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Krefeld
Gutachter sieht neue Chance fürs Ostwall-Dach

Krefeld: Gutachter sieht neue Chance fürs Ostwall-Dach
Das Dach an der Ostwall-Haltestelle ist noch immer nicht fertiggestellt: Rund 20 Monate nach der Inbetriebnahme fehlen noch fünf intakte Glasmodule. Über die Ursache der Schäden streiten die Parteien. Beide Seiten haben Gutachter beauftragt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das 3,5 Millionen Euro teure Glasdach an der Ostwall-Haltestelle ist 20 Monate nach der Inbetriebnahme immer noch nicht komplett. Die Arbeiten ruhen. Jetzt könnte wieder Bewegung in die streitige Angelegenheit kommen Von Norbert Stirken

Seit April 2016 werden auch keine Versuche mehr unternommen, die schadhaften Scheiben auszutauschen. Gutachter haben das Wort. Jetzt könnte wieder Bewegung in die streitige Angelegenheit kommen. Sogar ein Termin steht für die Fertigstellung in Aussicht - Spätsommer 2018.

Krefelds Planungsdezernent Martin Linne ist verhalten optimistisch. Er kennt den Zwischenbericht eines Gutachters, der ermitteln soll, ob die Schäden am 3,5 Millionen Euro teuren Glasdach an der Ostwall-Haltestelle wegen eines Konstruktionsfehlers der Architekten oder wegen Mängel in der Produktion der Glascheiben entstanden sind. "Wenn geklärt ist, dass es sich nicht um einen Konstruktionsfehler handelt, dann sollten wir als Stadt das Haltestellendach fertigbauen lassen", sagte Linne im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Wasserstandsmeldung des Gutachters gehe in diese Richtung.

Derzeit befänden sich alle Beteiligten im Gespräch. Stets mit am Tisch sitzen die Anwälte der unterschiedlichen Parteien. Einen Konstruktionsfehler wollte Linne zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht gänzlich ausschließen. Undenkbar sei im schlimmsten Fall auch ein kompletter Abriss des Glasdaches nicht. "Das wäre allerdings die Ultima Ratio", erklärte er.

Mit Absperrgittern kommt die Stadt ihrer Verkehrsicherungspflicht nach und hält Passanten davon ab, unter schadhaften Glasmodulen zu stehen, FOTO: Lammertz Thomas

Entweder müsse das planende Architekturbüro für einen Konstruktionsfehler oder der Lieferant aus Spanien die Verantwortung übernehmen. "Wir als Stadt Krefeld sind lediglich der Auftraggeber", betonte Linne und nennt den Konflikt ein warnendes Beispiel für alle, die stets betonen, dass "Private alles besser können als die öffentliche Hand".

Von einem Konstruktionsfehler gehe Linne jedoch nach den erhaltenen Signalen des von der Stadt beauftragten Gutachters nicht aus. Im Gegenteil, er sieht einen Lichtschimmer am Horizont, dass es weitergeht. "Die Ursache für die Mängel liegen entweder im Transport der Scheiben, am aufwendig und individuell produzierten Glas oder am Stahlrahmen", berichtete Linne.

Einige Glasmodule weisen Risse auf. Die Folie zwischen den beiden verklebten Scheiben sei jedoch unbeschädigt, das Risiko deshalb laut Stadt gering. FOTO: Lammertz Thomas

Der Beigeordnete hat dabei die Krefelder im Blick, die nicht länger mit Absperrgittern von den Stellen unter gerissenen oder fehlenden Scheiben ferngehalten werden sollen. Im Spätsommer 2018 könnte die Baustelle endgültig abgeschlossen werden. "Wir werden dem Rat einen Vorschlag zur Entscheidung vorlegen." Ob die Krefelder Politiker gleichsam ins Risiko gehen und vor einer gerichtlichen Klärung den Auftrag zur Endmontage des Glasdaches geben, ist ungewiss. Auch die spanische Firma Bellapart hat ihrerseits Gutachten in Auftrag gegeben. Nicht auszuschließen, dass diese Experten in ihrer Bewertung zu einem anderen Resultat gelangen, was die Ursache der Schäden anbetrifft, als die Kollegen im Auftrag der Stadt Krefeld.

Die Überdachung der Haltestelle Ostwall besteht aus einer tragenden Stahlkonstruktion (Längsträger auf neun Stützenpaaren), an der die Dachfläche (Glasmodule) freihängend angebracht wurde. Die Dachfläche erhält ihre Tragfähigkeit aus einem Zusammenspiel der Glasscheiben mit den sie umgebenden Stahlrahmen. Die Stahlrahmen sind in einer technisch neuartigen Weise mit den Glasscheiben verklebt (Silikat-Verklebung). Die Glasmodule bestehen aus einem teilgebogenen Verbundsicherheitsglas aus zwei Floatglasscheiben (Flachglas) mit einer dazwischen liegenden Folie und an drei Seiten an die Scheiben geklebten Stahlrahmen. Für dieses einmalig existierende Bauelement wurde eine "Zulassung im Einzelfall" (ZiE) durch das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW erwirkt.

Die Rahmen übernehmen die Funktion der Aufhängung und der Verbindung der Glasmodule untereinander sowie der Aufnahme von Kabeltrassen und des Randprofils für die Beleuchtung sowie der Abhängung der Fahrleitungsanlage. Die Glasscheiben dienen der Aussteifung in Dachebene und der nötigen Begehbarkeit für Reinigungs- und Wartungszwecke.

Während des Aufbaus des Dachs sind drei Glasmodule beschädigt worden, die von der Baufirma noch vor Betriebsbeginn ausgetauscht wurden. Bis zum Betriebsbeginn rissen weitere zwei Glasmodule, die vor Betriebsbeginn am 23. Dezember 2015 ausgebaut, aber nicht durch neue ersetzt wurden, da nicht mehr genügend Zeit für die Nachproduktion blieb. Einen Tag nach Betriebsbeginn war eine weitere Scheibe defekt. Im Februar des vergangenen Jahres wiesen zwei weitere Glasmodule Schäden auf. Es fehlten somit fünf intakte Glasmodule.

Quelle: RP
 
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