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Krefeld
Getanzte Traumbilder

Krefeld. In der Fabrik Heeder hat das Künstlerduo MIRA.VIER die Reihe "First Steps" eröffnet. In der Performance "Wish" zeigten Julia Riera und Julia Franken, wie Tanz, Film und Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Von Isabel Mankas-Fuest

Die oftmals starren Grenzen in der Kunst aufzubrechen, hat sich das junge Künstlerduo MIRA zum Ziel gemacht. MIRA sind die Choreographin und Tänzerin Julia Riera und die Filmemacherin Julia Franken. Die beiden Kölner Künstlerinnen arbeiten an der Schnittstelle von Tanz und Filmkunst, oftmals auch in Kombination mit speziellen Orten, wie beispielsweise im November 2013 bei ihrer Produktion MIRA.DREI "Das Passbild meines Schattens" im Kölner Kolumba-Museum. Dabei wird das gesamte Museum zur Bühne, und das Publikum folgt den Tänzern und Bildern über mehrere Etagen durchs Haus.

Auch bei ihrer jüngsten Tanz- und Filmperformance "Wish", die die Tanzreihe "First Steps" am Donnerstag in der Fabrik Heeder eröffnete, wird schnell klar: Der Betrachter ist zugleich Beobachter und Akteur des Bühnengeschehens. Mit diesem Wissen im Hinterkopf bewegen sich die Zuschauer vorsichtig in den verdunkelten Raum hinein, an weißen Tüllballen vorbei, blicken hoch zu den Videoleinwänden, bleiben stehen und lassen sich einfangen von den starken Naturaufnahmen, die auf drei große Leinwände projiziert werden. Einige Zuschauer stehen am Rand und suchen eine ruhige und sichere Stelle, von der sie die Szenerie betrachten können; wieder andere sind mutig und wählen einen Platz in der Mitte.

Unbemerkt betritt die Tänzerin Julia Riera den Raum, auf Zehenspitzen sucht sie in schnellen, manchmal abrupten Schritten nach einem Weg. Orientierung geben ihr dabei Arme und Beine, mit denen sie die Luft abtastet. Ihr Gesicht ist unter ihren langen, blonden Haaren verdeck - ein starker Auftakt. Spätestens jetzt sind alle Blicke auf den ausdrucksstarken Körper der Tänzerin gerichtet.

Es wird noch dunkler im Raum - nur zwei Glasgefäße, das eine hoch und mit Wasser gefüllt, das andere rechteckig und leer, werden angestrahlt. Die Tänzerin nähert sich dem Wasser, lässt ihre Hände eintauchen, ein schönes und zugleich symbolisches Bild, denn "Wish" handelt von der Suche nach dem Glück. Was ist Glück? Wie sieht es aus? Und wie fühlt es sich an? Im tänzerischen Spiel versucht die Performerin, dem Glück und der Vorstellung davon näher zu kommen. Es entsteht ein spannendes Wechselspiel aus filmischen Traumbildern, die eine weitere Performerin zeigen, und der Tänzerin auf der Bühne. Wer ist die Glücksschmiedin? Und nimmt die Tänzerin Notiz von ihr? Mit weißem Kittel und Gipsarm bestückt, steht sie im krassen Gegensatz zur Natürlichkeit der Tänzerin. Die Erzählung auf der Leinwand zeigt eine Art Wunschfabrik, in der Träume, hier als Tüllballen dargestellt, maschinell gefertigt werden - eine surreale Vorstellung.

Das Tempo der Performance wird schneller, auch die Musik, zum Teil live am Piano begleitet, nimmt Fahrt auf. Immer öfter geht die Tänzerin zum Wasser, taucht Hände, Haarsträhnen und schließlich ihren Kopf in das stehende Gefäß ein - wunderschöne und kraftvolle Bilder. Die Tänzerin wirkt jetzt getrieben von der Suche nach neuen Wünschen, die, wie es in der Vorankündigung treffend heißt, "kommen und gehen, sich erfüllen und wieder verblassen, doch zurück bleibt bloß eine wachsende Leere". Dieser Leere versucht Julia Riera mit vollem Körpereinsatz entgegenzuwirken. Es scheint, als wolle sie Wünsche und die Erinnerung an diesen flüchtigen Augenblick einfangen und konservieren.

Höhepunkt ist zweifellos das Schlussbild: In wenigen Bewegungen hat die Traumsuchende das fast volle zum leeren Glasgefäß verschoben und kippt das Wasser kraftvoll in den leeren Kasten, hier bewahrt sie ihre Wunschvorräte auf. Sie drückt ihren Oberkörper und Kopf hinein, kippt um und flutet mit dem herauslaufenden Wasser die Bühne.

"Wish" schaut nicht mit träumerischen, sondern mit hellwachen Augen auf gesellschaftliche Themen, wie Selbst- und Fremdbestimmung, freier Wille und Manipulation oder das unaufhaltsame Streben nach einem glücklichen und erfüllten Leben. "Wish" ist die vierte gemeinsame Produktion zwischen dem Künstlerduo und dem Musiker Philip Mancarello, eine fruchtbare Zusammenarbeit, von der man sich eine Fortsetzung wünscht.

Quelle: RP
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