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Krefeld
Große Sorge um Huhnens Wandbild

Krefeld: Große Sorge um Huhnens Wandbild
Massive Schäden am Wandgemälde im Stadtbad. Fritz Huhnen hatte es 1961 zu Ehren der Krefelder Olympia-Silbermedaillengewinnerin Wiltrud Urselmann (rechts am Bildrand dargestellt) gemalt. FOTO: Stadt Krefeld
Krefeld. Das Wandgemälde des Krefelder Künstlers Fritz Huhnen im Stadtbad ist in desolatem Zustand. "Dringender sanierungstechnischer Handlungsbedarf" war gestern Abend Thema im Kulturausschuss. Ob die Notsicherung reicht, ist ungewiss. Von Petra Diederichs

950 bis 1200 Euro sind im städtischen Etat eine Marginalie. Aber sie sind entscheidend für ein kulturelles Stück Zeitgeschichte. So viel soll die Notsicherung des Wandgemäldes von Fritz Huhnen im Stadtbad kosten. Der Handlungsbedarf ist dringend, denn die Schäden, die Feuchtigkeit und Kälte angerichtet haben, sind immens. Der Kultur- und Denkmalausschuss hat gestern Abend einstimmig für die Sofortmaßnahmen an dem Kunstwerk gestimmt. Auch wenn die Zukunft des marodierenden Stadtbads an der Neusser Straße bisher nicht geklärt ist. "Wir wollen außerdem die Kosten für eine Renovierung des Gemäldes im Auge behalten", fasste Ausschussvorsitzende Ingeborg Müllers zusammen.

Ob es sich lohnt, das Gemälde zu erhalten, ob es überhaupt möglich ist, wenn das Bad nicht saniert wird: Diese Fragen aus den Reihen der CDU stellte man erst einmal zurück. Mit den rund 1000 Euro soll zunächst der weitere Verfall gestoppt werden. "Es ist ein Werk von doppelter Bedeutung", sagte Anke Drießen Seeger (SPD), denn es erinnert an zwei namhafte Krefelder: den Künstler Fritz Huhnen und die Sportlerin Wiltrud Urselmann.

Fritz Huhnen (1895-1981) hat nach einer Architektenausbildung die Werkkunstschule seiner Heimatstadt Krefeld besucht. Er arbeitete als freie Künstler, malte zahlreiche Bühnenbilder fürs Theater und zeichnete für Zeitungen. 1926 hatte er seine erste Einzelausstellung in Düsseldorf. Seine ersten Wandgemälde in Krefeld schuf er 1932 mit den Titeln "Musik" und "Wein" für die legendäre "Bosi-Bar" im "bombensicheren" Keller des Varietés "Seidenfaden" am Ostwall.

Das Wandgemälde im Stadtbad, im Treppenhausaufgang zum Herrenbad", entstand 1960/61. Es ist eine Hommage an die Krefelder Schwimmerin Wiltrud Urselmann. Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom hatte sie eine Silbermedaille geholt. Im der rechten unteren Ecke des Bildes ist die Sportlerin zu erkennen. Darüber sind drei Schwimmer vor dem Sprung ins Wasser zu sehen. 2002 war das Kunstwerk zuletzt restauriert worden. Doch ein Feuchtigkeitsschaden im Mauerwerk, der durch "unsachgemäßen Anschluss einer Überdachung der Einfriedungsmauer an die Außenwand hervorgerufen" wurde, so die Verwaltung, hat die Farbe abplatzen lassen, teilweise sind bemalte Teile abgebrochen und verloren gegangen. Kalte Monate ohne Heizung und defekte Fenster haben den Schaden vergrößert.

Die Möglichkeiten, das Bild zu sichern, schätzen Experten als "begrenzt" ein. Für die rund 1000 Euro sollen nun ein mit Filtervlies bespannter Rahmen an der vorderen Nischenkante angebracht und abgelöste Malschichten wieder am Untergrund fixiert werden.

Quelle: RP
 
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