| 00.00 Uhr

Krefeld
Flüchtlingshallen in vier Stadtteilen geplant

Krefeld: Flüchtlingshallen in vier Stadtteilen geplant
Krefeld. An vier Standorten will die Stadt große Flüchtlingsunterkünfte schaffen: In Hüls am Reepenweg, in Bockum in der Kaserne Emil-Schäfer-Straße, im Westbezirk in der Kaserne Kempener Allee und auf dem Festplatz in Traar. Von Sebastian Peters

Die Stadtverwaltung hat zwei Traglufthallen angemietet, die auf dem Ascheplatz am Reepenweg in Hüls und auf dem Festplatz Traar aufgestellt werden und Mitte Januar in Betrieb gehen sollen - vorbehaltlich einer Prüfung durch den Kampfmittelräumdienst auf den Flächen. Dies hat Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) gestern in einer Pressekonferenz erklärt. Die Anmietung erfolge für zwei Jahre. Rund 1,44 Millionen Euro kostet dies, wie Planungsdezernent Martin Linne erläuterte: Beide Hallen haben eine Kapazität für 150 Personen, pro Flüchtling werde mit 200 Euro Kosten monatlich für die Anmietung gerechnet.

Das ist nur der erste Teil einer Unterkunftsoffensive, die die Stadt für Flüchtlinge plant: In einem zweiten Schritt soll im zweiten Quartal 2016 die Kaserne an der Emil-Schäfer-Straße in Bockum ertüchtigt werden. Dort sollen Wohnheime in Holzbauweise für Flüchtlinge entstehen. Weiter steht die Stadt in Verhandlung mit dem Investor, der die Kaserne Kempener Allee gekauft hat. Die Stadt möchte dort auf einer kleineren Fläche bis zu 300 Flüchtlinge unterbringen, teilweise auch in der kaserneneigenen Sporthalle.

Der Druck auf die Kommunen, Flüchtlinge zu beherbergen, nimmt weiter zu: 2820 Flüchtlinge leben nach offiziellen Zahlen in Krefeld. Derzeit kommen 100 pro Woche. Erst gestern kam wieder eine 24-köpfige Familie aus Syrien, für die die Stadt nach einer nächtlichen Bleibe suchen musste. Zur Wahrheit gehört aber auch: 1000 Flüchtlinge in Krefeld kommen vom Westbalkan, haben im Prinzip keine Bleibeperspektive, wurden aber noch nicht abgeschoben, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen. "Jeder Fall muss individuell betrachtet werden", betonte OB Meyer.

Eine Zahl macht den Druck besonders deutlich: 300 der Bewohner in den Notunterkünften haben zwar den Status "anerkannter Asylbewerber", könnten also eine normale Wohnung beziehen, doch sie finden keine. "Wir müssen Platz schaffen für Neuankömmlinge", sagte Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk. Die Enge sorge für Konflikte in den Notunterkünften. "Das müssen wir entzerren."

Kurzfristig hilft ein neues Flüchtlingsheim an der Oppumer Straße (alte Fabrik Hellenthal) für 100 Flüchtlinge, das noch vor Weihnachten in Betrieb gehen soll. Doch auch dieses wird schnell wieder belegt sein. Bis Ende 2014 erwartet Gottschalk weitere 400 bis 500 Flüchtlinge. Dies bedeutet: Schon diese Kapazität können die beiden neuen Traglufthallen allein nicht beherbergen. Die Stadt hätte auch viel größere Hallen anmieten können, für 600 bis 700 Bewohner. Das ist aber laut Planungsdezernent Martin Linne nicht intendiert gewesen.

Es gibt einige lokale Besonderheiten bei der Planung: In Bockum müssen zunächst noch Teile der vorhandenen Kaserne abgerissen werden. An der Kempener Allee bedarf es weiterer Gespräche mit dem Investor. Für 18 bis 24 Monate will die Stadt dort Flüchtlinge beherbergen und hat gegenüber dem Investor ein Druckmittel - die Stadt ist es, die den Antrag des Investors bearbeitet, dort langfristig ein Wohngebiet zu errichten. In Traar sieht die Planung vor, dass der Wochenmarkt weiter stattfinden kann, auch die Stellplätze dort bleiben. Sowohl in Hüls als auch in Traar kommen zu den Traglufthallen auch noch Sondercontainer mit Sanitäranlagen. Nicht in Anspruch genommen werden sollen die in Hüls am Reepenweg benachbarten Kabinen. Die Hallen sollen eben langfristig helfen, dass Sporthallen frei werden und die Vereine trainieren können.

FOTO: T. L.

Meyer richtete gestern einen Appell an Bund und EU: Beide seien gefragt, die Kommunen zu entlasten. Die Arbeit sei für Sozialamtsleiter Wolfram Gottschalk und sein Team kaum noch zu leisten. "Viele Mitarbeiter machen weit mehr, als es in ihrem Arbeitsvertrag steht. Sie machen einen tollen Job", sagte Meyer in Richtung seines Behördenleiters Gottschalk.

Die FDP hat unterdessen gestern erklärt, dass sie sich dafür ausspricht, eine Flüchtlingshalle auf dem Parkplatz Girmesgath zu errichten. Dies aber wird im OB-Büro kritisch gesehen: Die Halle läge dann in Nachbarschaft zum Flüchtlingsheim Westparkstraße. Die FDP hatte ihren Vorschlag dem OB in nicht-öffentlicher Sitzung unterbreitet und die Pläne zuletzt auch vor Publikum vorgestellt.

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.