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Kr Wie Krefeld
Gesucht: ein Milliardär und Eiermann-Freund

Krefeld. Darf man das Stadthaus verfallen lassen, auch wenn es von Egon Eiermann ist? Der Fall ist ein Lehrstück, warum kostbare Bauten besser in Privathand gehören: Die Stadt ist ein Kaputtbesitzer.

Beim Stadthaus kann einem schwindelig werden: Die Zahlen für die Sanierungskosten gehen mit jeder neuen Schätzung in die Höhe: 30, 40, 50, 65 Millionen. Nach den Erfahrungen mit dem Kaiser-Wilhelm-Museum darf man mutmaßen: Es wird eher mehr werden. Muss eine Stadt wie Krefeld eine solch riesige Summe Geldes ausgeben, um einen Eiermann-Bau zu retten? Es wird immer schwieriger, hier eine Antwort zu geben.

Dieser Bau ist ein Juwel der Moderne; hochgeschätzt unter Architekturfreunden. Aber Krefeld ist eine überschuldete Stadt und erhöht Steuern, Einrittspreise, Parkgebühren, um über die Runden zu kommen - darf sich die Gemeinschaft da in das Abenteuer einer solchen Sanierung stürzen?

Der Fall zeigt leider ebenso wie das Geschick des sanierungsbedürftigen Stadtwaldhauses: Die Öffentliche Hand ist ein Kaputtbesitzer. Sie neigt dazu, ihren Besitz verkommen zu lassen. Die Öffentliche Hand ist zugleich leider auch ein mittelmäßiger Bauherr. Kein Großprojekt ohne Nachbesserungen und Zeitüberschreitungen - Private machen es einfach besser.

Das sei auch all jenen gesagt, die immer wieder Alarm schlagen und vom "Tafelsilber" reden, das nicht verscherbelt werden darf, wenn ein Altbau aus dem Besitz der Stadt verkauft werden soll. Faktisch bedeutet ein solcher Verkauf meist die Rettung für ein historisches Haus. Siehe das alte Landratsamt am Bismarckplatz. Es wurde erst 2003 privatisiert. Man mag sich nicht ausmalen, wie es heute aussehen würde, wäre es noch in städtischem Besitz. Eigentlich müsste es Strategie jeder Kommune sein, möglichst viel Immobilienbesitz zu veräußern - um Kosten zu sparen und um historische Bausubstanz zu retten.

Und Krefelds Eiermann-Bau?

Es ist kein Krefelder Spezifikum, dass Eiermanns Bauwerke heute Umweltschützern energetische und Kommunalpolitikern haushalterische Alpträume bereiten. Als Eiermann gebaut hat, war das Wort Heizkosten nur Eingeweihten bekannt. Auch die Verschuldung des Staates war eher ein exotisches Problem; es rückte erst Mitte der 70er Jahre mit zunehmender Wucht ins allgemeine Bewusstsein.

Heute sind die Kommunen im Würgegriff von unfassbar hohen Schulden. Darf man da 65, eher 75 bis 100 Millionen in ein schönes, aber unfassbar marodes Bauwerk stecken? Am besten wäre es, es würde sich ein texanischer Milliardär finden, der ein gebildeter Müßiggänger ist, dazu architekturverrückt und Eiermann-Freund sowie Krefelder Vorfahren hat.

Wer ihn kennt - bitte melden. Jens Voss

Quelle: RP
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