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Zum Tage
Glauben

Krefeld. Der indische Jesuit Anthony de Mello erzählt: "Jahrelang war ich neurotisch. Ich war ängstlich und depressiv und selbstsüchtig. Und jeder sagte mir immer wieder, ich sollte mich ändern. Und jeder sagte mir immer wieder, wie neurotisch ich sei."

Bis er eines Tages von einem Freund hört: "Ändere dich nicht. Bleib, wie du bist. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es einmal." Und das ist für den Erzähler wie ein Wunder: "Ich entspannte mich, und ich wurde lebendig, und Wunder über Wunder, ich änderte mich! Jetzt weiß ich, dass ich mich nicht wirklich ändern konnte, bis ich jemand fand, der mich liebte, ob ich mich nun änderte oder nicht." Und de Mello schließt: Liebst du mich auf diese Weise, Gott? ("Warum der Vogel singt. Weisheitsgeschichten")

Im Evangelium sendet Jesus die Zwölf aus mit der Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben. Dabei sollen sie nichts mitnehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel (Mk 6,7-13). Wie können normale Menschen Geister austreiben? Und wie können sie aufbrechen, ohne das Nötigste zum Lebensbedarf? Die zwei Fragen haben nach Jesus eine Antwort, die im Vertrauen auf die Fürsorge Gottes ruht.

Vor einigen Wochen sprach ich mit einer Dame, deren Leben ihr außer Kontrolle geraten war. Nichts mehr war "normal". So jedenfalls sagte sie. Sie und wir alle in den verschiedenen Lebenssituationen müssen und dürfen uns aber klar sein, dass nichts so unnormal und krank ist, dass Gott es nicht kennt und heilen kann. Er wird es vielleicht nicht heilen, wie wir es uns vorstellen. Aber er, der uns liebt, wie und wo wir auch sind, er sieht es und geht mit. Es ist für jeden Heilungsprozess wichtig, dass wir in einem Glauben wie diesem Halt finden.

CHRISTOPH ZETTNER, PFARRER IN ST. NIKOLAUS, KREFELD-OST

Quelle: RP
 
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