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Krefeld
Flüchtlingsrat - mehr denn je gebraucht

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Krefeld. Der Flüchtlingsrat Krefeld besteht seit 20 Jahren - niemals war er so wichtig wie heute. Die Mitglieder registrieren erfreut eine Veränderung der Akzeptanz von Flüchtlingen in Krefeld, dennoch gibt es Sorgen. Von Sebastian Peters

Von "feiern" wollen Christoph Bönders und Ute Richter nicht sprechen - die beiden Vorsitzenden des Krefelder Flüchtlingsrats richten deshalb zum 20-jährigen Bestehen ihres Gremiums lieber eine Veranstaltungswoche aus, die auf das Thema Flucht aufmerksam machen soll. Provokanter Titel: "Was würden Sie mit 67 Millionen machen?" Erst auf der Rückseite des Veranstaltungsflyers erfährt der Leser, dass nicht Euro gemeint sind, sondern die 67 Millionen Menschen, die sich laut Vereinten Nationen (UNHCR) weltweit auf der Flucht befinden.

67 Millionen, das ist die eine Zahl - die andere, viel konkreter, lautet 1600. So viele Menschen leben aktuell in Krefeld mit dem Status Flüchtling. "Niemals hätten wir vor zehn Jahren gedacht, dass es noch einmal so viele werden würden", räumte gestern Christoph Bönders, zweiter Vorsitzender des Flüchtlingsrates, ein. Und so äußerte auch dieses Gremium keine öffentliche Kritik, als vor Jahren beschlossen wurde, etwa die Wohnheime an der Herbertzstraße abzureißen.

Der Flüchtlingsrat begrüßte und unterstützte stets den Beschluss des Rates, auf dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Wohnungen zu setzen, statt große Einrichtungen vorzuhalten. Intern habe es aber durchaus Kritik am Abriss der Herbertzstraßenhäuser gegeben, sagt jetzt Christoph Bönders, ehemaliger Grünen-Ratsherr. Mittlerweile würde bei der Stadt auch ein Umdenken einsetzen. So hätte die Verwaltung in den vergangenen Monaten immer wieder mal angedeutet, dass sie perspektivisch wieder Flüchtlingsheime bauen will.

Das Beispiel zeigt: Der Flüchtlingsrat befindet sich in einer schwierigen Rolle - er erkennt einerseits die problematische Lage, in der sich die Stadt wegen des Zustroms von Flüchtlingen befindet, tritt andererseits stets als Mahner auf. Der Vorstand des Flüchtlingsrats verwies gestern auf viele positive Entwicklungen: Noch vor Jahrzehnten habe man aus Sorge vor Übergriffen planen müssen, die Asylbewerberwohnheime an der Oppumer Straße nachts bewachen zu lassen. Heute hingegen gebe es in weiten Teilen der Bevölkerung Verständnis für Flüchtlinge. "Ich habe täglich etliche Zuschriften von Krefeldern, und doch waren darunter bisher erst drei, die gegen Flüchtlinge gerichtet waren", sagt Flüchtlingsratsvorsitzende Ute Richter. Die Welle der Bereitschaft zu helfen sei so groß, dass selbst der Flüchtlingsrat kaum weiß, wie er koordinieren soll. Das Problem aus Sicht von Ute Richter: Die Kontaktvermittlung zwischen dem bereitwilligen Krefelder Helfer und dem Flüchtling sei schwierig. Die Stadt habe zwar Listen von Flüchtlingen erstellt, allerdings sei nicht zu sehen, wo sich welcher Flüchtling befindet. Und in den Aufnahmeeinrichtungen fehlten schlicht die Räume der Begegnung.

Chorweiler: So sieht die Zeltstadt für Flüchtlinge aus FOTO: dpa, mb soe

Positiv ist aus Sicht von Bönders und Richter auch das Bemühen der Sparkasse, jetzt endlich Girokonten für Flüchtlinge einzurichten, nachdem dies jahrelang vorher ein Streitthema war. An anderer Stelle sieht der Flüchtlingsrat dringenden Kommunikationsbedarf: Die Anwohner der Kaserne Kempener Allee, wo das Land in der Kaserne eine Zeltstadt errichten will, müssten dringend über die Pläne informiert werden. "Frau Stadtdirektorin Zielke muss endlich ihr Versprechen umsetzen", sagte Bönders.

Die Termine der Flüchtlingswoche liegen alle um den 2. Oktober, Tag des Flüchtlings: 27. September, 11 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Asyl ist Menschenrecht" im Südbahnhof. 29. September, 19 Uhr: Lesung der Krefelderin Gloria Yazdan Bakhsh aus ihrem Buch "Auf den Schwingen der Nacht" in Südbahnhof. 1. Oktober, 19 Uhr, Benefizkonzert in Friedenskirche, mit Julia Polziehn. 2. Oktober, 19 Uhr, Fest der Kulturen im Südbahnhof, unter anderem mit Ethno-Rock von Tchalo. 4. Oktober, 16 Uhr, ökumenischer Gedenkgottesdienst für ertrunkene Flüchtlinge in St. Dionysius.

Quelle: RP
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