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Krefeld
Goldschätze im Greiffenhorstschlösschen

Krefeld: Goldschätze im Greiffenhorstschlösschen
Drei, die mit Gold und Metall auf ganz unterschiedliche Weise umgehen: (v.l.) Ole Bergmann designt Edelsteinschmuck im Stil des Bauhauses, Günter Kühn kreiert Rostbilder und Maximilan Verhas Rollkörper. Im Vordergrund eine Glasglocke mit einem biomorphen Objekt der Künstlerin Ulrike Waltemathe. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Vier Künstler zeigen an diesem Wochenende im Haus Greiffenhorst Skulpturen, Schmuck und Bilder mit Edelmetallen. Von Petra Diederichs

Der sprichwörtliche rote Faden, der sich durch die Arbeiten von vier Künstlern zieht, ist in diesem Fall ein goldener. Das Thema Edelmetall begleitet die Besucher durch die beiden Etagen des Greiffenhorstschlösschens. Die Berliner Künstler Ole Bergmann und Maximilian Verhas haben zur Jahresschau in ihrer alten Heimat zwei Kollegen aus Duisburg eingeladen und bilden mit ihnen ein Quartett, das auf den ersten Blick höchst heterogen wirkt, aber deren Arbeiten sich trotz der unterschiedlichen künstlerischen Ansätze homogen verbinden lassen.

Schwere Kunst liegt auf dem Boden im Erdgeschoss. Maximilian Verhas hat aus Bronze 30 Zentimeter bis ein Meter große Rollkörper geschaffen, ästhetische Skulpturen, die wie Kreisel, keltische Knoten, verschlungene Ringe oder Kissen anmuten. Sie wirken warm durch ihren Goldglanz, leicht durch ihre weichen Konturen, eindeutig erfassbar in ihren klaren Formen. Alles täuscht: Skulpturen, auch wenn sie dreidimensional sind, seien niemals ganz auf Anhieb zu erfassen, meint der Künstler, der in Nürnberg und an der HDK Berlin studiert hat. Die Objekte lassen sich bewegen, rollen über eigene Achsen, geben dabei neue An- und Einsichten frei. Seit 1990 widmet er sich intensiv der Ästhetik der von ihm benannten Rollkörper - und findet immer neue Formen, die seine Kunstgeschichte spannend fortschreiben. Die Preise sind Verhandlungssache.

Wesentlich kleiner sind die Schätze, die Ole Bergmann kreiert: "Moderne Juwelen" überschreibt er die Vitrinen, in denen - nach Farbfamilien geordnet - Edelsteine funkeln. Grün-weiße Anden-Opale schmiegen sich als Perlencollier um eine Büste. Aquamarine, Rubine in unterschiedlichen Rotnuancen, Quarze und nachtblaue Saphire hat er in Weiß- und Gelbgold gefasst als aussagekräftige Kettenanhänger oder Ringe. Sie sind in Prinzessinnen-, Baguette- und Kissenstil geschliffen. "Gefragt sind alle Steinfarben und alle Schliffarten, aber zurzeit wird der Cabochon immer beliebter", sagt Bergmann. Der runde Cabochon steht für Harmonie. Edelsteine symbolisieren Unvergänglichkeit. Entsprechend schlicht ist das Design - dem Bauhausstil verpflichtet. "Heute ist man weg davon, dass Steine keine Einschlüsse haben dürfen, im Gegenteil: Kleine Einschlüsse geben dem Stein erst Leben." Sein Lieblingsstein ist ein zweifarbiger Turmalin in der seltenen Farbkombination von Blau und Rot. Sein Wert: ca. 13.000 Euro. Aber die meisten Schmuckstücke liegen zwischen 300 und 5000 Euro.

Günther Kühn hat für Gold einen anderen Einsatz gefunden. Ganz sparsam dosiert setzt es Akzente in seinen Rostbildern. Der 70-Jährige hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Die Veränderung von Materialien unter bestimmten Prozessen sind sein Thema. Kühn findet im Schlossereibedarf-Handel sein Material. Sägeblätter, Stanzmaterial oder Drahtkörbe reinigt er sorgfältig mit der Drahtbürste und wickelt sie dann in Tücher oder Papier. In einer gefüllten Badewanne setzt er sie dem Zerfallsprozess aus, sprich: Er wartet auf den Rost, der seine Partikel in die Tuch- und Papierfasern abgibt. Gesteuerter Zufall ist das Prinzip. "Jedes Bild ist ein Unikat", sagt er. Der Betrachter mag darin lesen, einen Handabdruck, die Umrisse eines Alltagsgegenstands entdecken oder sich an ein geheimnisvolles Tor erinnert fühlen, hinter dem ungeahnte Abenteuer locken. Kleine Bilder gibt es ab 200 Euro, die großen Formate zwischen 700 und 900.

Fantasie-Beflügler sind auch die "Biomorphen Objekte" von Ulrike Waltemathe. Knallbunte Fantasieblüten wuchern unter Glasglocken. Aus Luftballons, Wattestäbchen, Kunststoffbürsten, Plastiklöffelchen und Eisbecher-Schirmchen hat sie irrwitzige Mikrokosmen geschaffen, die an mutierte Kakteen erinnern, an genmanipulierte Korallen, Viren und seltene Spezies aus Flora und Fauna. "Das ist für viele ein Einstieg, sich auf Kunst einzulassen. Man muss genau hinsehen, um bekannte Dinge zu entdecken", sagt sie. An Billigläden könne sie nur noch schwer vorbeigehen. "Ich habe einen Blick dafür, wie man die Sachen auf andere Weise verwenden kann." An der großen Häkelriff-Ausstellung im Deutschen Textilmuseum ist Waltemathe beteiligt gewesen. In diesem Jahr hat sie unter dem Titel "Wahlverwandtschaften" im Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum ausgestellt. "Ich glaube, ich mache solche Arbeiten, weil ich schon als Kind gerne mikroskopiert habe." Doch sie hat nicht nur den Blick für wirkungsvolle Details, sie hat auch den Humor zur Materialanarchie. Blumen gibt es für 75 Euro. Die Objektkästen kosten zwischen 150 und 480 Euro.

Ausstellung im Haus Greiffenhorst, Greiffenhorst 1, geöffnet heute, 13 bis 19 Uhr, und am morgigen Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
 
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