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Krefeld
Glockenspitzhalle belegt: HSG verzichtet auf 2. Bundesliga

Krefeld: Glockenspitzhalle belegt: HSG verzichtet auf 2. Bundesliga
Krefeld. Der Handball-Drittligist aus Krefeld wird beim Deutschen Handball-Bund vorerst keine Lizenz beantragen, weil er keine Sporthalle mit Zweitliga-Anforderungen zur Verfügung hat. Von Oliver Schaulandt und Jens Voss

Die Handballspielgemeinschaft Krefeld (HSG) wird in der kommenden Saison auf keinen Fall in der Zweiten Handball-Bundesliga antreten. Schweren Herzens gab der Vorstand um HSG-Geschäftsführer Thomas Wirtz gestern bekannt, dass der Club zumindest in dieser Saison keine Lizenz beim Deutschen Handball-Bund (DHB) für die zweithöchste deutsche Spielklasse beantragen wird. Hauptgrund dafür ist, dass die Glockenspitzhalle mit 300 Flüchtlingen belegt ist - und dies auch bleiben wird. "Zurzeit erreichen uns mehr als 100 Flüchtlinge in der Woche", sagte Krefelds Beigeordneter Thomas Visser auf Anfrage. Die Glockenspitzhalle ist neben dem Königpalast die einzige Sporthalle in Krefeld, die die Anforderungen des DHB erfüllen würde.

Der sportliche Erfolg - die HSG ist in der schon ziemlich weit fortgeschrittenen Saison punktgleich mit dem Tabellenführer aus Fredenbeck - hat die Führungsriege überrascht. Und nun wurde auch noch die Zeit knapp: Bis gestern Nachmittag hätte der Verein die Unterlagen zum Erhalt der Lizenz einreichen müssen. Eine der Grundvoraussetzungen zur Teilnahme am Spielbetrieb der Zweiten Liga ist der Umzug in die Glockenspitzhalle. Derzeit spielt die HSG in der Sporthalle des MSM-Gymnasiums, doch diese erfülle die Zweitliga-Kriterien des DHB bei weitem nicht, sagte gestern HSG-Sprecher André Schicks. Allein das Fassungsvermögen (bis maximal 600 Zuschauer, die Glockenspitzhalle fasst 3000) reiche nicht aus. "Im Grunde ist die MSM-Halle auch schon für die Dritte Liga zu klein", sagte Schicks. Zudem fehlten Räumlichkeiten in entsprechender Größe für die Mannschaften, die Schiedsrichter oder zur Abnahme von Dopingproben. "Auch muss das Kampfgericht gegenüber von den Spielerbänken sitzen. Das ist in der MSM-Halle räumlich einfach nicht möglich", sagte Schicks.

Allein die geringeren Zuschauerzahlen würden für die HSG Mindereinnahmen im fünfstelligen Bereich bedeuten, sagte Dezernent Visser zur misslichen Lage der HSG. Und die Flüchtlinge der Glockenspitzhalle in eine andere Halle zu verlegen, um die größere Halle freizuziehen, will niemand: "Wir sind uns einig, dass man nicht ein Problem löst, indem man an anderer Stelle ein oder zwei neue schafft."

Zudem geht die Stadt davon aus, dass viele weitere Flüchtlinge kommen werden. Die Hoffnung, dass die Unterbringung von 1000 Flüchtlingen seitens des Landes in Forstwald die Stadt entlastet, weil die Zahl auf das Kontingent der Stadt angerechnet wird, hat sich nicht erfüllt. Zwar werden die Landesflüchtlinge angerechnet, erläuterte dazu ein Stadtsprecher, doch wird die Stadt wohl unterm Strich nur ein paar Wochen Luft gewinnen, bevor sie neue Flüchtlinge aufnehmen muss - "diese Zeit müssen wir nutzen, um neue Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen."

Die HSG-Verantwortlichen sehen die Zwangslage der Stadt: "Wir bedanken uns bei der Stadt für den offenen Dialog und die Anstrengungen. Wir zeigen Verständnis dafür, dass uns derzeit leider keine Zusage gemacht werden kann. Dennoch ist der Umzug unumgänglich und für die Zukunft der HSG Krefeld zum August 2016 zwingend erforderlich", sagte Wirtz.

Quelle: RP
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