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Krefeld
Galerien-Krise in Krefeld

Krefeld: Galerien-Krise in Krefeld
Bald ist auch hier geschlossen: Die Galerie Peerlings hier bei einer Ausstellung mit Werken von Michael Kortländer. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Gedrückte Stimmung im Kunstsektor: Am 15. Dezember schließt die Galerie Peerlings. Die Pretty Land Gallery ist schon weg. Andere drosseln ihr Programm. Eine Ursache ist das neue Steuergesetz. Von Petra Diederichs

Krefeld ist kein gutes Pflaster mehr für Kunstkäufer. Fast 30 Jahre profitierte die Stadt von ihrer Lage im Schatten von Düsseldorf und Köln. Weil am Niederrhein die Preise oft moderater waren, gehörten Sammler aus den Kunstmetropolen auch hier zu den Stammkunden. Fast 30 Jahre lang haben die Galeristen in Krefeld in jedem Herbst zum Galeriensonntag eingeladen: Mehr als ein Dutzend Adressen fanden sich dazu im Faltblatt. Nach dem Ende von "Kunst in Krefeld" 2012 dünnt die Galerienlandschaft merklich aus. Am 15. Dezember schließt die traditionsreiche Galerie Peerlings. Die Galerie Börgmann ist bereits nach Mönchengladbach abgewandert, in der Pretty Land Gallery tut sich nichts mehr, die Galerie Fochem ist aus Krankheitsgründen geschlossen, andere reduzieren ihr Ausstellungsprogramm.

"Der Standort Krefeld lohnt sich nicht mehr", sagt Marc A. Berger, Geschäftsführer bei Peerlings. "Wir verkaufen 99 Prozent außerhalb von Krefeld. Die Leute sind heute flexibler, und vieles läuft übers Internet." Da leide der Kunsthandel ebenso wie die anderen Branchen. Bei Peerlings liegt der Schwerpunkt auf Grafik. "Da reicht vielen Leuten heute ein Poster oder ein Kunstdruck, den sie ersetzen, wenn er ihnen nach ein paar Jahren nicht mehr gefällt. In vielen modernen Wohnungen gibt es große TV-Bildschirme, aber keine Kunst an den Wänden. Das ist ein bundesweites Phänomen."

Immendorff-Schüler Max Schulze zeigte diese Installation in der Abschiedsausstellung der Galerie Börgmann. FOTO: Max Schulze

Galerist Ralph Kleinsimlinghaus spürt einen Wandel bei der Kundschaft: "Es hat sich verlagert. Heute kaufen weniger Firmen, Versicherungen und Banken Kunst, dafür gibt es mehr Privatleute, die Kunst als Wertanlage sehen." Dennoch spürt er eine "Auszehrung der Szene". Für ihn macht vor allem die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für Originale der Bildenden Kunst von sieben auf 19 Prozent den Galeristen das Leben schwer. "Bis Anfang diesen Jahres war das erträglich, weil es eine Ausgleichsregelung gab. Aber jetzt trifft es hart: Die Kunst bekommen wir von den Künstlern mit sieben Prozent geliefert, das heißt, wir müssen zwölf Prozent auf deren Wunschpreise draufschlagen oder die Differenz selbst tragen. Dazu kommt noch eine Zahlung von gut fünf Prozent an die Künstlersozialkasse - ganz gleich, ob der Künstler ihr angehört oder nicht. Wer da keinen Jahresumsatz von 100.000 bis 150.000 Euro hat, hat es schwer."

Weil außerdem die Pauschale der Verwertungsgesellschaft Bild Kunst, die Urheberrechte der Künstler an ihren Werken bei Verkauf und Verwertung (auch in Abbildungen, Drucken etc) achtet, abgeschafft wurde, müssen Galeristen nun alles getrennt aushandeln und abrechnen. "Für die, die mit vielen Künstlern arbeiten, ist das eine große Belastung", sagt Kleinsimlinghaus. Da spreche er ausdrücklich für die Galerien, nicht für den Kunsthandel. Galerien, findet er, haben eine Sonderstellung, weil sie - anders als der Handel - Kunst vermitteln und Künstlern den Weg in den Markt ebnen, sie begleiten. "Wenn eine Galerie schließt, bedeutet das nicht: ein Konkurrent weniger. Im Gegenteil: Kunst lebt vom Angebot. Wenn viele Kunst zeigen, interessieren sich viele dafür. Wenn die Galerien schwinden, wird es für die Künstler schwierig." Ohne Galerien schaffen nur wenige den Sprung ins Museum. "Galerien betreiben Kulturförderung", sagt Kleinsimlinghaus.

Die Galerie Pretty Land war auf Kunst aus China spezialisiert. FOTO: Lammertz Thomas

Finissage in der Galerie Peerlings, heute, 26. November, 10-17 Uhr, und am morgigen Sonntag, 27. November, 11-16 Uhr; Friedrichstraße 49.

Quelle: RP
 
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