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Krefeld
Hafen: Bund hält Gutachten gegen Transterminal in Linn zurück

Krefeld: Hafen: Bund hält Gutachten gegen Transterminal in Linn zurück
Die Gleisanlagen in Linn sollen zum Transterminal Krefeld ausgebaut werden: Zwei neue Portalkräne sollen auf einer Länge von 720 Metern fahren können, um Waren von Lastwagen auf Züge und umgekehrt zu laden. FOTO: Animation. Hafen
Krefeld. Der Krefelder Hafen hat nach der Ablehnung der Förderung des 50-Millionen- Euro-Projekts beim Eisenbahnbundesamt Akteineinsicht erhalten. Das entscheidende Gutachten war nicht dabei. Von Norbert Stirken

Die aktuellen Zahlen belegen, welche Bedeutung der Warenumschlag über Schienen für den Krefelder Hafen hat: Während der Schiffsgütertransport im ersten Halbjahr konstant bei rund 1,7 Millionen Tonnen lag, stieg der Güterumschlag zum Stichtag 30. Juni 2015 auf der Schiene von 662 000 Tonnen auf 816 000 Tonnen - das hafeneigene Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) ist damit auf dem besten Weg, die Rekordmarke von 1,3 Millionen Tonnen aus dem Vorjahr zu übetreffen. "Ende des Jahres sollten zum ersten Mal nach der Privatisierung des Hafens schwarze Zahlen stehen", erklärte Sascha Odermatt, Geschäftsführer der Krefelder Hafen GmbH & Co KG, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Unklar ist nach wie vor, wie es mit dem geplanten Hafenbahnhof in Linn weitergehen wird. Obwohl es im Vorfeld zahlreiche positive Vorbescheide für das 50-Millionen-Euro-Projekt unter der Bezeichnung Transterminal Krefeld (TTK) gegeben hat, liegt das Projekt derzeit auf Eis. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) vertritt die Auffassung, dass die Kapazitäten für den so genannten kombinierten Verkehr derzeit ausreichten und bis ins Jahr 2020/2021 kein zusätzlicher Bedarf bestehe.

"Wir haben Akteneinsicht verlangt", erklärte Odermatt. Die zum Teil geschwärzten Unterlagen seien an einen Fachanwalt zur Auswertung weitergereicht, informierte er. Dass Teile der Akten unkenntlich gemacht seien, sei nicht ungewöhnlich, bemerkte Odermatt. In den Passagen handele es sich um vertrauliche Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Duisburger Hafens. Der wolle sich nachvollziehbarerweise nicht in die Karten gucken lassen.

Nicht in Krefeld angekommen sei hingegen das vom EBA in Auftrag gegebene Gutachten über die Notwendigkeit eines TTK. "Wir haben die Überlassung der vertiefenden Expertise nachgefordert", berichtete Odermatt. Offenbar sei das EBA der Meinung, dass es nicht zu den von uns angeforderten Akten gehöre.

In dem Rechtsbehelfsverfahren gegen die Ablehnung der Förderung des geplanten TTK erhoffe der Krefelder Hafen bis Mitte oder Ende September in der Weise Klarheit, wie es dann weitergehen solle. "Wir werden die Angelegenheit vorher auch noch mit Vertretern des Eisenbahnbundesamtes bereden", informierte Odermatt.

Einen Plan B habe der Krefelder Hafen derzeit nicht, und es sei auch nicht daran gedacht, mit einer kleinen Lösung zu beginnen, ehe das große Ganze abschließend geklärt sei. "Ein Baubeginn egal in welcher Art und in welchem Umfang auch immer, ist für uns von Nachteil", erklärte Odermatt. Ein vorzeitiger Start sei förderschädlich. Immerhin rechnen die Verantwortlichen in Uerdingen mit einem Zuschuss in Höhe von rund 80 Prozent der förderfähigen Investitionskosten. Die Rede war bislang von rund 35 Millionen Euro.

Im Bereich des alten Hafenbahnhofs Linn soll ein neuer Umschlagplatz für Container und Sattelauflieger entstehen. Kräne können dort die Ladungseinheiten vom Zug auf Lkw befördern oder zwischen Zügen wechseln. Über den Containerterminal am Hafenkopf sind dann auch Transporte mit dem Binnenschiff möglich. Zwei neue Portalkräne sollen auf einer Länge von 720 Metern fahren können, die vier Gleise, auf denen die Züge einfahren sollen, sind jeweils 750 Meter lang. Mit dem neuen Bahnterminal in Linn wäre der "trimodale Transportmix" in Krefeld möglich - per Schiff, Bahn und Lkw. Die Hafen GmbH, viertgrößter Binnenhafen in NRW, ist bestrebt, möglichst viel dieses Transportverkehrs von der Straße auf die Schiene zu bringen.

Quelle: RP
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