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Krefeld
Gesellschaft prüft kleine Lösung für Hafenbahnhof

Krefeld. Nachdem das Eisenbahnbundesamt der Förderung des Neubaus eines Transterminals in Linn für rund 60 Millionen Euro eine Absage erteilt hatte, ruhten die Aktivitäten. Jetzt soll es einen neuen Anlauf geben. Von Norbert Stirken

Am liebsten würden sie gar nichts sagen: Die beiden Geschäftsführer der Krefelder Hafengesellschaft, Elisabeth Lehnen und Sascha Odermatt, fürchten, den Erfolg der Gespräche mit dem Eisenbahnbundesamt durch Öffentlichkeit zu gefährden. Das Verhältnis zwischen den Parteien ist gespannt, seit der ablehnende Bescheid zur Förderung eines neuen Hafenbahnhofs in Linn Ende 2014 in Krefeld eingegangen ist. Zwischenzeitlich kommunizierten beide Seiten nur noch über ihre Anwälte.

Die sind zwar immer noch aktiv, aber man redet wieder miteinander. Und zwar über eine kleinere Lösung für ein neues Transterminal Krefeld (TTK). Das ist ein Umschlagplatz für Container und Sattelaufleger von der Schiene auf den Lastwagen oder aufs Schiff. Ein solches Verladezentrum ist eigentlich genau das, was die Logistikbranche benötigt, um den Kollaps auf den Autobahnen zu vermeiden.

Das Eisenbahnbundesamt sah beim ersten Anlauf für die große Lösung zunächst keinen Bedarf bis 2020/2021 und befürchtete mit Steuergeldern finanzierte Überkapazitäten. Das Problem, die Hafengesellschaft hatte bereits aufgrund positiver Zwischenbescheide Millionen von Euros in die Planung investiert.

"Wir stehen noch total am Anfang", erklärten Odermatt und Lehnen. Die beiden wollen keinen Stillstand für die kommenden fünf Jahre hinnehmen. Da ein großer Hafenbahnhof zurzeit nicht förderfähig sei, denken die Verantwortlichen an eine kleine, um mehr als die Hälfte abgespeckte und technisch weniger aufwendige Lösung. In den kommenden drei Monaten wollen sie ein Konzept erarbeiten, eine Auslastung ermitteln und die Wirtschaftlichkeit berechnen. Das Ergebnis werde zunächst den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat vorgestellt.

Ab 2017 ändern sich dann die gesetzlichen Richtlinien zur Förderung. Statt Ausfallbürgschaften für den Förderbetrag vorzulegen, reicht es aus, wenn die Eigentümer den Eintrag einer Grundschuld ins Grundbuch erlauben. Vor diesem Hintergrund will der Krefelder Hafen beim Eisenbahnbundesamt vorstellig werden. Der Schwerpunkt eines möglichen neuen Förderantrags würde dann nicht mehr überwiegend im Containerumschlag liegen, sondern dem Transport von so genannten Trailern einen größeren Stellenwert einräumen. Odermatt und Lehnen sehen in diesem Segment die größte Nachfrage. Dazu werde viel Fläche benötigt, weil die Trailer sich nicht stapeln lassen, erklärten sie gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Platz genug sei in Linn vorhanden.

Ziel der Politik sei es, Tonnenkilometer auf der Straße einzusparen, berichtete Lehnen. Bislang reihten sich die Umschlagplätze für die Waren aus den Häfen Antwerpen, Amsterdam, Rotterdam und Zeebrügge wie Perlen an der deutschen Grenze zu den Niederlande und Belgien auf. Von dort geht's per Lastwagen nach Nordrhein-Westfalen. Der Krefelder Hafen würde sich wünschen, dass die Waren aus den Hochseehäfen über die Schiene bis nach Krefeld in einen neuen Hafenbahnhof mit Anschluss an die Binnenschifffahrt gebracht werden.

Wie der juristisch geführte Streit zwischen Hafen und Eisenbahnbundesamt über den Einblick in die Unterlagen ausgeht, die zur Ablehnung des Antrags für die große Lösung geführt haben, ist offen. Er soll das Verhältnis nicht weiter belasten. Odermatt und Lehnen schauen nach vorn - und hoffen diesmal auf mehr Erfolg.

Quelle: RP
 
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