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Krefeld
Greve zieht ins Schulte-Gebäude

Krefeld: Greve zieht ins Schulte-Gebäude
Hajo Greve (l.) mit dem Vorbesitzer des Schulte-Hauses, Franz-Josef Schulte, im Treppenhaus des denkmalgeschützten und preiswürdig sanierten Gebäudes. FOTO: RP-Foto. L. Strücken
Krefeld. Nach 80 Jahren verlässt Greve Moden die City - mit dem Wechsel zur Hülser Straße ist ein neues Konzept verbunden. Von Jens Voss

Es ist eine mit Spannung erwartete Nachricht - weil eine lange Krefelder Tradition endet, weil einer der profiliertesten Einzelhändler Krefeld ganz neue Wege geht und weil sein Neustart in den Umbruch des stationären Einzelhandles fällt, der sich auf die Online-Konkurrenz einstellen, manche sagen sogar: der sich neu erfinden muss. Greve Moden zieht in das Schulte-Gebäude an der Hülser Straße, in jenen Komplex, in dem seit dem Jahr 2000 Schulte Design residiert hat. "Willkommen im g", sagte Hajo Greve gestern lächelnd, als er das Gebäude und sein neues Konzept vorstellte. "g" steht für das neue Greve und signalisiert den Neuansatz ebenso wie die Tradition des Unternehmens.

Greve bekräftigte erneut, dass sein Wegzug aus der City nichts mit Krefeld speziell zu tun hat, sondern mit allgemeinen Trends in den Innenstädten und auf dem Modemarkt. Mittlere und kleine Händler können demnach nicht über die Mengen gehen, die man heute in der Branche wohl umsetzen muss, um noch Geld zu verdienen und Innenstadtlagen bezahlen zu können. Die Folge daraus - der Trend zum "uniformen Mainstream" - ist für Greve zugleich die Chance für kleinere Anbieter; der Schlüssel lautet Individualisierung: "Wir folgen einem Patchwork-Konzept und vereinen Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben." Kerngeschäft bleibt demnach der Modebereich auf 300 Quadratmeter im Erdgeschoss, ergänzt um Maßanfertigung für Herren, wobei Greve betont, dass er auf "Bodenhaftung" Wert legt und Anzüge anbieten wird, deren Preise nur knapp über gehobener Konfektionsware beginnen. Daneben wird es einen "Degustationsbereich" mit Olivenölen, Weinen, ungewöhnlichen Büchern oder Zeitschriften geben - das Angebot soll Menschen ansprechen, "die Geschmack an schönen Dingen haben". Die Dinge sollen dabei "gerade und ehrlich" sein, betont Greve; keine Massenware, sondern Dinge voller Geschichten über Herkunft und Produktion.

Markant: das Schulte-Haus an der Hülser Straße. FOTO: Lothar Strücken

Im Keller werden mit einem Kooperationspartner Boxspringbetten präsentiert - auch sie sollen individuelle Wünsche berücksichtigen. Das Obergeschoss wird als "Pop Up"-Fläche genutzt, die gemietet und unterschiedlich bespielt werden kann - ob für kleine Messen, Modenschauen oder Fortbildung. Bei all dem setzt Greve auch auf das schöne historische Gebäude, das früher eine Jacquard-Weberei war und in dem die Verseidag zuletzt Krawatten hergestellt hat. Einst stand das Gebäude kurz vor dem Abriss, die Genehmigung lag schon vor, bis es doch noch unter Denkmalschutz gestellt, 1999 von Unternehmer Franz-Josef Schulte übernommen und denkmalgerecht saniert wurde - mit so viel Feingefühl, dass er dafür einen Denkmalpreis bekam. Schulte zeigte sich gestern froh, dass er in Greve jemand gefunden habe, der sich dieser Substanz bewusst sei und der, wie Schulte sagte, dem Komplex "mit derselben Emotionalität" gegenüberstehe wie er damals. In der Tat: Die Räume atmen Licht und Großzügigkeit und leben von einer Backsteinästhetik, die warme Farben und historische Solidität verbindet.

Und schließlich gehört auch ein kleines Glasgebäude zu dem Komplex, in dem Greve ein Bistro einrichten will. Unterm Strich setzt er auf Kunden, die gezielt zu ihm fahren, dort eigene Parkplätze vorfinden und ein Rundumerlebnis in schönem Ambiente schätzen. Intensiver soll auch die Gesprächskultur mit den Kunden werden - Greve bietet an, mit ihnen nicht nur über Größe und Farbe von Kleidung, sondern darüber ins Gespräch zu kommen, was sie mit der Mode, die sie suchen, zum Ausdruck bringen wollen. Er habe das Konzept am alten Standort getestet - mit erstaunlich guten Ergebnissen, sagt er.

Die Eröffnung ist für die zweite Januarhälfte geplant. Greve ist sich bewusst, dass das ein Wagnis ist - angesichts der Trends in seiner Branche ist er sich aber sicher, dass Händler wie er neue Wege gehen müssen.

Quelle: RP
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