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Krefeld
Festival am Elfrather See: Band "Bandbreite" ausgeladen

Greengos Festival Krefeld am Elfrather See: Die Bandbreite ausgeladen
Die Band "Die Bandbreite" mit den beiden Duisburgern Marcel Wojnarowicz und Torben Eckhoff: Das T-Shirt ist Programm. Mit der Aufschrift "911 selbstgemacht" bekennen sich die Beiden zu der Verschwörungstheorie, dass die USA selbst hinter dem Terroranschlag vom 11. September stecken. FOTO: bandbreite
Krefeld. Der Veranstalter des geplanten Musikfestivals am Elfrather See lädt das Duisburger Hip-Hop-Duo "Bandbreite" wieder aus. Beiden werden extremistische und frauenfeindliche Texte sowie die Pflege kruder Verschwörungstheorien vorgeworfen. Von Natalie Schuh, Carolina Thomys, Laurenz Wulbeck und Jens Voss

Das für September geplante große Musikfestival am Elfrather See wäre fast geplatzt, weil sich Widerstand gegen eine hoch umstrittene Band geregt hat: Hinter den Kulissen gab es offenbar schwere Bedenken gegen die Teilnahme der aus Duisburg stammenden Band "Die Bandbreite". Der Veranstalter des Festivals, Sascha Zimmermann von Greengos Entertainment, hat jetzt die Reißleine gezogen und die Duisburger wieder ausgeladen.

Die Fog Joggers berichten auf ihrer Facebookseite von "zahlreichen Hinweisen", wonach "Die Bandbreite" in ihrer Musik zum Teil politisch sehr fragwürdige Inhalte verbreiteten. "Die Tatsache, dass wir mit dieser Band gezwungenermaßen eine Bühne teilen sollten, hat bei uns und einigen unserer Fans zur Verwirrung geführt", heißt es. Die Nachricht, dass die Band ausgeladen worden sei, begrüßen die Fog Joggers als einen "richtigen Schritt"; man freue sich nun auf ein "friedliches, grünes, neues Festival in Krefeld".

Die Band "Die Bandbreite" wurde 1999 von den beiden Duisburgern Marcel Wojnarowicz (Wojna) und Torben Eckhoff gegründet. Sie selbst sehen und bezeichnen sich als politische Aktivisten. Mit ihrer Musik ziehen sie immer wieder harte Kritik auf sich: Die Texte seien offen für Extremismus, enthielten Anklänge sowohl an rechts- wie an linksradikales Gedankengut; sie pflegten krude Verschwörungstheorien, seien anti-amerikanisch, sexistisch und frauenfeindlich. In die Abteilung "Verschwörungstheorie" gehört der in einem Lied geäußerte Verdacht, dass Aids vom amerikanischen Militär als Biowaffe entwickelt worden sei. Der "Spiegel" schrieb über "Bandbreite", die Songtexte der Band seien "ein mehr als unappetitliches Gebräu aus Verschwörungstheorien, Anti-Amerikanismus, Sexismus und Frauenfeindlichkeit". Als Beleg dient etwa das Lied "Man kennt uns" mit Versen wie: "Ich brauch jetzt was Williges, seh ichs, brauch ichs, will ich es". Bei der niedersächsischen Partei "Die Linke" war es laut "Spiegel" zu einem erbitterten Streit um die Einladung der Band gekommen. Landeschefin Sabine Lösing wird in diesem Streit zu dem Lied "Eingelocht" mit den Worten zitiert: "So ein mieser sexistischer und menschenverachtender Text ist mir selten untergekommen." Die Berliner "taz" hat die Musik von "Bandbreite" als "Rechtslinken Verschwörungs-Rap" bezeichnet. Zwischen dem Blatt und der Band kam es sogar zu einem Rechtsstreit, weil die "taz" geschrieben hatte, die Texte der Band seien antisemitisch geprägt. Die "taz" verlor am Ende. Auch für die antifaschistische Szene sind die Duisburger ein rotes Tuch. Auf der Internetseite "Antifaschismus 2.0" etwa wird das Lied "Unter falscher Flagge" analysiert, in dem der Reichstagsbrand 1933, der Sechs-Tage-Krieg, Israel und Amerika in einem Atemzug genannt werden. Die Antifa-Analyse kommt zu dem Schluss, dass "Bandbreite" eine "untragbare Analogie" zwischen Hitler, Israel und den USA herstellt und so die nationalsozialistischen Verbrechen relativiere.

Die Musiker selbst fühlen sich zu Unrecht angegriffen und weisen auf Lieder und Stellungnahmen hin, in denen sie sich gegen Rassismus und für ein friedliches Miteinander aussprechen. Nach eigener Aussage ist die Intention der Musiker, auf die Geschehnisse in der Republik aufmerksam zu machen. Allerdings ist "Bandbreite" nicht wählerisch bei seinen Auftritten: So trat die Band bei der als rechtslastig geltenden Veranstaltung "EnDgAmE" (Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas) auf. Von der NPD wird das Hip-Hop-Duo als "eine volkssozialistische Musikgruppe" gefeiert.

Unterm Strich ist der Ruf der Band ruiniert, wie das Rumoren rund um das Festival in Krefeld zeigt. Der Veranstalter Sascha Zimmermann machte auf seiner Facebookseite klar, dass er nicht mit extremistischem Gedankengut in Verbindung gebracht werden will: "Da die Greengos nichts Böses im Sinn haben oder gar hatten und generell für das friedliche Miteinander stehen, musste ich mich auch wegen aller Partner, den anderen Bands, Ausstellern und Hilfsorganisationen gegen 'Die Bandbreite' entscheiden, da ich nicht möchte, dass die teilweise herrschende negative Meinung über die Bandbreite den Greengos-Unterstützern schadet."

Quelle: RP
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