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Krefeld
Gang durch den Stadtgarten

Krefeld: Gang  durch den Stadtgarten
Natürlich hatte Landschaftsarchitektin Ina Bimberg Recht, dass eine Linde, die mitten in dieser Haupt-Sichtachse stand, gefällt werden musste. Jetzt kann man vom wieder geöffneten und restaurierten Tor an der St. Anton Straße bis zum Nordwall blicken. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Umgestaltung des Stadtgartens ist gut gelungen. Ein Spaziergang offenbart jedoch, dass Bürger und Verwaltung jetzt für das Kleinod kämpfen müssen. Von Carola Puvogel

Zart und zerbrechlich wirken die fliederfarbenen Krokusse, die auf den weitläufigen Wiesen des Stadtgartens hier und dort die Köpfe recken und Frühling versprechen. Erst wenige Tage ist es her, dass die Umgestaltung des Parks mit einem Festakt offiziell für beendet erklärt wurde. Nun liegt es an den Bürgern, die Grünfläche zu erobern und mit Leben zu füllen. Denn der Stadtgarten, der sich neu erfindet, wo Familien sich an Sommertagen unter schattenspendenden Bäumen zum Picknick treffen, ist im Moment auch nur ein zartes Versprechen, eines für das gekämpft werden muss - am besten von Verwaltung, Ordnungsbehörden und Bürgern gemeinsam.

Die Rahmenbedingungen dafür stimmen: Die einst unübersichtlich, teils verwahrlost wirkend Grünanlage hat an Kontur gewonnen. Ja, und natürlich hat Landschaftsarchitektin Ina Bimberg Recht damit gehabt, dass eine in der Haupt-Sichtachse stehende Linde gefällt werden musste. Denn der unverstellte Blick vom frisch restaurierten und endlich wieder geöffneten Tor an der St. Anton Straße einmal quer durch den Park Richtung Nordwall ist prächtig. Der in sandfarbenem Asphalt angelegte Weg zwischen den Alleebäumen sieht gepflegt aus und unterstreicht den Effekt. Sauber und aufgeräumt wirkt der Eingangsbereich mit Beeten, Bänken und Boulebahn, er lädt zum Spaziergang Richtung Pavillon ein. Auf der anderen Seite des Parks am Gerichtsgebäude lässt ein moderner Laubengang aus grauem Stahl erahnen, was für ein schönes, schattiges Plätzchen hier in einigen Jahren entstehen könnte. Dann, wenn die kleinen Rankpflanzen das Gerüst erobert haben. Der Springbrunnen ganz in der Nähe wird sicherlich schon im nächsten Sommer Blicke auf sich ziehen, wenn die Bepflanzung rundherum Gestalt annimmt und das Wasser wieder sprudelt. Gut gelungen und gut angenommen ist der neue Spielplatz, der mit seinen attraktiven Spielgeräten einen neuen Standort im westlichen Zipfel des Parks gefunden hat.

Ein paar Jahre wird es noch dauern, bis die Rankpflanzen den modernen Laubengang begrünen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Sorgen macht der Bereich um den liebevoll sanierten Pavillon, der sich bereits als Treffpunkt der Trinkerszene etabliert hat. Es riecht durchdringend - und dass es vorerst nur der Geruch von Bier ist, ist für jetzt noch die gute Nachricht. Ein Hund hat es sich oben auf einer der neuen Bänke bequem gemacht, einige andere laufen frei herum und toben ohne Aufsicht über die Wiesen. Am denkmalgeschützten Pavillon ist ein laut plärrendes Radio angebracht. Spaziergänger machen einen Bogen um den eigentlich schönsten Bereich des Stadtgartens.

Eine Abkürzung über die weitläufigen Wiesenflächen jenseits der Wege offenbart ein weiteres Problem: Hundekot, und zwar überall, auch in der Nähe des neuen Spielplatzes. Picknick, oder auch nur ein Fußballkick mit Kindern ist aktuell nicht zu empfehlen. Die Erkundung der im Parkgelände verstreut angeordneten historischen Grabmäler macht im Tretminen-Parcours wenig Freude. Dabei gäbe es viel zu entdecken: Hermann Schumacher, Unternehmer und Forstwald-Begründer hat im Stadtgarten ebenso seine letzte Ruhestätte gefunden, wie der Komponist Carl Wilhelm, dessen Büste an der Südseite des Parks in Wegnähe steht. Die Inschrift ist allerdings, wie bei den meisten anderen Grabmalen auch, kaum zu entziffern. Nach der Renovierung ist vor der Renovierung. Bis zur Etablierung des Stadtgartens als Denkmal der Gartenkunst, Treffpunkt für Familien, Ziel für Sonntagsausflüge und Geschichtsinteressierte ist es noch ein langer Weg.

Quelle: RP
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