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Krefeld
Grusel-Kino auf der Galopprennbahn

Krefeld: Grusel-Kino auf der Galopprennbahn
Stéphane Fromageot, Komponist der Filmmusik auf der Rennbahn. FOTO: Stadt
Krefeld. Die Niederrheinischen Sinfoniker begleiten am Samstag und am Sonntag im SWK Open- Air-Kino den Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari". Der Komponist der Filmmusik, Stéphane Fromageot, kommt als Gast nach Krefeld. Von Norbert Stirken

Vor der Berlinale 2014 kam der französische Komponist Stéphane Fromageot ziemlich ins Schwitzen. Eigentlich war seine Musik für den legendären deutschen Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari" seit Jahren fertig. Doch dann veranlasste die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung eine Restauration des Films in digitaler Form - und plötzlich war der Schwaz-Weiß-Klassiker von 1920 drei Minuten länger.

Am Samstag kommt der Komponist selbst zur Galopprennbahn nach Krefeld, um die Aufführung seiner Musik zum Film von den Niederrheinischen Sinfonikern unter der Leitung von Kapellmeister Andreas Fellner zu hören. Über die Geschichte zur Berlinale kann der Meistro inzwischen müde lächeln.

Der Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari" verhalf dem deutschen Film nach dem Ersten Weltkrieg zur künstlerischen Weltgeltung und prägte wesentlich sein Image. 1933 wurde er in Deutschland verboten und 1937 zum Bestandteil der Ausstellung "Entartete Kunst" gemacht. Heute wird dem Film große filmgeschichtliche Bedeutung zugesprochen. Besonders der fantastische Film wurde von ihm erheblich beeinflusst. Der Film hatte am 27. Februar 1920 Premiere. Berühmt wurde das Werk durch den außergewöhnlichen, neuartigen Stil, der gemalte und gebaute, grotesk verzerrte Kulissen mit kontrastreicher Beleuchtung und gemaltem Licht und Schatten kombinierte, weshalb er häufig als Musterbeispiel des expressionistischen Films bezeichnet wird.

Fromageots erste Begegnung mit Robert Wienes Meisterwerk hat er dem Dirigenten Frank Strobel - Künstlerischer Leiter der Europäischen Filmphilharmonie - zu verdanken. Als der Franzose ihm 2009 seinen Wunsch äußerte, neue Vertonungen für Stummfilme zu schreiben, empfahl er ihm gleich den Klassiker der deutschen Expressionismus-Ära.

Filmmusik hat Fromageot immer fasziniert - von "Hollywood Golden Age" bis zu den heutigen "Blockbusters". Bereits während seiner Studienzeit im Conservatoire de Paris (C.N.S.M.P) hat er verschiedene kurze Stummfilme vertont. In seinen Erinnerungen schreibt Fromageot, "als ich die ersten Entwürfe zu schreiben anfing, wurde ich gleich von dem einzigartigen und reichhaltigen Stoff begeistert. Der 72 Minuten lange Klassiker besteht aus sechs Akten und bietet von der Struktur her die Möglichkeit an, eine durchkomponierte und opernhafte Partitur zu schreiben. Jede Figur und wichtige Schlüsselszene ist mit Leitmotiven und Hauptthemen verbunden. Durch die spannende Handlung entwickeln sich immer wieder Variationen aus diesen Leitmotiven. Mir war es wichtig eine stilistische Einheit - im Bezug zur Entstehungszeit des Filmes - sowie eine eigenständige Handschrift zu finden. Je nach Szene habe ich spätromantische Klänge sowohl atonale schräge Brüche - beispielsweise bei den Mörderszenen - verwendet. Die etwa 800 Koordinationspunkte der Partitur ermöglichen eine sehr enge Synchronisierung zum Film, ohne in einer plakativen Begleitung zu geraten".

Für die Uraufführung dieser neuen Vertonung hat sich Fromageot für eine große sinfonische Orchesterbesetzung entschieden. Wichtige Szenen wie zum Beispiel die Jahrmarktsszene, verlangen seiner Meinung nach eine üppige, brillante und facettenreiche Orchestration. Es müsse funkeln, glänzen, schweben. Für intimere und geheimnisvolle Szenen hingegen habe er leichtere und vor allem bei den Bläsern, solistische Sequenzen komponiert, berichtet er.

Die Uraufführung fand 2011 in der Capitol Classic Lounge in Offenbach am Main mit der Neuen Philharmonie Frankfurt unter der Leitung von Christian Schumann statt. Inzwischen wurde der Film in dieser Fassung auch in Russland aufgeführt.

Der gebürtige Franzose ist seit 1998 als Studienleiter und Kapellmeister am Theater St. Gallen tätig. Als Komponist und Arrangeur schrieb er neben der neuen Orchesterpartitur zu dem Stummfilmklassiker "Das Cabinet des Dr. Caligari" für die Europäische Filmphilharmonie auch die Musik zum Retrofuturistical "Mondraketenmassaker" für das Theater Münster.

Wer das SWK Open-Air-Kino an der Rennbahn kennt, weiß um die fantastische Atmosphäre, die in den Sommermonaten nicht nur Cineasten in ihren Bann zieht. Nach dem großen Erfolg in der vergangenen Spielzeit mit dem Stummfilm "Das Phantom der Oper" wird die Kino-Reihe auch in dieser Saison wieder mit einem besonderen Film- und Konzerterlebnis gekrönt: An zwei Abenden begleiten die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Kapellmeister Andreas Fellner den expressionistischen Stummfilmklassiker "Das Cabinet des Dr. Caligari" von 1920.

Eintrittskarten für die Kino-Sinfonie am Samstag, 27. August, und Sonntag, 28. August, zum Einheitspreis von 39 Euro sind erhältlich im Internet auf www.swk-openairkino.de, an der Theaterkasse und im SWK-Servicecenter, Hochstraße 126, Krefeld. Der Einlass beginnt um 19 Uhr, die Veranstaltung beginnt gegen 21.15 Uhr.

Auf diejenigen, die Gast auf der Rennbahn sind und Film und Musik genießen, wartet eine besondere Gelegenheit, Eintrittskarten zu besonderen Konditionen zu kaufen: Das Theater richtet im Foyer der Rennbahn eine eigene Kasse ein. Dort können die Besucher der Kino-Sinfonie Tickets für das 1. Sinfoniekonzert zum Sonderpreis von 15 Euro erwerben. Die Aktion wird auch nach dem Wochenende fortgesetzt. Bis einschließlich Samstag, 3. September, erhalten Interessenten gegen Vorlage ihres Kino-Sinfonie-Tickets an der Theaterkasse eine Konzertkarte zum einmaligen Einheitspreis von 15 Euro.

Quelle: RP
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