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Krefeld
Frauen lernen israelischen Nahkampf

Krefeld. Krav Maga oder "Kontaktkampf" heißt das taktische Nahkampfsystem des israelischen Militärs, das Frauen in einem Selbstverteidigungskursus erlernen können. Eine 23-jährige Krefelderin hat es ausprobiert. Von Julia Schleier

Als Frau nachts alleine durch die Straßen zu laufen, ist eine Situation, die häufig als kritisch empfunden wird und Angst machen kann. Die Krefelderin Aylin Schulze hat jetzt gegengesteuert und an einem dreistündigen Selbstverteidigungskursus teilgenommen. Zusammen mit sieben anderen Frauen zwischen 15 und 50 Jahren probierte die 23-Jährige die israelische Selbstverteidigungskunst Krav-Maga aus. Krav Maga heißt übersetzt "Kontaktkampf" und ist an das taktische Nahkampfsystem der israelischen Armee angelehnt. Zu Beginn des dreistündigen Crashkurses werden erst mal ganz simple Abwehrübungen geprobt, um sich langsam an die Situation zu gewöhnen. "Hemmungen hatte zum Glück keine der Teilnehmerinnen. Die anderen Frauen waren alle sehr nett und die Stimmung war entspannt", berichtet Schulze über die Trainingsatmosphäre.

Mit der Zeit werden die Übungen ausführlicher. Trainer Christoph Strommenger vom Balance Selbstverteidigungszentrum Meerbusch zeigt die Techniken erst mit einer Teilnehmerin, in kleinen Gruppen wird dann nach diesem Vorbild trainiert. Manche Frauen tragen Schutzpads an den Händen und müssen damit die Schläge oder Tritte der anderen abwehren.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist Aylin Schulze der Griff, mit dem sie im Sitzen einen Angreifer abwehren kann, um dann schnellstmöglich zu fliehen. Nachgestellt wird beispielsweise die Situation an einer Bushaltestelle. "Generell sollte man an Bushaltestellen besser stehen bleiben. Die Abwehrmöglichkeiten sind dann vielfältiger", weiß sie mittlerweile. Die meisten der trainierten Übungen werden mit Alltagssituationen verknüpft. "Dadurch war das Training sehr abwechslungsreich. Wir haben erfahren, wie wir uns aus Würgegriffen befreien können und haben gelernt, an welchen Stellen des Körpers wir dem Angreifer am besten weh tun können." Ihr Fazit: "Hemmungen, einen Angreifer abzuwehren, habe ich keine mehr. Wenn ich angegriffen werde, würde ich vor dem Tritt in die Weichteile nicht zurückschrecken", erklärt die junge Frau.

Nach dem Training fühlt sich Aylin tatsächlich schon etwas sicherer. "Ich war zwar nie der ängstliche Typ, aber das Training hat mir schon was gebracht". Ein Aha-Erlebnis hat Schulze bezüglich der eigenen Aufmerksamkeit: "Der Trainer hat uns nahegelegt, dass wir uns öfter mal umzuschauen sollen, wenn wir alleine unterwegs sind. Ist man aufmerksam genug, kann man einschätzen, wer vor oder hinter einem läuft und sich auf einen möglichen Angriff vorbereiten." Darüber hinaus sind ihr auch ein paar Griffe im Kopf geblieben, von denen sie glaubt, dass sie sie auch im Ernstfall anwenden könne. Generell sei das Training sehr anstrengend, aber auch eine hilfreiche Erfahrung gewesen. Einen weiteren Kursus im Januar, bei dem sie das Gelernte auffrischen will, hat Aylin Schulze schon gebucht. "Danach überlege ich mir, ob ich in einen regelmäßigen Selbstverteidigungskursus einsteige. Wenn man öfter trainiert, kann man natürlich noch viel mehr Griffe und Techniken erlernen und vertiefen."

Auch wenn beim Selbstverteidigungs-Crashkursus nicht massig Techniken "hängen geblieben" sind, möchte Aylin Schulze den Kurs jedem empfehlen. Besonders schüchterne Frauen, findet Schulze, könnten dabei einiges lernen.

Quelle: RP
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