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Krefeld
Geismühle: Richtfest für Unterrichtshaus

Krefeld: Geismühle: Richtfest für Unterrichtshaus
Die Männer vom Oppumer Mühlenverein - auch Mühlenspechte genannt. Hintergrund: Als die Männer einmal in der Mühle Putz abklopften, sagte irgendjemand, dass sich das anhöre wie das Klopfen der Mauerspechte in Berlin. Seitdem steht der Spitzname "Mühlenspechte. FOTO: Nein
Krefeld. Das wohl sympathischste Bauprojekt Krefelds feiert Richtfest: Am Fuß des Mühlenbergs der Geismühle entsteht zurzeit ein Holzhaus, das künftig als Ausstellungs- und Unterrichtsraum für Besucher und Schülergruppen dient. Von Jens Voss

Die Mitglieder des Oppumer Mühlenvereins haben gestern Richtfest für ein besonders Bauprojekt gefeiert: Sie errichten eine Hütte, die als Ausstellungs- und Unterrichtsraum für Besucher der Geismühle dient - und das sind rund 15 000 im Jahr. Die Hütte besteht aus Holz und fügt sich am Fuß des Mühlenberges dezent ins Gesamtbild ein. Das war den Aktiven rund um Vereinsvorsitzenden Helmut Späth wichtig: "Das Gebäude musste zu uns und zur Mühle passen." Dennoch ist das schöne Projekt auch Sorgen um die Zukunft geschuldet: In einigen Jahren fällt die Raststätte auf dieser Seite weg - die "Mühlenspechte", wie sich die Vereinsmitglieder nennen, fürchten daher, dass die Zahl der Besucher sich halbiert. "50 Prozent unserer Gäste sind Autofahrer, die sich bei einer Rast die Mühle anschauen", sagt Späth. Erst einmal sind er und der achtköpfige Bautrupp froh, dass sie das 60 .000-Euro-Projekt gestemmt bekommen. "Ohne großzügige Unterstützung der Sparkasse Krefeld wäre es uns nicht möglich gewesen, das Vorhaben zu verwirklichen", sagt Späth. "Im Grunde ist es ein außerschulischer Unterrichtsraum", erläutert Willi Hanenberg, der als 83-jähriger Schreinermeister auf dem Dach des Gebäudes den Richtfestspruch gesagt und dann mit allen Beteiligten ein Gläschen Haselnussbrand auf weiteres gutes Gelingen getrunken hat.

Das Holzgebäude ist ein Bausatz, den die Truppe im Internet entdeckt hat - auf der Homepage eines Baumarktes in Friesland. "Wir haben es für unsere Zwecke verändert", erläutert Hanenberg. So sind Wände verschwunden, um einen möglichst großen Gruppenraum zu erhalten. Das Haus bietet 71 Quadratmeter - integriert sind zwei Toiletten. In dem Raum sollen Skizzen zur Mühle und ausgewählte Gegenstände der Oppumer Geschichte ausgestellt werden, darunter eine Fahne des Oppumer Männergesangsvereins 1874, die irgendwann im Fundus der Mühlenfreunde gelandet ist. Ein weiteres Stück könnte eine Nachbildung des Oppumer Bahnhofs sein. Das fantastische Modell der Mühle, das Willi Hanenberg gebaut hat, wird dort nicht stehen können - das filigrane Werk braucht eine konstante Raumtemperatur, die es in der Hütte, die keine Heizung haben wird, nicht geben kann. Trotz solcher Einschränkungen: Der neue Saal soll dazu dienen, "die Oppum betreffenden Traditionen weiterzuführen und in Ehren zu halten", sagt Späth. Ausgangspunkt für die Überlegung, ein Holzhaus zu bauen, war eine Entwicklung, über die der Mühlenverein alles andere als glücklich ist. In spätestens sieben Jahren soll der Autobahnrastplatz Geismühle auf der Mühlenseite verschwunden sein - und damit auch die Möglichkeit für Mühlenbesucher, eine Toilette aufzusuchen. Zugleich wird damit in mehrfacher Hinsicht das Leben rund um die Mühle beeinträchtigt. "Die bis zu neun Meter hohen Schallschutzwände nehmen der Mühle den Wind; und es ist unrealistisch, dass Autofahrer von der Autobahn abfahren, um unsere Mühle zu besuchen", sagt Späth - rund die Hälfte der Besucher rekrutiert sich heute aus Autoreisenden. Ohne Wind und mit deutlich weniger Besuchern fürchtet der Verein langfristig um den Bestand der Mühle - abgesehen davon, dass schon die Vorstellung einer ohne Wind dauerhaft stillstehenden Mühle ein Albraum für die Truppe ist: "Wir haben diese Mühle vor zehn Jahren nicht für 300.000 Euro wieder fitgemacht, damit sie bald als totes Gebäude hier steht", sagt Späth. Und einen Elektromotor zum Bewegen der Flügel einzubauen, kommt für den Verein nicht in Frage: "Wenn sich die Flügel bewegen, dann mit Naturkraft", sagt Hanenberg bestimmt.

Blick ins Innere des neuen Hauses: Hier können Besuchergruppen auf 71 Quadratmeter Nutzfläche eine kleine Ausstellung zur Mühle und zu Oppum sehen, eine Toilette benutzen und bei schlechtem Wetter Unterschlupf finden. FOTO: Lothar Strücken

Der 83-jährige hat als Kind noch erlebt, wie die Mühle von einem Müller betrieben wurde. Sie ist für ihn ein lebendiges Stück Heimat und kein Museum.

Quelle: RP
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