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Krefeld
Franzose hilft im Emmaus-Möbelhaus

Krefeld: Franzose hilft im Emmaus-Möbelhaus
Stühle schleppen, anstatt im Hörsaal zu büffeln: Der junge Franzose Alexandré Météreau liebt es, sich bei der Arbeit körperlich voll zu verausgaben. Dass er dabei auch noch sein Deutsch verbessert, ist ein gewünschter Nebeneffekt. Denn nach dem Praktikum geht es mit dem Studium weiter - dann in Klagenfurt/Östereich. FOTO: LS
Krefeld. Der französische Student der Wirtschaftswissenschaften Alexandre Météreau hat sich für einen ungewöhnlichen Praktikumsplatz entschieden: drei Monate lang lebt und arbeitet er in der Krefelder Emmaus-Gemeinschaft. Von Carola Puvogel

Deutsch lernen und gleichzeitig für die gute Sache arbeiten: diese ungewöhnliche Kombination hat sich der französische Student Alexandre Météreau als Sommerprojekt ausgesucht. Der 22-Jährige, der in La Rochelle Wirtschaftswissenschaften studiert, lebt und arbeitet für drei Monate in der Gemeinschaft Emmaus an der Peter-Lauten Straße. In dieser Zeit ist Alexandre in die alltäglichen Arbeiten genauso eingebunden, wie jeder andere Emmaus-Bewohner auch. Und das heißt vor allem: schwere körperliche Arbeit von morgens bis abends. Der junge Franzose hilft bei Wohnungsauflösungen und bei der Arbeit im Emmaus-Gebrauchtmöbelmarkt. Untergebracht ist er im Emmaus-Haus, dort wohnt er gemeinsam mit zehn anderen, in der Mehrzahl Männer.

"Ich arbeite gerne hart", erzählt der Student, der zuvor bereits in Irland auf einem Bio-Bauernhof gelebt hat, dort gab es Kost und Logis gegen Arbeit - vornehmlich Holz hacken und Schnecken absammeln. Die Emmaus-Gemeinschaft sei in Frankreich sehr bekannt. "Jeder kennt Emmaus", sagt er. Daher habe es für ihn nahe gelegen, sich zu erkundigen, ob es für das Sozial-Praktikum - ein Pflichtbestandteil seines Studiums - auch Möglichkeiten bei Emmaus in Deutschland gäbe. "So kann ich auch mein Deutsch verbessern", sagt Alexandre mit charmantem französischem Akzent. Nach dem Emmaus-Praktikum geht es für ihn weiter nach Österreich, ein Jahr Studium in Klagenfurt, das allerdings dann wieder auf Englisch.

Die Arbeitstage in der Emmaus-WG beginnen für ihn morgens um 8.30 Uhr. Nach einer Lagebesprechung am großen Gemeinschafts-Küchentisch rückt das Team um Emmaus-Geschäftsführerin Elli Kreul aus, holt Gebrauchtmöbel ab oder löst Haushalte auf. Nicht immer ein einfaches Geschäft: "Einmal haben wir ein kleines Apartment ausgeräumt, das völlig verdreckt war, eine Messi-Wohnung", erzählt Alexandre. Nur mit Gesichtsmasken habe man dort arbeiten können, alle ausgeräumten Dinge seien direkt in den Müll gewandert. Ein eindrückliches Erlebnis. Doch das sei die Ausnahme. Die gebrauchten Möbel und Haushaltsgegenstände bringt das Team dann zum Emmaus-Markt. "Nachmittags organisieren wir dann meistens den Verkaufsraum, bringen die neuen Sachen rein oder helfen Kunden, Möbel ins Auto zu tragen", erzählt der Student. Ein gemeinsames Mittagessen in der Emmaus-Küche ist fester Bestandteil des Tagesablaufs. "Was mir gut gefällt, ist der Zusammenhalt der Gemeinschaft", berichtet er. "Das ist sehr positiv". Auch in der Freizeit unternehme man gemeinsam etwas, Ausflüge nach Holland etwa oder Spieleabende. Außerhalb von Emmaus hat Alexandre allerdings kaum Kontakte geknüpft. "Ich bin auch abends nach der Arbeit so müde, dass ich früh ins Bett gehen muss", berichtet er und lacht. "Aber es macht mich zufrieden, wenn ich hart gearbeitet habe." Genau das entspricht auch der Idee von Emmaus-Gründer Abbé Pierre: Bedürftige und Ausgegrenzte sollen den Wert des Lebens durch ihrer eigenen Hände Arbeit wieder schätzen lernen. Und erkennen, wie sinnvoll es sein kann, wenn man bescheiden lebt, damit die Gemeinschaft anderen Schwachen und Bedürftigen auf der Welt etwas abgeben kann. Mitte September endet Alexandres Krefeld-Aufenthalt. "Vielleicht werde ich mir ein paar deutsche Bücher aus dem Emmaus-Markt als Souvenir mitnehmen", überlegt er. Vorher steht noch einiges an Arbeit an. Denn am 29. August feiert die Gemeinschaft wieder ein großes Sommerfest: Jede helfende Hand wird gebraucht.

Quelle: RP
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