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Kr Wie Krefeld
Freunde des Kesselhauses

Krefeld. Die Grünen sind als erste Fraktion aus der Deckung gekommen und haben sich im Ringen um die Zukunft des Seidenweberhauses für das Kesselhaus ausgesprochen. Sie beweisen damit mindestens in einer Hinsicht feines Gespür: Das Kesselhaus vermag es, Sympathien zu bündeln. Der Charme des schönen alten Industriegebäudes betört viele in der Stadt. Allerdings bleiben bei näherem Nachdenken mehr offene Fragen als Antworten.

Zuallererst: die Finanzierung. Die Grünen bringen eine Gesellschaft ins Spiel, bei der am Ende die Stadt Eigentümerin des Kesselhauses ist. Wie das gehen soll und warum das besser ist, als das Gebäude in der Hand des Investors zu belassen, erschließt sich erst einmal nicht. Der Mehrwert des Investor-Modells liegt ja zunächst darin, dass nicht mehr die Stadt für die Unterhaltung des Gebäudes aufkommen muss. Wie strahlend schön Gebäude in der Obhut einer Stadt aussehen (Achtung, Ironie), kann man am Seidenweberhaus besichtigen. Warum also nicht endlich einen Neuansatz wagen?

Zum anderen machen die Grünen gleich ein zweites Fass auf. Sie fordern für den Theaterplatz keine neue Veranstaltungshalle, sondern Konzepte zur Belebung des Platzes. Heißt für die Stadt: Zu Problem A kommt Problem B hinzu. Den Theaterplatz ohne Veranstaltungshalle entwickeln? Bislang gab es keine zündende Idee, nur Blütenträume vorbei an der Realität der Stadt und ihrer Historie.

Der Theaterplatz liegt nun mal entscheidende 300 Meter neben dem historischen Kern Krefelds - wer dies ignoriert und vage von "Belebung" träumt, wird scheitern. Es hat Gründe, warum der Platz früher - vor dem Bau des Seidenweberhauses - als Parkplatz diente: weil er akkurat neben der inneren, der belebten Sphäre städtischen Lebens lag.

Diese Sphäre auszudehnen ist ein gefährlicher Traum. Krefeld muss sich dringend dort konsolidieren, wo heute der Einzelhandel halbwegs gut funktioniert. Diese Strategie hat zuletzt das "Junker+Kruse"-Gutachten über die Innenstadt eindringlich belegt. Wer von der Belebung des Theaterplatzes träumt, sollte bitteschön erst einmal den Platz an der Alten Kirche, den Dionysiusplatz, den Platz rund ums Behnischhaus, den Ostwall, den Schwanenmarkt und die Hochstraße mit viel, viel Druck so attraktiv gestalten, dass man sich dort gerne aufhält. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, der sieht doch: Krefeld kämpft an den angestammten Plätzen um Sauberkeit, Sicherheit und Schönheit des öffentlichen Raums. Diese Schlacht muss erst einmal gewonnen werden, bevor man sich neue, schöne Platzparadiese jenseits der City zusammenträumt.

Konsequenter wäre es zu sagen: Lassen wir den Theaterplatz frei, wenn die Entscheidung für das Kesselhaus fällt. Vielleicht fällt künftigen Generationen etwas Gutes ein. Dieser hier gelingt es nicht.

Quelle: RP
 
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