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Krefeld
Glänzender Auftakt des Orgelsommers

Krefeld: Glänzender Auftakt des Orgelsommers
Michael Utz ist gegenwärtig als Kantor in der Abteikirche Brauweiler tätig. Am Sonntag spielte er in der Bockumer St.-Gertrudis-Kirche. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Der von Peter Kortmann initiierte Krefelder Orgelsommer nahm am Wochenende in der Bockumer St.-Gertrudis-Kirche seinen Anfang. Der aus Braunschweig stammende Organist Michael Utz gab ein viel umjubeltes Konzert. Von Mojo Mendiola

Die Nachfolgereihe zur Internationalen Krefelder Orgelwoche, der Krefelder Orgelsommer, initiiert von Heinz-Peter Kortmann, ging am Sonntag in die dritte Runde. Den Auftakt machte Michael Utz mit einem italienischen Konzert in der Bockumer St. Gertrudis-Kirche.

Mit dem zeitgenössischen Komponisten Karl Joseph Jonkisch begann der aus Braunschweig stammende, als Solist weit gereiste und gegenwärtig als Kantor in der Abteikirche Brauweiler wirkende Organist sein Konzert, und heftige Dissonanzen bestimmten den ersten Höreindruck. Der "Schrecken" wich jedoch rasch der Bewunderung für die virtuose Leichtigkeit, mit der Utz phrasierte. Im zweiten Satz bestach er in einer ausgesprochen vertrackten Melodieführung und mit ungewöhnlich interessanten Bassfiguren, um die Hörer im kompakten dritten Satz mit heiterer Eingängigkeit zu versöhnen.

Heiterkeit war denn auch die bei weitem überwiegende Stimmung dieses Konzerts. Und sie ergab sich in gleichem Maße aus den Kompositionen selbst und dem Können des Organisten, der bis zum vorletzten Stück dem Ohr mit schlanker, von freundlichen Flöten dominierter Registrierung der Fischer-Orgel schmeichelte. So erfreute Johann Sebastian Bachs "Italienisches Konzert" BWV 971 in all seiner beinah verspielten Farbigkeit und klang auch im gemessenen zweiten Satz Andante vor allem elegant.

Eine Sonata von Baldassare Galuppi (1706 - 1785), die mit kanon-ähnlich angelegten Repetitionen im ersten Satz, einem eher lyrisch-lieblich als pathetisch anmutenden Largo und vogelzwitschernder Fröhlichkeit im Abschluss begeisterte, gelang Utz ebenso herrlich wie Carl Philipp Emanuel Bachs Sonata, deren Modernität, vor allem deren Lustigkeit im Allegro assai, auf Jazz-Musiker mindestens ebenso inspirierend wirken müsste wie viele Werke seines Vaters Johann Sebastian.

Eine vergleichsweise getragene und melancholische, dabei aber von starker innerer Spannung gekennzeichnete Toccata hatte Utz von Johann Jacob Froberger (1616 - 1667) ausgewählt. Danach wirkte ein Opus von Niccolò Moretti (1763 - 1821) in seiner Volksliedartigkeit regelrecht entspannend. Mit der temporeichen, rhythmusbetonten und in langgezogenen Dissonanzen ausklingenden Bearbeitung der wohl tausend Jahre alten Ostersequenz "Victimae paschali laudes" des 30-jährigen Francisco José Carbonell Matarredona fand das Konzert noch einmal einen anspruchsvollen Höhepunkt. Begeisterter Applaus belohnte Utz' ausdrucksstarke Interpretationen.

Quelle: RP
 
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