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Krefeld
Gelungenes Jazzfest mit toller Besetzung

Krefeld: Gelungenes Jazzfest mit toller Besetzung
Einen Sommerabend wie im Bilderbuch erlebten die Zuhörer auf dem Rasen der Vorburg mit Axel Fischbacher & Friends, Nils Wogram im Trio "Nostalgia", Mike Stern und Randy Brecker. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. 600 Zuhörer hatten ihre Freude beim "Jazz an einem Sommerabend" vor der Linner Burg. Von Vom Mojo Mendiola

"Jazz an einem Sommerabend" hieß es am Samstag zum 33. Mal auf dem Rasenrund der Linner Vorburg, und es war ein Sommerabend wie im Bilderbuch. Der fehlende Zeltpilz über den sämtlich besetzten 600 Stühlen wurde weder als Sonnen- noch als Regenschutz vermisst, man genoss den freien Blick in einen zwar wechselnd bewölkten, doch zuverlässig trockenen Himmel und harrte bestens bewirtet, unter anderem vom Jazzkeller-Team und von dem nostalgischen Kaffeemobil, das zugunsten des Fördervereins Hospiz Krefeld unterwegs ist, der musikalischen Erlebnisse.

20 Jahre Jazzattack wollten zum Auftakt gefeiert werden. Dazu hatten Axel Fischbacher (Gitarre) und Stefan Rademacher (Bass), die beiden Gastgeber dieser Session-Reihe, sich als weitere Gitarristin die junge Sandra Hempel eingeladen. Am Schlagzeug sprang Ralf Gessler für den sportverletzten Guido May ein und machte mit die beste Figur in diesem Quartett. Als rundum geglückt wurde der gemeinsame Versuch über Fischbachers Komposition "Normal" empfunden. Aus einem sanft boppig swingenden Einstieg entwickelten die Vier ein lebhaftes Wechselgespräch, in dem besonders Fischbacher mit seinem Solo gefiel, aber auch viel Raum für Hempels Gitarrenantwort ließ. Auch Rademacher parlierte hier blendend, im Ganzen aber hatte man sich von dem Jubiläums-Set mehr Esprit und Funkenschlag erwartet.

Der Posaunist Nils Wogram hat schon mehrfach in Krefeld begeistert und enterte diesmal im Trio "Nostalgia" die Bühne. An der - teilweise mit einem leichten Verzerrer-Effekt versehenen - Hammond-Orgel stand ihm Arno Krijger zur Seite und besorgte mit den Pedalen zugleich das Bass-Spiel. Am Schlagzeug saß Dejan Terzic, dem hiesigen Publikum ebenfalls bereits wohl bekannt. Und der eröffnete mit einer herrlichen Swing-Vorgabe das Set, Krijger warf mit elektrisierenden Akkorden, und Wogram ging ab wie ein Pfeil von der Sehne. Energetisch und virtuos spielte er sich durch ein Set, dessen Stücke allesamt von Naturerlebnissen inspiriert waren, und genauso organisch und richtig klangen sie auch. Vergleiche mit Mangelsdorff oder auch Anderson sind inzwischen absolut erlaubt. Wograms warmer Sound, der in seiner Präsenz trotzdem einer Trompete nicht nachstand, kontrastierte reizvoll mit den gelegentlich etwas schärferen Klängen von Krijger, der hier und da an den fast vergessenen Bo Hansson erinnerte, und seine Bässe boten mit Terzics ausgefuchstem Drumming einen herrlich federnden rhythmischen Grund. Ein mitreißendes Set, das mit stetig anschwellendem Applaus belohnt wurde.

Das fand auch Mike Stern und verkündete es auf offener Bühne, um gleich in den ersten Takten seine Gitarre förmlich zu verflüssigen, als müsse er nun den Rang des Headliners rechtfertigen. Tatsächlich war es aber wohl eher die blanke Spielfreude, die sich da auf atemberaubende Weise Bahn brach. Sterns spieltechnische Raffinesse muss man nicht mehr beschreiben, aber es darf betont werden, dass seine Gitarren-Noten auch Bedeutung tragen und nicht bloße Akrobatik sind.

Star-Trompeter Randy Brecker blies seine Parts nicht minder perfekt, schwieg aber erstaunlich oft und lange, was man von dem jungen Bassisten Teymur Phell zum Glück nicht behaupten konnte. Auch seine Finger waren wieselflink, spielten dabei wohl dosiert, und Drummer Lenny White bestätigte uneingeschränkt seine herausragende Klasse. So musizierte man gemeinsam in bester Bebop-Manier und reicherte sie noch ständig mit rhythmischer Abwechslung aus rockigen und afrikanischen Quellen an, so dass nicht eine langweilige Sekunde Platz fand. Viel Zwischenapplaus begleitete diesen furiosen Festival-Abschluss.

Quelle: RP
 
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