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Hochwasserschutz in Krefeld
Gelleper zahlen doppelt - gehen aber als erste unter

Hochwasserschutz in Krefeld: Gelleper zahlen doppelt - gehen aber als erste unter
Zwischen Uerdingen und Meerbusch-Nierst fehlt ein Hochwasserschutz im Bereich des Rheinhafens. Gellep wäre im Ernstfall als erstes von den Wassermassen betroffen, sagt Klaus Jagusch, der 30 Jahre lang den Vorsitz im Bürgerverein eingenommen hatte und Mitglied im Erbentag des Deichverbands Lank ist. FOTO: Lammertz
Krefeld. Die Grundstückseigentümer aus Gellep-Stratum zahlen doppelt für Hochwasserschutz - über Steuern an die Stadt Krefeld und über Beiträge an den Deichverband Lank. "Wir sind aber die einzigen, die von den verbesserten Dämmen nicht profitieren", sagt Klaus Jagusch. Von Norbert Stirken

Gellep-Stratum laufe bei Hochwasser durch den Hafen voll wie eine Badewanne, sagt das Mitglied des Erbentags.

Klaus Jagusch ist Mitglied des Erbentags im Deichverband Lank. FOTO: BVG

Der Hochwasserschutz zwischen Meerbusch-Nierst und Krefeld-Uerdingen hat eine Lücke. "In Höhe des Hafens fehlt auf rund 2500 Meter der Deich, um Gellep im Notfall vor den Wassermassen zu schützen", sagt Klaus Jagusch, der mehr als drei Jahrzehnte lang Vorsitzender des Bürgervereins war. Darüber hinaus ist er Mitglied des Erbenstags im Deichverband Lank - quasi ein von den Mitgliedern gewähltes Vertretungsgremium. Zwangsmitglieder sind all die Grundstückeigentümer, deren Flächen im potenziellen Überschwemmungsgebiet liegen. Gelleper, die bis 1929 zum Amt Lank gehörten, sind bis heute Mitglied im Deichverband Lank und zahlen dort auch ihre Beiträge. Für die Stadt Krefeld gibt es keinen Deichverband. Der Hochwasserschutz in Uerdingen etwa wurde aus Steuermitteln und Landeszuschüssen finanziert. "Wir zahlen als Gelleper also doppelt und sitzen dafür in einer Badewanne, die bei Rheinhochwasser als erstes vollläuft", schimpft Jagusch.

Ob die Ringhafenstraße tatsächlich Schutz biete, zweifelt der Experte an. Der Deichverband Lank habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, um den Nachweis zu erbringen. "Ich gehe davon aus, dass ein Rheinhochwasser bis zur Düsseldorfer Straße alles überflutet", sagt Jagusch. Wenn die Ringhafenstraße tatsächlich das Hochwasser zurückhalten könnte und als bauliche Anlage zum Hochwasserschutz gelten würde, stelle sich doch die Frage, warum die Stadt Krefeld die Straße ganz ohne Fördermittel des Landes für Hochwasserschutz errichtet habe. "Eine verlässliche Antwort darauf habe ich bis heute weder von der Kommune noch von der Bezirksregierung bekommen", berichtet der Gelleper.

Für die Neuansiedlungen rund um das Hafenbecken sieht er schwarz. "Die haben ihre Grundstücke bei Ebbe gekauft", sagt er und formuliert ein anschauliches Bild. Bei Flut - sprich Hochwasser - wäre dort landunter. Für die Wohnbebauung in Gellep bedeute das nichts Gutes. Weil immer mehr Grundstücke großflächig versiegelt würden, fehle es an Polder und Versickerungsarealen. Die Stadt habe sich offenbar noch nie darüber Gedanken gemacht. Die Firma Feyen Maschinenbau GmbH an der Gelleper Straße 10 etwa habe ihren Sitz inmitten eines natürlichen Rückhaltebeckens. Die wären mit ihrer Tieferlage als einer der ersten betroffen. Schutz, so Jagusch, könne wohl nur der Bau einer 2,5 Kilometer langen Spundwand oder etwas ähnliches zwischen Uerdingen und Nierster Spey liefern.

Dass er kein Horrorszenario heraufbeschwöre, unterstreiche ein Blick in die Historie. Im Jahr 1920 reichte das Rheinhochwasser bis an die Düsseldorfer Straße. Noch heute seien die Spuren an den Gebäuden der Firma Landschaftsbau Schnitzler abzulesen. Die Immobilie sei damals unterspült worden und eingestürzt, später aufgemauert, informiert das Mitglied im Erbentag.

In dem Zusammenhang wundere es ihn ein wenig, wenn die Stadt und die Industrie- und Handelskammer gemeinsam mit Fortbildungsvorträgen bei Unternehmen werben will, sich vor Starkregenereignissen zu schützen. Der Nachholbedarf im Hafen sei für ihn offensichtlich, und ein funktionierender Hochwasserschutz dort müsste eigentlich für die Stadt Krefeld und die Betroffenen Priorität genießen. "Ich hoffe, das die Problematik von der Verwaltung oder Politik zeitnah aufgegriffen wird", erklärt der Gelleper.

Quelle: RP
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