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Krefeld
Flüchtlinge: Stadt will Koerver-Halle räumen

Krefeld: Flüchtlinge: Stadt will Koerver-Halle räumen
Die Stadt plant, die Josef-Koerver-Halle an der Blumentalstraße im August "leerzuziehen". "Entsprechende Überlegungen werden derzeit in der Verwaltung geprüft", bestätigte jetzt der Chef der Presseamtes, Timo Bauermeister. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. 3695 Empfänger von Asylleistungen, die keine Anerkennung besitzen, leben derzeit in Krefeld. 20 Asylbewerber kommen jede Woche hinzu. Die Kostenerstattung durch das Land Nordrhein-Westfalen reicht jedoch nicht aus. Von Joachim Niessen

In die mit Flüchtlingen besetzten Sporthallen in Krefeld kommt Bewegung: Die Stadt plant, die Josef-Koerver-Halle an der Blumentalstraße im August "leerzuziehen". "Entsprechende Überlegungen werden derzeit in der Verwaltung geprüft", bestätigte jetzt der Chef der Presseamtes, Timo Bauermeister. Im August vergangenen Jahres war das Gebäude für die Unterbringung von Asylbewerbern hergerichtet worden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten vor allem die Schüler des Ricarda-Huch-Gymnasiums und die Basketballabteilung des SC Bayer die Sporthalle genutzt.

3695 Flüchtlinge - Empfänger von Asylleistungen, die keine Anerkennung besitzen - leben derzeit in Krefeld. Von ihnen sind 589 in sechs Turnhallen, 242 in den zwei Traglufthallen Traar und Hüls sowie 928 in sieben Sammelunterkünften untergebracht. "Für die restlichen Flüchtlinge konnten Wohnungen gefunden werden", beschreibt Bauermeister die Situation.

Der bundesweite Rückgang der Flüchtlinge in den vergangenen Monaten macht sich inzwischen auch bei den Neuankömmlinge in Krefeld bemerkbar. So liegen die Zuweisungszahlen derzeit bei rund 20 Personen pro Woche. Parallel sinkt die Zahl der Personen, die in den den Unterkünften leben. Damit sind diese teilweise nicht mehr voll belegt: Die meisten Flüchtlinge (212) bezogen Quartier in der Glockenspitzhalle , trotzdem beträgt dort die Auslastung im Moment nur 71 Prozent.

Im Gegenzug ist mit 98 Prozent die Turnhalle an der Lindenstraße fast komplett voll, allerdings bietet diese nur 39 Menschen ein Dach über dem Kopf. Quasi im Mittelfeld bewegt sich die Josef-Koerver-Halle: 121 Flüchtlinge haben derzeit dort eine vorläufige Bleibe, die Auslastung beträgt 80 Prozent. Bauermeister: "Hierbei ist jedoch zu bemerken, dass die Belegungskapazitäten nur ein Richtwert für eine Maximalbelegung sind. Eine derartige Belegung wäre jedoch nur angezeigt, wenn es keine anderen Alternativen zur Unterbringung gibt, da zum Beispiel die Sanitäreinrichtungen auch gar nicht darauf ausgerichtet sind. Auch führt eine solche Maximalbelegung immer wieder zu Spannungen bei den Bewohnern, da die Hallen auch kaum Privatsphäre bieten."

Selbt wenn die Verwaltungsspitze in den kommenden Tagen entscheiden sollte, die Koerver-Halle nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, bleibt die Situation in Krefeld angespannt. "Es ist nicht absehbar, wie sich die Zahl der Flüchtlinge entwickeln wird. Die weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen ist zu beobachten, und es müssen ausreichende Unterbringungsreserven vorgehalten werden", erklärt der Stadtsprecher. "Insgesamt wurden die Einrichtungen in den vergangenen Monaten überbelegt. Diese Überbelegung wurde inzwischen abgebaut."

Auch die Finanzlage hat die Kämmerei dabei stets im Blick. Für jeden Flüchtling, der zum 1. Januar 2016 in Krefeld lebte, zahlt das Land jährlich 10.000 Euro. Dies reicht aber nicht aus, um die kompletten Kosten zu decken. "Das Land hat für den Herbst zugesagt, eine Revision der Datenlage vorzunehmen", sagt Bauermeister. "Ob sich hieraus weitere Zahlungen für die Kommunen ergeben, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Die Ausgleichszahlungen des Landes erfolgen fristgemäß."

Quelle: RP
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