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Krefeld
Folklorefest: Rekord mit Krefelder Bands

Folklorefest Krefeld 2015: Rekord mit Krefelder Bands
Tchalo, eine Krefelder Erfolgs-Band der 80er Jahre, hatte während des Auftritts einige Tonprobleme, was der Stimmung beim dicht gedrängt stehenden Publikum keinen Abbruch tat. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Mit Programm und Konzeption lagen die Festivalmacher goldrichtig: Das Publikum drängte sich um die Bühnen wie lange nicht. Bei bestem Wetter feierten Gäste und Musiker in toller Atmosphäre bis in die Nacht. Von Mojo Mendiola

Zum traditionellen Wiedersehen nach der Sommerpause fand das Krefelder Publikum sein Open-Air-Wohnzimmer auf dem Platz an der Alten Kirche zum 38. Folklorefest am Freitag leicht umgeräumt vor. Man hatte die Bewirtung der Gäste räumlich entzerrt, die internationalen Spezialitätenköche auf dem Übergang zwischen Alter Kirche und Schwanenmarkt angesiedelt und Tische und Bänke dazugestellt, was sich als überwiegend vorteilhaft erwies. Auch die kleine Zusatzbühne dort, auf der am Freitag Markus Türk und Manfred Heinen während der Umbaupausen auf der Hauptbühne ihr zugleich anspruchsvolles und lustiges Musikkabarett Furiosef darboten, wurde vom Publikum prima angenommen.

Der Genießermarkt mit internationalen Spezialitäten war gut besucht und bot für jeden Geschmack eine Auswahl leckerer Speisen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Zum Themenabend "Krefelder Kultnacht" am Freitag verzichtete man ausnahmsweise auf den Tanz-Workshop und begann um 18 Uhr gleich mit den Jungs vom Provinztheater. Und die rissen mit ihrer Spielfreude, ihrem Können und mit ihrem Humor gleich mit - zum Beispiel mit der Ballade vom Niedergang des Helden, "dem es einst möglich schien, den Colt schneller als sein Schatten zu ziehen." Ihnen folgten die Fog Joggers. Das größte Vergnügen in ihrem Set bereitete die satte Orgel von Christian Peitz. Auch Tchalo, eine Krefelder Erfolgs-Band der 80er Jahre, spielte sichtbar mit Verve, litt jedoch unter ihrem Tonmeister. Die reizvolle Mischung aus maghrebinischem Rai, westeuropäischem Rock und italienischen sowie spanischen Zutaten kam nur eingeschränkt zur Geltung. Azze-Edine Mihoubis Gesang sowie Sioux's Gitarre kämpften in einer unkontrollierten Bass-Suppe ums Überleben, und Jörg Meuthers Akkordeon sowie Max Zelzners Querflöte waren streckenweise gar nicht zu hören. Letztlich blieben nur die Rhythmen, die zündeten.

Erheblich besser klangen dann wieder Markus Maria Jansen und seine Band M. Walking On The Water. Dass sie zu ihrem Reunion-Line-Up noch drei Streicher mit auf der Bühne brachten, um alte Hits wie "Elysian" neu zu veredeln, konnte man nicht nur sehen, sondern auch hören. Und so verhalfen sie dem Krefelder Kultabend - zusätzlich zum Rekord-Umsatz - doch noch zu einem gelungenen Abschluss. Von den Samstags-Bands hinterließ die mit dem anspruchsvollsten Namen den geringsten Eindruck. Die Great Bertholinis blieben erstaunlich blass. Und bei den übrigen Acts, die Helmut Wenderoth von Kresch in bewährter Manier ankündigte, ließen nicht alle einen Bezug zu (Folk)lore und/oder Weltmusik erkennen. Dennoch fühlte sich das Publikum prima bedient. Kuersche und drei Ex-Furys aus dem Slaughterhouse zeigten sich unter anderem vom Liverpooler Mersey-Beat inspiriert, hatten aber auch noch andere Retro-Töpfe -auf dem Herd. Für Party-Stimmung mit viel Reggae-Sonne sorgten - textlich banal, aber handwerklich top - "Ratatöska" aus Berlin.

Auf der Nebenbühne unterhielt Furiosef mit anspruchsvollem und lustigem Musikkabarett die Besucher während der Umbaupausen auf der Hauptbühne. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Auf der Nebenbühne stellte sich zuerst der diesjährige Singer-Songwriter-Slam-Gewinner Mark Gorzolka vor. Der Australier Tim McMillan und seine Begleiter klangen ein bisschen wie einst das Trio Farfarello, nur mit weniger Geige und dafür viel Gesang. Dem Begriff Folklore am nächsten kam in diesem Jahr der Argentinier Gustavo Imusa. Mit seiner tollen Bariton-Stimme und den verlangsamten Huayno-Rhythmen auf seiner Gitarre weckte er Erinnerungen an die große Mercedes Sosa.

Den Schlusspunkt auf der Hauptbühne setzte das Oktett Monsieur Periné aus dem kolumbianischen Bogota. Ihre Mischung aus diversen Latin-Stilen, Reggae und Sinti-Swing, vor allem aber ihre quirlige Sängerin Catalina Garcia, heizten den kühler werdenden Abend noch einmal richtig durch.

Quelle: RP
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