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Krefeld
Gedenken an Hiroshima mit Bäumchen aus zerstörtem Garten

Krefeld. Es ist ein anrührendes Detail: Das Friedens-bündnis wird in der Gedenkfeier ein Ginkgo-Bäumchen überreichen. Es stammt aus dem Samen eines Baumes, der in einem bedeuten-den Kunstgarten Hiroshimas stand. Der Baum überstand den Atomangriff und bildete noch im selben Jahr neue Triebe. Für Japan wurde dieser Ginkgo ein Symbol der Hoffnung. Von Richard Hill

Gedenken an Hiroshima gehört zu den festen Punkten im Jahreskalender - auch das Krefelder Friedensbündnis ist regelmäßig mit einer Aktion beteiligt. In diesem Jahr rankt sich die kleine Feier um ein anrührendes Detail, das die Hoffnung auf Überwindung von Krieg und Gewalt symbolisiert: Das Friedensbündnis wird am Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima ein ganz besonderes Ginkgo-Bäumchen an Bürgermeisterin Karin Meincke als Zeichen des Überlebens und des Neuanfangs überreichen: Der Ginkgo ist ein Sprössling des einzigen Tempel-Baums, der im Shukkei-en-Garten in Hiroshima den Atombombenabwurf 1945 überlebt hat. Die kleine Gedenkfeier ist am Samstag, 6. August, 15 Uhr, im Zoo. Treffpunkt ist um 14.45 Uhr vor dem Zoo-Eingang; die Gruppe geht dann kostenlos hinein.

Nach der Zerstörung des Gartens wuchsen aus dem verkohlten Stumpf des Mutter-Ginkgo im selben Jahr noch grüne Triebe - in Japan wurde er dadurch als mythischer "Überlebensbaum" zu einem Symbol der Hoffnung. Mittlerweile ist der Ginkgo wieder über 17 Meter hoch und älter als 200 Jahre.

Auch in Deutschland wurden bereits verschiedene Überlebensbäume gepflanzt. Im Juli setzte der Bürgermeister von Stuttgart ebenfalls einen Sprössling aus dem Samen des Tempel-Baums. Auch der Krefelder Überlebensbaum soll nun einen besonderen Platz erhalten und wird dazu im Zoo eingepflanzt.

In Krefeld soll zudem eine Tafel angebracht werden, die die Erinnerung an die humanitäre Katastrophe wachhalten soll. Eine Inschrift macht darauf aufmerksam, dass sich alle Menschen für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen sollten. "Die Inschrift folgt damit dem Appell der Uno-Generalversammlung 2013: ,Es ist im Überlebensinteresse der ganzen Menschheit, dass Atomwaffen nie wieder und unter keinen Umständen eingesetzt werden'", erläutert Ingrid Vogel vom Friedensbündnis. Bei der Zeremonie zur Überreichung des Bäumchens werden Lieder gesungen, es wird der Bericht von Akihiro Takahashi vorgetragen, der den Atombombenabwurf als 14-jähriger Junge überlebte und über sich sagt: "Danach war ich eineinhalb Jahre in medizinischer Behandlung, und wie durch ein Wunder erholte ich mich." Er hat sein Überleben später als Pflicht begriffen. Sein Bericht (nachzulesen unter http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005181.html) endet mit den Worten: "Ich schleife meinen kranken Körper durchs Leben, und von Zeit zu Zeit frage ich mich, ob es wert ist, nur mit Mühe und Schmerz leben zu können, und dann verzweifle ich. Aber es ist Zeit, dass ich mich zusammenreiße und mir sage, dass ich nun, wo mein Leben einmal gerettet wurde, meinen Auftrag als Überlebender erfüllen sollte - in anderen Worten, es war und ist mein fester Glaube, dass diejenigen, die überlebt haben, weitermachen und ihre Erlebnisse erzählen müssen. Das Überliefern dieser schrecklichen Erinnerungen an zukünftige Generationen soll für die vielen stummen Stimmen derer stehen, die in diesem Elend sterben mussten. Bis an mein Lebensende möchte ich diesen Auftrag erfüllen und ganz Japan und der Welt meine Erlebnisse berichten."

Gedenkfeier am 6. August, 14.45 Uhr Treff vor dem Zoo-Eingang; die Veranstaltung selbst startet um 15 Uhr in der Zooscheune. Interessenten erhalten im Rahmen der Veranstaltung kostenlosen Eingang in den Zoo.

Quelle: RP
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