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Krefeld
Front gegen Rheinblick - CDU-Kandidat Vermeulen stellt sich gegen seine Partei

Krefeld: Front gegen Rheinblick - CDU-Kandidat Vermeulen stellt sich gegen seine Partei
Das Projekt Rheinblick - der Chempark befürchtet, dass die Wohnbebauung über kurz oder lang zu Konflikten zwischen Bewohnern und Industriepark führt. FOTO: Schmitter
Krefeld. Chempark-Leiter Grigat schlägt als Alternative zur Luxuswohnbebauung den Bau einer Veranstaltungshalle am Rhein vor. CDU-Oberbürgermeisterkandidat Vermeulen spricht sich gemeinsam mit dem DGB gegen den Rheinblick-Plan aus. Von Norbert Stirken und Jens Voss

In die Front der Rheinblick-Gegner, bestehend aus den Gewerkschaften, den Betreibern und der Belegschaft des Chemparks sowie der FDP, hat sich überraschend klar auch CDU-Oberbürgermeisterkandidat Peter Vermeulen eingereiht. Er hat gestern mit dem Krefelder DGB-Chef Ralf Köpke in einer gemeinsamen Erklärung eine Alternative zum Bebauungsplan gefordert. Wörtlich heißt es darin: "Der Bebauungsplan sollte nicht gegen die vom Chempark vorgetragenen Bedenken beschlossen werden. Stattdessen sollte eine Alternativplanung erfolgen, die allen vorgetragenen Bedenken stärker Rechnung trägt und im Einvernehmen mit dem Chempark erfolgen sollte." Chempark-Leiter Ernst Grigat machte gestern deutlich, dass er Wohnbebauung an dieser Stelle ablehnt. Als Alternative schlägt er den Bau einer Veranstaltungshalle vor.

Der Chempark-Leiter befürchtet, dass künftige Anwohner des "Rheinblicks" aus lärmschutzrechtlichen Gründen den Chempark mit Klagen überziehen. Grigat glaubt nicht, dass dieser Konflikt über das Baurecht dauerhaft zu entschärfen ist: "Wir erleben aus anderen Häfen, dass Wohnen und Hafenbetrieb früher oder später auch dann zu Konflikten kommen, wenn die genehmigungsrechtliche Seite geklärt ist." Er verwies auf Erfahrungen aus Köln, Neuss und Düsseldorf.

Lärmquelle ist vor allem ein Hafenanleger, an dem im vergangenen Jahr 420 Schiffe für den Chempark angelandet sind. Die Entladung erfolgt Tag und Nacht und am Wochenende über Pumpen. Grigat befürchtet, dass die Bewohner diesen Geräuschpegel tagsüber noch irgendwie als flusstypisch akzeptieren, über kurz oder lang aber nachts und am Wochenende als störend wahrnehmen. Vermeulen macht neben allen planungsrechtlichen Problemen auch architekturästhetische Gründe gegen den Rheinblick geltend: "Die moderne Architektur passt nicht zur historischen Altstadt Uerdingen."

Seine Partei ist von diesem Schreiben weitgehend überrascht worden. CDU-Parteichef Marc Blondin kannte den Wortlaut gestern nicht und sagte spontan: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Vermeulen sich gegen den Rheinblick ausgesprochen hat. Wir haben immer gesagt: Rheinblick muss kommen."

Der CDU-Planungsfachmann, Ratsherr Jürgen Wettingfeld, erklärte: "Wir nehmen die Sorgen des Chemparks ernst. Die industriellen Unternehmen dürfen durch das Projekt Rheinblick keinesfalls gefährdet werden. Andererseits ist das Projekt Rheinblick von großer städtebaulicher Bedeutung. Dieser Gegensatz muss konstruktiv aufgelöst werden."

Die SPD bekannte sich gestern uneingeschränkt zum Rheinblick. Es sei das interessanteste und wichtigste aktuelle Projekt in der Stadt, betonte Jürgen Hengst, Uerdinger Bezirksvorsteher und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. Bei der Aufstellung des Bebauungsplans sei gewissenhaft vorzugehen, damit er späteren Klagen vor dem Verwaltungsgericht jederzeit standhalten könne, fordert Hengst.

An die Adresse der Chemparkbetreiber sagte Hengst kritisch: Seit Ende der 80er Jahre werde über die Entwicklung der Brachflächen am Rheinufer nachgedacht. Früher Bayer und heute Chempark hätten mehrfach die Gelegenheit gehabt, die Rheinblick-Flächen zu erwerben. Jetzt, nach Jahrzehnten, kurz vor Abschluss des Bebauungsplanverfahrens, massive Vorbehalte vorzutragen, sei kaum nachzuvollziehen. Das liege womöglich daran, dass mit dem Chempark-Chef Grigat ein Mann aus Leverkusen und nicht mehr wie früher einer aus Krefeld die Dinge verantworte.

In einem Gespräch gestern legte Hengst dem Chenparkleiter einen Bericht über Wohnungen oberhalb der Elbphilharmonie im Hamburger Hafen vor - den teuersten Immobilien in der ganzen Hansestadt. Was dort möglich sei, dürfte in Uerdingen erst recht funktionieren, folgert der Sozialdemokrat. Krefelds Planungsdezernent Martin Linne räumte gestern ein, dass es sich bei der Nachbarschaft zwischen Rheinblick und Chempark planungsrechtlich um eine "Grenzsituation" handele; Linne sagte aber auch: "Wenn der Bebauungsplan rechtssicher ist, dann sind beide Nutzungen nebeneinander möglich. Und wenn jemand bei einer rechtssicheren Planung klagt, dann ist die Aussicht auf Erfolg nicht groß."

Peter Vermeulens Alleingang war bewusst gesetzt. Wie Krefelds DGB-Chef Ralf Köpke gestern auf Anfrage erläuterte, sei die Initiative für die gemeinsame Erklärung mit dem Gewerkschaftsbund von Vermeulen ausgegangen. Er, Köpke, sei "perplex" darüber gewesen, dass Vermeulen sehr deutlich gemacht habe, dass er in Sachen Rheinblick eine andere Haltung vertrete als die CDU-Fraktion.

Quelle: RP
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