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Krefeld
Frust über Stadt: Rentner provoziert mit "Mein Kampf" im Buchtitel

Krefeld. Günther Jülich darf sein Haus im Orbroicher Bruch nicht vermieten, weil es illegal gebaut wurde. Der Rentner beschwert sich über Ungleichbehandlung und schreibt jetzt ein Buch. Gestern zeigte er sich am Pranger. Von Sebastian Peters

Die Wahl des Buchtitels provoziert: Auf dem bereits fertigen Deckblatt zum Buch, das der Krefelder Günther Jülich (72) derzeit über seinen Streit mit den Behörden verfasst, steht groß "Mein Kampf" - der komplette Titel lautet: "Das ist mein Kampf gegen das Unrecht". Dass er hier an Adolf Hitlers zweibändiges Pamphlet "Mein Kampf" erinnert, ist Günther Jülich bewusst. Viele Bekannte hätten ihm im Gespräch von der Wahl dieses Buchtitels abgeraten. "Aber wenn die Leute mit mir sprechen, dann verstehen sie, was ich bezwecken will."

Günther Jülich - verheiratet, zwei Kinder, Hobbys: Schach, Sport, Garten - fühlt sich ungerecht behandelt, weil er sein im Landschaftsschutzgebiet Orbroicher Bruch An der Lunie 17a gebautes Haus nicht vermieten darf, wohingegen einige Anwohner dieses Gebietes große Häuser gebaut hätten. Laut Stadtverwaltung sind diese Häuser aber genehmigt worden; es seien "bestandsgeschützte bauliche Anlagen", schreibt die Stadt. Doch Günther Jülich will das immer noch nicht glauben.

Im Jahr 2014 ging er erstmals an die Öffentlichkeit. Aus Protest gegen den drohenden Abriss des Gartenhauses lief er mit einer Handkarre vom Kölner Dom bis zum Düsseldorfer Landtag. Danach, so Jülich, habe ihm die Stadt gesagt, dass sie nicht weiter gegen sein Haus vorginge. Er habe also einen neuen Versuch der Vermietung unternommen, das Haus schließlich an eine bedürftige Frau vermietet, die im Rollstuhl sitzt, deshalb ein Haus mit ebenerdigem Zugang benötige. Die Stadt aber wolle ihm die Vermietung wieder untersagen - im März 2015 sei er darüber informiert worden. Nur noch bis Ende Oktober dürfte die Frau dort wohnen. Nun habe er erneut geklagt, sagt Jülich, sowohl gegen die Nicht-Genehmigung der Vermietung als auch dagegen, dass die Stadtverwaltung nicht gegen die Häuser in seiner Nachbarschaft vorgeht.

Die Stadt will sich aktuell nicht äußern - wegen des laufenden Verwaltungsgerichtsverfahrens.

Jülich sagt, er fühle sich behandelt "wie eine Leibeigenschaft im Mittelalter" - gestern Abend stellte er sich, um seine Lage zu verdeutlichen, mit Kopf und Arm im Pranger in die Krefelder Innenstadt. "Die wollten ein Exempel an mir statuieren", sagt Jülich. "Ich kann so nicht leben, dass ein Bürger von einer Stadt so benachteiligt wird."

Zusätzlich zur Idee mit dem Pranger - Jülich will damit auch in Düsseldorf auftreten - schreibt er weiter an seinem Buch, von dem einige Kapitel schon fertig sind. Jülich ist sich sicher, dass es eine Leserschaft finden wird, auch wenn es nur um seinen privaten Streit mit der Stadt um ein Gartenhaus geht. Dass er sich mit dem Titel in die Nähe des größten Verbrechers des 20. Jahrhunderts begibt, weiß er, sagt aber: "Ich will mit Hitler nichts zu tun haben." Auf die Idee, einen provokativen Buchtitel zu wählen, habe ihn ein Journalist der Süddeutschen Zeitung gebracht.

Günther Jülich sagt, dass das von ihm gebaute Haus auf einem von seinen Eltern gekauften Grundstück entstand. An gleicher Stelle habe vorher ein 120 Quadratmeter großes Treibhaus gestanden. Er räumt ein, ohne Bauantrag gebaut zu haben. Auf Anweisung der Stadt habe er sogar einen Kanalanschluss legen müssen. Als er erstmals vermieten wollte, untersagte die Stadt die Nutzung. Als Jülich dann eine Baugenehmigung beantragte, lehnte die Stadt ab. Jülich verwies auf Häuser in seiner Nachbarschaft, auf einen zu zwei Wohnungen umgebauten Pferdestall und auf ein ehemaliges Wochenendhaus, das durch ein 150 Quadratmeter großes Haus mit Garage ersetzt worden sei.

Quelle: RP
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