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Krefeld
Flüchtlingshalle - ein Insider berichtet

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen
Krefeld. Ein städtischer Mitarbeiter schildert die Zustände in der Koerver-Halle, in der es derzeit Probleme gibt. Von Sebastian Peters

Frust über Enge und Nicht-Beschäftigung, ständiger Streit unter einzelnen Bewohnern - seit Tagen ist das Flüchtlingsheim Josef-Koerver-Halle an der Blumentalstraße in den Schlagzeilen. Immer wieder kam es dort zuletzt zu Prügeleien zwischen Flüchtlingen unterschiedlicher Nationen, hauptsächlich Syrer und Afghanen.

Ein dort für die Stadtverwaltung arbeitender Mann hat sich jetzt bei unserer Redaktion gemeldet. Er ist täglich in der Halle, kennt die Hintergründe der Streitigkeiten, äußert dabei auch Verständnis für die Lage der Flüchtlinge.

Unsere Zeitung hat in den vergangenen Monaten bei der Stadt immer wieder auch darum gebeten, ein Flüchtlingsheim betreten zu können, innen fotografieren zu dürfen. Der Presse wird aber kein Zutritt zum Flüchtlingsheim gewährt, die Stadt verweist auf die Intimsphäre der Bewohner. Dies hat allerdings zur Folge, dass über die Lebensumstände der Flüchtlinge in Krefeld kaum etwas bekannt ist. Der Insider, der anonym bleiben möchte, weil er im öffentlichen Dienst arbeitet, möchte deshalb aufklären. Er will nichts dramatisieren, gleichwohl auf die problematische Lage aufmerksam machen.

"Fakt ist, dass ein Großteil der Bewohner in der Josef-Koerver-Halle friedlich ist, die sind alle nicht unfreundlich, man sollte die Klientel auch mal verteidigen", sagt der Mann. "Die Randale kommt immer wieder von einzelnen Leuten." Die beiden Gruppen von Syrern und Afghanen hätten sich in den vergangenen Tagen nur noch "bekriegt", so der Insider. Die Gründe seien meist Alltagsstreitigkeiten. "Zuletzt hat es Ärger gegeben, weil die Toilette von einem Syrer zu lange belegt war und ein Afghane ebenfalls die Toilette nutzen wollte." Die Zahl der sanitären Anlagen sei zu gering, klagt der städtische Mitarbeiter.

"Das kann man aber der Verwaltung nur bedingt zum Vorwurf machen, es ist eben schwer, die Masse an Flüchtlingen unterzubringen." In der Koerver-Halle sind 185 Leute untergebracht. Dabei habe die Feuerwehr ganz zu Beginn sogar empfohlen, nur 100 bis 110 Flüchtlinge unterzubringen. Mehrheitlich junge Männer würden in der Halle leben, allerdings auch vier bis fünf Kinder, die vom Kosovo kämen. Viele Bewohner würden ihre Zeit ohne Streit verbringen. "Es gibt etwa einige Pakistani, die friedlich auf den Matratzen sitzen und Karten spielen."

Im Regelfall drei bis vier städtische Mitarbeiter sind in der Halle, kümmern sich um die Flüchtlinge -einmal in der Woche kommt ein städtischer Mitarbeiter vom Sozialamt und spricht mit den Heimbetreuern. Dazu kommt der private Sicherheitsdienst - zunächst waren es zwei Mitarbeiter, gegenwärtig aber wegen der erhöhten Sicherheitsanforderungen vier.

Das Catering-Unternehmen Klueh aus Düsseldorf wiederum sorgt in der Koerver-Halle für die Essensversorgung. "Die Verpflegung in der Halle ist korrekt und abwechslungsreich." Für die Flüchtlinge würde es fortwährend Kaffee und Tee geben. Auch würden manche Flüchtlinge rund um die Halle für Sauberkeit sorgen, die Zigaretten müssten weggeräumt werden. "Viele Flüchtlinge helfen auch bei der Anlieferung der Speisen mit, tragen die Speisen vom Lieferwagen in die Halle; das läuft reibungslos, sie sind dankbar, packen mit an."

Die Krefelder Polizei betonte gestern, bereits seit Ankunft der Flüchtlinge regelmäßige Präsenzstreifen an allen Unterkünften zu zeigen. "Für verstärkte Kontrollen in den Flüchtlingsunterkünften, in denen hauptsächlich alleinreisende junge Männer untergebracht sind, gibt es derzeit keine Veranlassung", so die Polizei. Gleichwohl hat die Polizei nach den aktuellen Ereignissen in der Asylbewerberunterkunft der Josef-Koerver-Halle die Präsenz an diesem Objekt verstärkt. "Dies betrifft sowohl den Bereich vor der Halle als auch innerhalb der Unterkunft."

Die Eltern der benachbarten Ricarda-Huch-Schüler hätten bisher keinen Grund zur Beunruhigung, sagt der städtische Mitarbeiter: "Da gab es bisher keine Vorfälle, zu 100 Prozent nichts Negatives."

Quelle: RP
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