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Krefeld
Hafenvertreter unterwegs zur Charmeoffensive in Berlin

Krefeld. Die IHK-Initiative Rheinland sprach mit Staatssekretär Enak Ferlemann über den Bundesverkehrswegeplan.

Vertreter der heimischen Wirtschaft machten sich in Berlin für ihre Belange stark: mit dabei, Krefelds früherer Hafenchef Rainer Schäfer - jetzt Geschäftsführer der Neuss Düsseldorfer Häfen - und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz aus Krefeld. "Wir wollen bei Ihnen Verständnis dafür wecken, dass die niederländischen und belgischen Seehäfen für Deutschland insgesamt, aber vor allem für das Rheinland eine große Bedeutung haben. Gleichzeitig steht die Region vor der großen Herausforderung, wachsende Transitverkehre bewältigen zu müssen." Mit diesen Worten begrüßte er den Staatssekretär des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, Enak Ferlemann, der einer Einladung der IHK-Initiative Rheinland gefolgt war, um in der Bundeshauptstadt mit einer Unternehmerdelegation und Bundestagsabgeordneten aus dem Rheinland über den Entwurf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) zu diskutieren.

Um diese Einschätzung zu untermauern, stellte Hans Königs von der IVV GmbH die Ergebnisse einer Analyse der Güterverkehrsent-wicklung in den ZARA-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) vor, die er im Auftrag der IHK-Initiative Rheinland er-stellt hat. "Wir gehen von einer Zunahme des Güterumschlags der ZARA-Häfen von 2010 bis 2030 um 67 Prozent aus", sagte Königs. "Das bedeutet für das Jahr 2030 einen Gesamtumschlag von 1,240 Milliarden Tonnen." Der Containerumschlag wird der Analyse zufolge in diesem Zeitraum noch dramatischer steigen: um 157 Prozent auf 602 Millionen Tonnen im Jahr 2030. "Das Rheinland wird von diesem Trend besonders betroffen sein, denn die Hälfte des Transitverkehrs in unserer Region wird demnächst mit dem Güterumschlag in den Seehäfen jenseits der Grenze zu tun haben", erläuterte Königs.

Der Bundesverkehrswegeplan soll die Weichen dafür stellen, dass die Infrastruktur in den kommenden 15 Jahren so ausgebaut wird, dass die enorme Verkehrszunahme im Rheinland gemeistert werden kann. "Die Zahlen, die dem BVWP zugrunde gelegt wurden, stimmen allerdings nicht mit den tatsächlich von uns ermittelten Wachstumsraten überein", sagte Königs. Einerseits gehe die Prognose des Ministeriums von zu niedrigen Werten für das Basisjahr 2010 aus. Andererseits seien die veranschlagten Wachstumsraten zu gering. "Beispielsweise geht das Ministerium für die Häfen Rotterdam und Antwerpen von einem deutschlandrelevanten Güterumschlag von 177 Millionen Tonnen im Jahr 2030 aus, unsere Ana-lyse zeigt, dass mit 260 Millionen Tonnen zu rechnen ist", so Königs. Die Verkehrsmengen von und zu den Häfen würden kontinuierlich unterschätzt, die Prognosen des Bundes führten zu unrealistischen Einschätzungen. "Das hat Folgen für die Projektpriorisierung und für die Mittelvergabe für wichtige Infrastrukturvorhaben", so Königs.

Die beiden Geschäftsführer der Häfen im niederländischen Rotterdam und im belgischen Antwerpen unterstrichen Königs Analyse und führten dem Staatssekretär vor Augen, in welchem Umfang sich die Häfen auf das zunehmende Güteraufkommen vorbereiten.

Ferlemann ging auch auf die seit Jahrzehnten kontrovers diskutierte Reaktivierung der Güterstrecke "Eiserner Rhein" ein. Diese Strecke sei als Entlastung der anderen Güterverkehrsstrecken von den Seehäfen ins Rheinland notwendig. Die historische Trasse, die zum Teil mitten durch Wohngebiete führe, sei nicht mehr umsetzbar und die Variante entlang der Autobahn 52 zu teuer. "Aber es gibt einen dritten Weg: Die Variante über Venlo mit einem zweigleisigen Ausbau Kaldenkirchen-Dülken", sagt Ferlemann. "Damit verbinden wir Eindhoven mit Düsseldorf."

Quelle: RP
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