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Krefeld
Hafenmeister aus Leidenschaft

Krefeld: Hafenmeister aus Leidenschaft
Peter Plarre genießt den Ausblick aus einem Büro am Hafenkopf. Von dort hat er freie Sicht auf das rechtsrheinische Grünland sowie auf die historische Rheinbrücke, Chempark und Uerdingen. FOTO: Lammertz
Krefeld. Peter Plarre ist gelernter Bergmann. Mehr als 1000 Meter unter Tage war es sehr staubig, dunkel und richtig warm. Seit einigen Jahren hat der 56-Jährige einen anderen Arbeitsplatz. Jetzt ist er Hafenmeister in Krefeld und schätzt das Tuckern der Binnenschiffe, die Luft und die Jahreszeiten. Von Norbert Stirken

Die Liebe zum Wasser ist ererbt. Der Großvater war ein waschechter Hamburger - ein Muschelschrubber und Krabbenpuler. Uerdingen ist sein Heimathafen. Seit 2008. Bis dahin wusste der in Dortmund aufgewachsene gebürtige Bochumer nicht, wohin ihn sein beruflicher Weg einmal führen wird. Peter Plarre hat nichts bereut. Die Arbeit im Krefelder Rheinhafen macht ihm Spaß. Zwischen Binnenschiffern, ansässigen Firmen und Mitarbeitern der Hafengesellschaft herrsche großes Vertrauen und ein gutes Verhältnis. "Ein sehr gutes sogar", sagte Plarre.

Teamgeist und Kameradschaft haben für den Ruhrpottler immer schon eine große Bedeutung gehabt. Das liegt in der Familienhistorie begründet. Ein Teil kommt aus der Hansestadt Hamburg und der Seefahrt, der andere aus dem Bergbau. Plarre hat in der Zeche Gneisenau in Dortmund seinen Beruf als Bergmann gelernt. 1050 Meter unter der Erde auf Sohle neun hat er richtig geschuftet für sein Geld. Zusammenhalt wurde großgeschrieben. Ohne ging's nicht.

Aber irgendwie zog es ihn schon damals zum Wasser. In Hamm/Westf. im Hafen arbeitete er als Kranführer. Als der damalige Betriebsmeister einen Schlaganfall erlitt, gehörte er zum Kreis derer, die als Nachfolger in Frage kamen. "Die haben sich damals ein paar Leute rausgepickt, die für den Job geeignet waren", sagte Plarre. Der 56-Jährige verfolgte damals einen sehr pragmatischen Ansatz und antwortete: "Warum nicht, ich kann's ja versuchen." Als die Abteilung in den 1980er Jahren umstrukturiert und verselbstständigt wurde, ging das mit rapidem Stellenabbau einher. Von 80 bis 100 Beschäftigten sei nur eine Handvoll übrig geblieben, berichtete er.

Für ihn war es Zeit, etwas anderes zu machen. Er wurde Fahrer im Werksfernverkehr und steuerte seinen Lastwagen vornehmlich durch Deutschland, Dänemark und Österreich. Neben vielen positiven Erlebnissen setzte sich aber auch die Gewissheit durch, dass der Beruf hohe Hürden in den Weg stellt, wenn es darum geht, den Kontakt zu Freunden, Partnerin und Familie zu pflegen. "Ich sehnte mich zurück ans Wasser", erinnert sich Plarre.

Zufällig entdeckte er im Internet eine Annonce, dass der im Neuaufbau befindliche Krefelder Hafen einen Kranführer suchte. Die Anfänge liefen über eine Zeitarbeitsfirma. In Düsseldorf wurde er eingearbeitet, und im August 2008 begann er seine Stelle als stellvertretener Hafenmeister in Uerdingen am schönsten Arbeitsplatz der Stadt mit Chempark, Rheinbrücke und Deutschlands berühmten Strom im Blick.

"Ein vergleichbar schönes Büro gibt es nur noch bei den Kollegen im Duisburger Hafen. Ich habe zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten den Blick aufs Grün im Rechtsrheinischen und die Betriebsamkeit bis hinauf zum Chempark. Der Rhein bietet ständig Abwechslung. Die Schiffe verändern sich, werden größer und umweltfreundlicher, der Fluss sauberer, führt mal Niedrig- und mal Hochwasser", berichtete Plarre.

Die Palette seiner Aufgaben als Hafenmeister ist groß und fängt bei der Überwachung behördlicher Aufgaben an. Dazu finden auch regelmäßige Rundgänge und Fahrten zu Land und zu Wasser statt, um offensichtliche Schäden und Wasserverschmutzungen festzustellen. Dann geht es um die Einteilung der fünf Kranführer, die am Container-Terminal am Hafen und an der Uerdinger Rheinwerft Schiffe laden und löschen. Für jede Tonne an Gütern und Baustoffen, die über die Kaimauern gehen, berechnet Plarre ein Ufer- sowie Krangeld.

Die Binnenkapitäne müssen sich bei ihm anmelden. Das gilt auch für die Personenschifffahrt. Manchmal legen auch seegängige Schiffe an, für die der Hafen einen ISPS Warteplatz hat. Die Reedereien müssen sich rechtzeitig anmelden, um den neuen Steiger an der Uerdinger Rheinwerft zu nutzen. Es kommen regelmäßig Ausflugsschiffe, die Halt machen, um sich zum Beispiel die Uerdinger Innenstadt, sowie das Museum und die alte Weinbrennerei bei Dujardin anzuschauen. Aber auch Betriebsausflüge sowie Fahrten zum Beispiel zum Japanischen Feuerwerk nach Düsseldorf finden hier regelmäßig statt. Eng wird es, wenn der Steiger von der Feuerwehr oder der Wasserschutzpolizei benötigt wird, dann müssen andere Anleger sofort Platz machen. Aber das Regeln die Betroffenen oft im Innenverhältnis und ist seltener der Fall. "Zum Glück". Plarre hat normale Bürozeiten, ist aber ständig im Wechsel mit seinen Kollegen in Rufbereitschaft.

Der 56-Jährige arbeitet gerne in seinem Heimathafen. Anfangs ist er noch von seinem Wohnort Lünen nach Uerdingen gependelt. Seit einigen Jahren wohnt er mit seiner Frau in Nettetal im Stadtteil Hinsbeck und genießt die Ruhe und die niederrheinische Weite. Gerne ist er mit dem Rad unterwegs, oder er tummelt sich im Garten. Seinen Urlaub verbringt Plarre bevorzugt auf dem Campingplatz im Wohnwagen. Damit fährt er gerne nach Holland an die Nordsee und nach Schleswig Holstein an die Ostsee. Selbst in seiner Freizeit verbringt der 56-Jährige die Tage am liebsten am Wasser.

Quelle: RP
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