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Krefeld
Glasdach: Montage soll heute beginnen

Ostwall in Krefeld: Arbeiter montieren Stahlträger für Glasdach
Ostwall in Krefeld: Arbeiter montieren Stahlträger für Glasdach FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Bislang sind mehrere Schwertransporte aus Spanien mit den Scheiben für das 125 Meter lange Glasdach der neuen Ostwall-Haltestelle eingetroffen. Eine extra große Monteur-Mannschaft soll sie nun in Rekordzeit installieren. Von Norbert Stirken

Gestern traf der nächste Schwerlasttransport mit Scheiben für das 125 Meter lange und 20.000 Kilogramm schwere Glasdach der neuen Haltestelle am Ostwall aus Spanien ein. Drei Wochen Verspätung sind aufzuholen, um den geplanten Fertigstellungstermin 23. Dezember 2015 einzuhalten. Planungsdezernent Martin Linne ist nach den Erfahrungen beim Aufbau der Stahlträgerkonstruktion, an die die Scheiben gehängt werden, optimistisch. Die spanische Firma Bellapart habe bewiesen, dass sie mit einer größeren Mannschaft Zeitrückstände wieder aufholen könne, sagte er in der Sitzung des Bauausschusses.

Das weltweit tätige Unternehmen habe vorsorglich mehr als die 108 bestellten 2,25 Meter breiten und 5,50 Meter langen Glasscheiben produzieren lassen. Gerüchten, nach denen Scheiben beim Transport bereits Schaden genommen hätten, sehe er deshalb gelassen entgegen. Es sei denn, es gingen die sphärisch gebogenen Exemplare für die Enden des Glasdaches zu Bruch. "Das sind schon ganz spezielle und aufwendig hergestellte Scheiben", berichtete er. Heute soll die Montage beginnen.

Gute Nachrichten gibt es auch von Seiten der für den ÖPNV zuständigen Stadtwerke Mobil, die vom Knotenpunkt am Ostwall täglich 40.000 Kunden mit Bus und Bahn befördert. Geschäftsführung Guido Stilling verspricht, mit einer planerischen Vorlaufzeit von nur rund zwei Wochen könne die SWK Mobil den Straßenbahnbetrieb auf dem Ostwall wieder aufnehmen. "Wir können also jederzeit schnell auf den Baufortschritt reagieren", betont Stilling. Er sei an jedem einzelnen Tag interessiert, den die Stadtwerke den Ostwall früher als am 23. Dezember nutzen können. Er hoffe deshalb auf einen "ähnlichen schnellen Baufortschritt beim Glaseinbau wie beim Stahlgerüst, so dass auf jeden Fall noch in diesem Jahr die Haltestelle in fertigem Zustand dauerhaft und endgültig wieder befahren werden kann".

Das gleiche Interesse verfolgen auch die Krefelder Einzelhändler. Das Weihnachtsgeschäft beginne allerdings schon früher - nämlich Ende November - noch während der Bauzeit am Ostwall. Baustellenkoordinator Eckhard Lüdecke präsentierte den Kommunalpolitikern die Marketing-Vorhaben, mit denen Kunden in der Stadt und aus der Region das Einkaufen in der City schmackhaft gemacht werden soll. Aufgemalte oder geklebte Fußabdrücke sollen die Kunden auch durch Baustellenbereiche sicher führen, Flyer im Detail informieren, Fahnen gut erkennbar die Richtung anzeigen und Plakate mit Bildmotiven in den Schaufenstern leerstehender Ladenlokale wie Spielwaren Seidel an der Ecke Markt- und Königstraße anschaulich zeigen, wie die Innenstadt einmal nach Abschluss der Bauprojekte wie Ostwall-Passage und Werkkunstschule aussehen soll.

Die Politik nahm diesen Bericht zur Kenntnis, nicht ohne die ein oder andere verbale Spitze loszulassen. Björn Rüsing (SPD) kritisierte die Einfallslosigkeit und forderte mehr kreative Vorschläge ein. Zu dieser Kategorie zählt die Idee, an den Adventswochenenden freies Parken und eine unentgeltliche Nutzung von Bussen und Bahnen zu gestatten. Linne und Joachim C. Heitmann (FDP) wiesen darauf hin, dass die Realisierung solcher Werbemaßnahmen schnell einen sechsstelligen Betrag kostet und auch eine Menge Ärger verursachen könnte. "Ich sehe schon jetzt die Betreiber der Parkhäuser vor mir stehen, denen die Kunden ferngeblieben sind, weil in städtischen Parkhäusern freies Parken möglich war", schilderte Linne Aspekte, die für eine Entscheidung zu berücksichtigen sind. Lüdecke entgegnete, dass er nur durch den Etat gedeckte und finanzierbare Maßnahmen vorgestellt habe. Natürlich sei vieles mehr denkbar, aber dann stelle sich die Frage, woher das Geld für die Durchführung nehmen.

Die Kritik einzelner Händler an der Baustelle, die wegen ihrer Dauer zu spürbaren Umsatzeinbußen geführt habe, sei im Einzelnen zu verstehen. Allerdings sei ein Vertreter des Einzelhandelsverbandes stets mit in der Runde gesessen, erklärte Baustellenkoordinator Lüdecke. Diese Information bewog Heitmann dazu, Kommunikationsprobleme nicht unbedingt im Verhältnis Stadt und Handel, sondern innerhalb des Handelsverbands zu seinen Mitgliedern zu sehen.

Zurück zum Glasdach: Die einzelnen Normalscheiben für das rund 1500 Quadratmeter große und 20 Tonnen schwere Dach sind 2,25 Meter breit und 5,50 Meter lang. Sie bestehen aus zwei jeweils zehn Millimeter dicken Scheiben, die miteinander verklebt wurden und in der Mitte eine dünne Folie haben. Das Verkleben fand in der Nähe von Barcelona bei Bellapart in Girona statt. Danach mussten die mit einem Aluminiumprofil versehenen Scheiben zwei Wochen lang aushärten, ehe sie bewegt werden durften. Das Dach hängt nach der Fertigstellung in der Stahlträgerkonstruktion und ist von den Stadtwerkekunden von unten als plane Fläche zu sehen.

Eine Herausforderung für die Glasfirma waren die sphärisch gebogenen Glascheiben an den Enden des Haltestellendachs für den Ostwall. Die Elemente dürfen nur eine Toleranz von einem bis zwei Millimeter aufweisen. Da das Glas vor dem Biegen erhitzt werden musste, wusste der Produzent nicht genau, wie groß das Glas in erkaltetem Zustand sein muss, um nach dem Biegen das Zielmaß einzuhalten. Von den 108 benötigten Scheiben sind die ersten jetzt eingetroffen.

Quelle: RP
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