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Krefeld
Fronleichnam - was eine Monstranz erzählt

Krefeld: Fronleichnam - was eine Monstranz erzählt
Vermutlich der Heilige Jakobus als Pilger - die Prozession gilt auch als Bild für das wandernde Gottesvolk. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Monstranzen sind reich versehen mit Figurenschmuck, wie ein Beispiel aus dem Haus der Seidenkultur zeigt. Die Fronleichnamstradition ist immer noch stark: Allein bei der Prozession heute in Traar werden rund 800 Menschen erwartet. Von Jens Voss

Man staunt zweimal: Wenn man die Monstranz als Ganzes in den Blick nimmt - und wenn man die Nase so nah, wie es der Respekt erlaubt, an das Kunstwerk heranführt. Dann erschließt sich eine Bildwelt, die den christlichen Rahmen dieses Festes erzählt - in so feinen Figuren, dass die Gläubigen sie vermutlich nie wirklich gesehen haben.

Der heilige Joseph, erkennbar daran dass er links eine Lilie als Zeichen der Unschuld hält. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Das Fronleichnamsfest hat eine eigene Krefelder Geschichte: "Im evangelisch dominierten Krefeld durften katholische Priester lange nur am Fronleichnamsfest in vollem Ornat öffentlich auftreten", berichtet Günter Goebels, Führer im Haus der Seidenkultur. So war Fronleichnam im 19. Jahrhundert eine Art Machtdemonstration der Katholiken. In der Hochphase zogen an Fronleichnam bis zu 12 000 Gläubige durch die Straßen. Überliefert ist, dass Protestanten am Straßenrand gern als Zeichen der Missachtung demonstrativ den Hut aufbehielten.

Das Fronleichnamsfest würdigt den Leib des Herrn, der in christlichem Glauben in der Hostie gegenwärtig ist. Der Begriff geht auf mittelhochdeutsch "vrône lîcham" zurück - der Leib des Herrn (von vrône = Herr, heute erhalten im Wort Frondienst). In der Monstranz (von monstrare: zeigen) wird die Hostie den Gläubigen präsentiert.

Maria, die das Jesuskind im Arm hält; schwer erkennbar: Das Kind hält die Weltkugel in der Hand. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Bei der Monstranz im Haus der Seidenkultur stehen oben rechts und links Maria mit dem Jesuskind und Josef. In der mittleren Ebene erkennbar ist eine Figur, deren flacher Hut wohl auf den Pilger Jakobus verweist (die Jakobsmuschel war allerdings nicht zu entdecken). Die Fronleichnamsprozession gilt auch als Abbild für das wandernde Gottesvolk, das wie jeder Pilger unterwegs ist zu Gott. Ihm zur rechten fehlt ein Gegenüber - eine Figur ist wohl verloren gegangen; was blieb, ist Loch im Boden dieser Ebene.

Im unteren Bereich ist links erkennbar Johannes der Täufer; erkennbar an einem Gewand aus Fellen und der ausgestreckten Hand: Hinweis auf die Taufe Jesu und das Bekenntnis Gottes zu ihm als seinen eingeborenen Sohn. Rechts von ihm steht die Heilige Cäcilie als Schutzpatronin der Musik mit einer Orgel in der Hand. Und schließlich wacht Papst Urban IV. über das Ganze. Er machte Fronleichnam zum Feiertag für die katholische Kirche.

Das Gewand besteht aus Fellen; der Mann mit der zur Taufe ausgestreckten Hand ist Johannes der Täufer. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Prachtentfaltung will im Kern kein Prunk der Kirche sein, sondern Hinweis auf den kostbaren Leib Christi, der sich den Menschen hingibt. In der Bulle, mit der Urban Fronleichnam zum Feiertag bestimmt, heißt es: "Möge dieser Gott, der sich ihnen zur Speise gibt, auch ihr Lohn in der anderen Welt sein."

Quelle: RP
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