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Krefeld
Hamlet und Ophelia auf der Opernbühne

Krefeld: Hamlet und Ophelia auf der Opernbühne
Ophelia auf der Flucht : Sophie Witte singt die weibliche Hauptrolle in "Hamlet". Die historisierend-zeitlosen Kostüme hat Susanne Hubrich entworfen. FOTO: Matthias Stutte
Krefeld. Shakespeares Drama um den Dänenprinzen ist im Krefelder Theater erstmals als Oper zu erleben, Rafael Bruck singt den Hamlet, Sophie Witte die Partie der Ophelia, mit der schon die Callas glänzte. Morgen ist Premiere. Von Petra Diederichs

Hätte Maria Callas etwa 100 Jahre früher gelebt, vielleicht hätte Ambroise Thomas seine Oper dann schon früher auf die Bühne gebracht. Der französische Komponist (1811-1896) hatte seinen "Hamlet" fix und fertig in der Schublade liegen. "Ihm fehlte nur die passende Sängerin für die weibliche Hauptrolle", sagt Operndirektor Andreas Wendholz. Stimmlich virtuos musste die Ophelia sein, aber auch zerbrechlich und ätherisch wirken, nicht ganz greifbar. La Diva Callas hat alle Attribute in ihrer Interpretation der Wahnsinnsarie vereint. Berühmt sind ihre Ton-Einspielungen aus den späten 1950er Jahren. Die übrige Musik war dagegen lange vergessen.

Doch Thomas wurde schließlich unter seinen Zeitgenossen fündig: Am 9. März 1868 hatte "Hamlet" Uraufführung in der Pariser Opéra. Die Ophelia sang die damals in Schweden schon bekannte Sopranistin Kristina Nilsson. Eine denkbar gute Wahl, sie eroberte das Publikum im Sturm - und auch die Oper, deren Shakespeare-Derbheiten dem feineren französischen Ton angepasst waren, kam an. Ganz Paris wurde vom Ophelia-Fieber gepackt, wer auf sich hielt, trug Ophelia-Frisur oder Kleider im Ophelia-Schnitt. Die Euphorie griff rasch auf ganz Frankreich über.

In Krefeld hat "Hamlet" am morgigen Samstag Premiere. Es ist das erste Mal, dass Shakespeares Drama vom Dänenkönig, der den Mord an seinem Vater rächen will und an sich selbst scheitert, als Oper auf die hiesige Bühne kommt. Und im Theater ist jene brodelnde Euphorie bereits seit der Probenzeit greifbar, sagt Operndirektor Wendholz. "Es ist großartige Musik, die jedoch - abgesehen von der berühmten Arie - weitgehend unbekannt ist." Denn nach den weltweiten Erfolgen im 19. Jahrhundert, verschwand Ambroise Thomas' Werk von den Spielplänen und wurde erst in den 1990ern wieder entdeckt. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, die Oper aus der Wunsch-Schublade des Operndirektors zu ziehen: "Wir haben die großartigen Sänger für die Hauptrollen", betont Wendholz. Bariton Rafael Bruck und Sopranistin Sophie Witte - sowie ein Inszenierungsteam, das dem Publikum von vielen Musiktheater-Produktionen bekannt ist, aber bisher noch nie zusammen gearbeitet hat: Helen Malkowsky (Regie) hat hier zuletzt "Mazeppa", "Stiffelio" und "Katja Kabanova" in Szene gesetzt; Hermann Feuchter (Bühne) hat den "Maskenball" ausgerichtet und Susanne Hubrich die Kostüme für "Stiffelio" und "Tod in Venedig" entworfen.

Generationen von Literaturwissenschaftlern, Historikern und Psychologen haben bergeweise Interpretationen zu Shakespeares Werk geliefert. Dem Opernlibretto von Carré und Barbier liegt ein Schauspiel von 1847 zugrunde, das Alexandre Dumas (der Vater des "Graf von Monte Christo"-Autors) und Francois Paul Meurice nach Shakespeares Text verfasst haben - mit einigen Änderungen. Den Ausgang der Tragödie hat Helen Malkowsky neu gedeutet. "Wie, das wird noch nicht verraten", sagt Wendholz. Nur so viel steht fest: Hamlet wird sich am Ende nicht umbringen. Die Regisseurin wird außerdem die klassische Figur des Narren auferstehen lassen. Statt des Totenschädels wird der Narr mit der Stimme des toten Vaters zu Hamlet sprechen. Eine zeitgemäße Deutung der Geister, die den Prinzen bedrohen, findet Wendholz. Wie das Stück überhaupt gerade eine besondere Aktualität erfährt: "Hier geht es um eine Gesellschaft, die einen neuen König wählt und festlegen muss, wie es weitergeht. Jeder hat dabei vor allem seinen eigenen Posten im Blick."

Und wer weiß, ob das Ophelia-Virus nicht nach 150 Jahren wieder aktiviert wird. Kristina Nilsson die ihren Namen den jeweiligen Wirkungsstätten anpasste und auch als Christine und Christina auftrat, soll seinerzeit Gaston Leroux inspiriert haben und das Vorbild gewesen sein für Christine Daaé, die Schöne aus dem "Phantom der Oper".

Quelle: RP
 
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