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Krefeld
Frauen drehen ein großes Rad für die Kunst

Krefeld: Frauen drehen ein großes Rad für die Kunst
Die Bildhauerinnen Doris Kaiser (rechts) und Brigitta Heidtmann zeigen ihre Arbeiten aus Gips. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Ihre Kunst kann sich behaupten: Doris Kaisers und Brigitta Heidtmanns Arbeiten in der Fabrik Heeder stehen in starker Konkurrenz zum Raum, zum Parkett, zur Geometrie des Holzes in der Pförtnerloge des ehemaligen Tapetenherstellers. Es geht ihnen ums Behaupten - dort und generell. Ums Behaupten geht es auch dem Frauenkulturbüro NRW, das zu seinem 25-jährigen Bestehen diese Ausstellung organisiert hat. Von Norbert Stirken

Drei große Räder dominieren den transparenten Kubus an der Virchowstraße 130 B. Die Skulpturen aus Gipskarton, Holz und Schrauben in der Pförtnerloge entfalten ihre Kraft und Dynamik beim ersten Hinsehen. Sie drängen sich nach vorn, scheinen Schwung aufzunehmen und den Betrachter mitreißen zu wollen in eine Welt der Betriebsamkeit, der Mechanik und des Produktiven. Dafür sprechen auch die von Brigitte Heidtmann gewählten Materialien, die unbehandelt und ungeschönt ihre Ursprünglichkeit behalten haben.

Die studierte Designerin hat in die Oberflächen unterschiedliche Aussparungen geschnitten. Sie machen ihre im Durchmesser 1,70 Meter großen Arbeiten unverwechselbar, transparent und einzigartig. Und sie erlauben, den Raum auf eine ganz besondere Weise wahrzunehmen. Sie geben darüber hinaus Licht und Schatten die Chance, die Pförtnerloge zu unterschiedlichen Tageszeiten mit einer ganz eigenen Formensprache zu erobern.

Brigitta Heidtmann kennt die Pförtnerloge genau. Von ihr stammen Konzeption und Organisation der dort stattfindenden Reihe "Pförtnerloge - raumbezogene Kunst in der Fabrik Heeder", zu der der Berufsverband Bildender Künstler seine Mitglieder immer wieder einlädt, ihre Werke zu präsentieren.

Die aktuelle Ausstellung des Frauenkulturbüros NRW ist "Ins Weite" betitelt. Während Heidtmanns Räder geeignet erscheinen, auszubrechen, sich in die Weite zu begeben, beschreitet Doris Kaiser einen anderen Weg. Ihre Arbeiten sind nach Innen gekehrt. Ihre Weite ist die Reduzierung. Der Prozess ist für sie noch nicht abgeschlossen. "Ich reduziere immer mehr", sagte sie gestern in der Ausstellung. Ihre Wandarbeiten aus Gips strahlen Ruhe und Konzentration aus und bilden damit spannende Gegenpole zu den raumgreifenden Rädern.

Minimal angelegte Zwischenräume zwischen den einzelnen Elementen, die leichte Aufwölbung einer Teilfläche, zarte Bleistift- und Tonlinien fordern den Betrachter zum genauen Sehen auf. Doris Kaiser baut Formen, gießt Gips hinein, bearbeitet den flachen Korpus mit einem Messer, kombiniert ihn mit Stahl und Spuren ungebrannten Tons. Die räumlich plastische Wirkung bei den Wandarbeiten tritt zurück, zugunsten einer leisen Formulierung räumlicher Gesten. Die Vertikalen sind mehr als eine Andeutung, sie scheinen sich der Begrenztheit des Raums zu widersetzen.

Doris Kaiser hat alle Begrenztheit in ihrem künstlerischen Schaffen schon früh überwunden. Dafür wurde sie gleichsam mit nationalen und internationalen Preisen überhäuft - darunter auch der 1999 verliehene und mit 10.000 Euro dotierte Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.

Quelle: RP
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