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Krefeld
Hafen: Gelleper Lkw-Dilemma

Krefeld: Hafen: Gelleper Lkw-Dilemma
Parkende Lkw am Castellweg: Auf der ruhigen Straße verbringen Fahrer gern ihre Ruhezeiten, manche stehen dort auch übers Wochenende. Gregor Roosen, Vorsitzender des Bürgervereins Gellep-Stratum, unterstützt die Anwohner bei ihrem Kampf gegen Belästigungen durch laufende Motoren, Müll und andere Hinterlassenschaften. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Im Krefelder Hafengebiet gibt es ausgewiesene Stellflächen für Lkw, doch keine davon verfügt über Infrastruktur mit Toiletten oder Müllbehältern. Hafen-Sprecher Sascha Odermatt versucht, Unternehmen für das Problem zu sensibilisieren. Von Carola Puvogel

Im Gebiet des Krefelder Hafens gibt es keinen einzigen öffentlichen Lkw-Stellplatz, der zumindest über eine Basis-Infrastruktur mit Toilette und Müllbehältnis verfügt. Die Folge: Lkw-Fahrer suchen sich zum Einhalten ihrer Ruhezeiten Standplätze irgendwo am Straßenrand - und haben dann meist keine andere Wahl, als ihre Notdurft eben dort zu verrichten. Das berichtet ein Anwohner des Castellwegs. Hans Schiest'l wohnt genau an einem dieser bei den Fahrern beliebten Parkstreifen. Regelmäßig findet er vor seiner Gartenpforte ihre Hinterlassenschaften. Zum Beispiel am vergangenen Wochenende: "Auf dem Castellweg standen von Freitag bis Sonntag sechs Lkw. Am Sonntag waren es dann noch vier. Man kann sich ja leicht ausrechnen, wie oft die Fahrer sich in dieser Zeit erleichtern mussten", sagt er. "Drei Meter von meiner Garteneinfahrt lag eine durchsichtige Plastiktüte mit menschlichen Fäkalien. Mal wieder."

Immer wieder sucht Schiest'l das Gespräch mit den Fahrern. Auch, weil einige stundenlang mit laufendem Motor parken. Für den Anwohner nicht nur eine völlig unnötige Belästigung durch Lärm und Abgase, sondern auch eine Belastung der Umwelt. "Manche sind einsichtig und machen den Motor aus, andere werden pampig", berichtet er. Kennzeichen werden notiert, die Krefelder Stadtverwaltung informiert. "Ab und zu kommt der Kommunale Ordnungsdienst und kontrolliert, manchmal wird hier auch saubergemacht." Schiest'l ist klar, dass er im Gewerbegebiet wohnt und die Lkw dort stehen dürfen. Aber mit stundenlang laufenden Dieselmotoren und den Müllablagerungen will er sich nicht abfinden.

Hafen-Sprecher Sascha Odermatt ist das Problem bekannt: "Ich bin in ständigem Dialog mit den Betroffenen und versuche sie zu unterstützen." Er verstehe sich als Mediator: "Ich habe mich zwischengeschaltet, um die Unternehmen, die von den Speditionen angesteuert werden, für das Problem zu sensibilisieren und auf sie einzuwirken." Das sei nicht unbedingt einfach. Teils käme die Rückmeldung, es handele sich schließlich um öffentlichen Straßenraum. Zahlen, wie viele Lkw das Hafengebiet jeden Tag anfahren, gebe es nicht. "Aber es reicht letztlich ein einziger Lkw, der dort an den Gärten der Anwohner parkt."

Odermatt fordert, dass die Lkw-Fahrer die Rastplätze an den Autobahnen ansteuern. "Vielleicht entzerrt sich die Situation, wenn der große Rastplatz an der Geismühle fertig ist", hofft er. Die Stadt habe an der Fegeteschstraße auf Höhe des Bender-Geländes und an der Düsseldorfer Straße Parkstreifen für Lkw eingerichtet, auch mit dem Ziel, Lkw-Verkehr aus Wohngebieten herauszuhalten. Allerdings gebe es auch dort keine Toiletten. "Es wäre wünschenswert, dass die Stadt ordnungsrechtlich was unternimmt", meint der Hafen-Chef mit Blick auf den Castellweg. Das hofft auch Hans Schiest'l. Gespräche mit Mitarbeitern des KOD haben ihm Hoffnung gemacht, dass entlang des Castellwegs wenigstens ein Parkverbot für Lkw über 3,5 Tonnen eingerichtet werden könnte.

Einige der betroffenen Speditionen haben ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt. Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte beispielsweise die Spedition Hamm aus Neuwied mit, ihre Fahrer seien angewiesen, nicht mehr am Castellweg, sondern an der Bataverstraße zu parken. Über das Telematiksystem des Unternehmens könne man genau sehen, wo die einzelnen Fahrzeuge sich befinden. "Probleme ergeben sich dann, wenn nachts Ladetermine sind oder die Fahrer keine Restfahrzeit mehr haben", erklärt Firmenchef Heinrich Hamm. Man sehe das Problem und wolle vernünftig mit den Anwohnern umgehen. Zum Thema laufende Motoren sagt Hamm: "Ich frage mich auch, warum die Fahrer im Stand die Motoren laufen lassen. Eigentlich müssten sie mit der Standheizung klarkommen und auch mal eine Stunde Fernsehen gucken können."

Quelle: RP
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