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Krefeld
Friseur-Engel schneiden Obdachlosen die Haare

Krefeld: Friseur-Engel schneiden Obdachlosen die Haare
Neben den Haarschnitt-Profis war auch Tatort-Schauspieler Jochen Nickel (m.) vor Ort und half mit. FOTO: Lammertz Thomas
Krefeld. Der Club der ehrenamtlichen Friseure, genannt "Barber Angels Brotherhood", will den Obdachlosen etwas Lebensqualität schenken. Von Felix Schulte und Theo Lappe

Ob London, Paris, Los Angeles oder Mailand - Claus Niedermaier hat schon in den ganz großen Metropolen dieser Welt als Friseur gearbeitet. Gestern verschlug es ihn aber an den Krefelder Hauptbahnhof. Warum? Gemeinsam mit seinen Freunden der "Barber Angels Brotherhood" schnitt er Obdachlosen kostenlos die Haare und Bärte. "Ziel der Aktion ist es, dass den Obdachlosen ihr Selbstwertgefühl wiedergegeben wird", sagte Niedermaier. Dieses Angebot nahmen rund 100 Menschen in Anspruch und freuten sich über neue Frisuren.

Tarik war einer der Glücklichen, denen die Barber Angels zu einem neuen, gepflegteren Aussehen verholfen haben. Er nahm am Vormittag auf dem Friseurstuhl von Niedermaier Platz und ließ seine dunkelblonden Haare wieder in Form bringen. "Ich finde die Aktion klasse. Es ist ein gutes Gefühl, wie ein normaler Mensch behandelt zu werden", erzählte der 35-Jährige. Dass drei der Friseurstühle - darunter auch sein eigener - draußen vor dem Gebäude der Bahnhofsmission standen, störte weder ihn noch die anderen. Die Sonne schien während der kompletten drei Stunden der Aktion, die so zum vollen Erfolg wurde.

Diese Frau war eine von 100 Menschen, die sich von den Friseuren die Haare schneiden ließ. 60 hatten sich angemeldet, 40 kamen spontan. FOTO: Lammertz

Wer das Schauspiel aus der Entfernung beobachtete, konnte es allerdings kurz mit der Angst zu tun bekommen - in ihren schwarzen, nietenbesetzten Lederkutten erinnerten die Friseure stark an die Mitglieder gefürchteter Rocker-Clubs. Doch mit Vereinigungen wie den "Hells Angels" haben die mit Scheren bewaffneten Männer und Frauen nichts zu tun. "Dieses Outfit soll den Menschen die Hemmungen nehmen, die durch eine normale Salonkleidung aufkommen könnte", erklärte Niedermaier. In seinem eigenen Salon in Biberach und bei internationalen Events lässt Niedermaier die Rockerkluft zwar zuhause, einen Unterschied macht das für ihn aber nicht: "Gestern schneide ich noch Senta Berger die Haare und heute ist es ein einfacher Mann von der Straße."

Unterstützt wurde Niedermaier von einigen aus ganz Deutschland angereisten Kollegen. Außerdem war auch Prominenz vor Ort. So verteilte der Schauspieler Jochen Nickel - bekannt aus dem Tatort - Pflegeprodukte an die Menschen. "Die Obdachlosen sind nicht anders als meine Nachbarn. Deswegen helfe ich mit", sagte der Schauspieler. Er fand großes Lob für den ehrenamtlich tätigen Club der Friseure: "Ich finde diese Selbstlosigkeit herausragend."

Keine Angst: Mit gefährlichen Rockerbanden haben die Friseure nichts zu tun. FOTO: Lammertz Thomas

Die Friseure hoffen, mit ihrem 2016 gegründeten Club ein Vorbild für andere zu sein. "Es sollten sich noch viel mehr Menschen für Bedürftige einsetzen, egal aus welchem Handwerk. Das ist unser Ziel", sagte Niedermaier.

Quelle: RP
 
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