liegen. Der Deutschunterricht soll zehn bis zwölf Wochenstunden umfassen. Der Unterricht beginnt mit dem Lese-Schreib-Lehrgang in der deutschen Sprache. Auch der sonstige Unterricht diene vorrangig dem Erlernen der deutschen Sprache. Auf musischen Unterricht und Sport dürfe nicht verzichtet werden. Die konkrete Umsetzung dieser Vorgaben mit den vorhandenen personellen Ressourcen ist in die Verantwortung der einzelnen Schule gelegt.

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Quelle: RP
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