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Krefeld
Friedrich der Große und Voltaire treffen Beuys

Krefeld: Friedrich der Große und Voltaire treffen Beuys
Jochen Stücke zeigt in einer Doppelausstellung - hier im Kunstverein - Moyländer Episoden um Voltaire, Friedrich und Beuys. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der Kunstverein zeigt bis zum 5. November Werke von Jochen Stücke unter dem Titel "Moyländer Episoden". Begegnungen jenseits der Zeit. Von Christine van Delden

Jochen Stücke (geboren 1962), Professor für Zeichnen, Illustration und Künstlerische Druckgrafik am Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein, arbeitete von 2013 bis 2016 an den "Moyländer Episoden". Sie sind der dritte Teil des großen Zeichenprojekts "Pariser Album". Mit den "Moyländer Episoden" thematisiert er die erste Begegnung Friedrich des Großen mit dem Philosophen Voltaire im September 1740 auf Schloss Moyland. Die Arbeiten Jochen Stückes wurden bereits in einer großen Ausstellung auf Schloss Moyland gezeigt und sind nun in einer Auswahl unter dem Titel "Moyländer Episoden, Friedrich - Voltaire - Beuys" im Krefelder Kunstverein zu sehen - ergänzt um Krefeld-spezifische Arbeiten. Genaugenommen handelt es sich um eine Doppelausstellung, denn auch im Literaturhaus an der Gutenbergstraße werden Zeichnungen von Stücke präsentiert.

Hierzu erklärt Michaela Plattenteich, Vorsitzende des Vereins Literatur in Krefeld: "Der Anstoß für die Doppelausstellung ist ein literarischer, denn der Krefelder Otto Brües hat 1943 eine Novelle über die erste Begegnung Friedrich des Großen mit Voltaire auf Schloss Moyland veröffentlicht. Jochen Stücke hat Blätter gefertigt, die sich auf jene Novelle beziehen. Diese Arbeiten werden im Literaturhaus gezeigt". Jochen Stücke ergänzt: "Die Auswahl an Arbeiten für Kunstverein und Literaturhaus ist eine etwas andere als die in Moyland gezeigte. Ich wollte für Krefeld andere Schwerpunkte setzen. Ich will mit meiner Arbeit nicht werten, ich möchte einen Blick auf die Rezeptionsgeschichte werfen und auf die Frage, wie wir mit den traditionellen Vorstellungen von Voltaire und Friedrich dem Großen umgehen". Er erläutert, dass das Bild Friedrichs stark von dem Maler Adolf Menzel (flötenspielender Friedrich) geprägt sei, und er habe sich die Freiheit genommen, die Figuren in andere Kontexte zu stellen: "Aber ohne diese bloßzustellen oder zu karikieren. Die mich antreibende Frage war: Was hat davon Substanz für eine zukünftige Geschichtsbetrachtung?"

Im Kunstverein werden Krefeld-spezifische Arbeiten gezeigt. Zum Beispiel aus der Bildfolge "Das Drama der Tragödie". Hier thematisiert Stücke die Verachtung, die Friedrich und Voltaire in ihrer Zeit für Shakespeare empfanden: Sie missbilligten dessen Aufführungspraxis und die dargestellten Grausamkeiten auf der Bühne. Sie hielten hingegen fest am damals bereits überlebten Ideal der klassischen französischen Tragödie. Heute gilt Shakespeare indessen als Inbegriff des dramatischen Theaters. Beuys war fasziniert von Shakespeare und der Kunst der Inszenierung und fand in ihm eine seiner Inspirationsquellen.

Stücke zieht assoziative Fäden durch die Kulturgeschichte, die den alltäglichen Zeitbegriff in Frage stellen. Er macht deutlich: "Der Kunstbegriff hat sich innerhalb von 200 Jahren gedreht und verändert, das möchte ich zeigen - wie ich zu Beuys stehe, ist völlig irrelevant".

Die 45 Arbeiten, die im Kunstverein gezeigt werden, laden zum intensiven Betrachten ein. Stücke verbindet seinen linearen Zeichenstil mit großflächigen und malerischen Lavierungen, leuchtet präzise aus oder verschattet seine Motive rätselhaft. Zahlreiche handschriftliche Texte strukturieren die Blätter.

Die Finissage ist am 5. November im Literaturhaus. Der Schauspieler Mathias Oelrich wird die Novelle von Otto Brües lesen.

Krefelder Kunstverein, Westwall 124, Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag 16-19 Uhr, Sonntag 11-13 Uhr. : Montag, Dienstag und Freitag 10-12.30 und 14-16.30 Uhr. Niederrheinisches Literaturhaus, Gutenbergstraße 21, Tel.: 02151 599072. Geöffnet bei Veranstaltungen und nach Vereinbarung.

Quelle: RP
 
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