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Krefeld
Handel fordert Kampf gegen Taubenplage

Krefeld: Handel fordert Kampf gegen Taubenplage
Tauben auf dem Neumarkt - Ratsherr Andreas Drabben (UWG) hat schon Schwärme mit 100 Tauben dort beobachtet. Er fordert ein städtisches Vorgehen gegen die wachsende Taubenpopulation. FOTO: Thomas Lammertz, Montage: sep
Krefeld. In der Innenstadt nimmt die Taubenpopulation wieder stark zu. Franz-Joseph Greve, Chef der Werbegemeinschaft, spricht von einer "echten Plage". Die Unabhängigen Wähler schlagen den Bau eines Taubenhauses vor. Von Sebastian Peters

Mit Beginn der warmen Jahreszeit ist die Zahl der Tauben in der Krefelder City wieder stark angestiegen. Auf der Suche nach Futter suchen die Vögel in Schwärmen die Plätze in der Innenstadt auf, scheuen auch den Menschen nicht. Andreas Drabben, Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), berichtete gestern von einem Schwarm von hundert Tauben, der auf der Jagd nach Futter stetig die Außengastronomie auf dem Neumarkt heimsuche. "Die Taubenplage nimmt in Krefeld ungewöhnlich stark zu", sagt Drabben und verweist auf die damit verbundenen Probleme: Taubenkot verunreinigt die Straßen und Gebäude stark, stellt letztlich auch eine Gesundheitsgefahr für den Menschen dar.

Die UWG fordert ebenso wie der Krefelder Handel Maßnahmen gegen die Taubenplage. Das Problem: Aus tierschutzrechtlichen Gründen dürfen Stadttauben nicht einfach abgeschossen oder vergiftet werden.

Franz-Joseph Greve, Chef der Werbegemeinschaft, begrüßt den Antrag der Unabhängigen Wähler. "Für uns Händler ist die große Anzahl an Tauben in der Innenstadt seit Jahren ein Problem. Viele Besucher der City nehmen ihr Mittagessen mittlerweile im Laufen ein oder sitzen draußen. Da fällt auch immer etwas für die Tauben ab. Das lockt die Tiere an." So mancher Händler habe in der City bereits kapituliert. "Früher hat man die Tiere häufiger abgeschossen. Da gab es weniger Tauben. Aber das wird offenbar längst nicht mehr gemacht."

Ratsherr Andreas Drabben schlug gestern die Einrichtung von Taubenhäusern vor. Einen entsprechenden Antrag für den Verwaltungsausschuss hat er bereits an die anderen Fraktionen gesendet. "Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand ist die Einrichtung von Taubentürmen, Taubenhäusern oder Taubenschlägen die einzige Methode, um neben einem Fütterungsverbot dem Ziel der Stadtsauberkeit bezogen auf Hinterlassenschaften der verwilderten Haustauben näher zu kommen und dabei gleichzeitig dem im Grundgesetz verankerten Tierschutz Rechnung zu tragen", heißt es im UWG-Antrag. Die Stadt solle geeignete städtischen Flächen an den Brennpunkten für ein Taubenhaus benennen und die Kosten für das artgerechte Futter und Tierarztbehandlungen zur Verfügung stellen.

In Taubenhäusern, geschützten Brutmöglichkeiten, werden die Tauben angelockt. In diesen Häusern können die Eier entnommen und durch Gipseier ausgetauscht werden. Die Tauben werden so vom wilden Brüten abgehalten. Ein Taubenhaus aber, darauf verweisen Schädlingsbekämpfer, muss ständig gereinigt und gewartet werden.

Ein warnendes Beispiel liefert die Entwicklung in Düsseldorf. Dort richtete die Stadtverwaltung extra eine Projektgruppe "Stadttaubenmanagement" ein, lieferte ständig neues Futter in spezielle Taubenschläge. Im September 2014 musste die Stadt dann im Ausschuss berichten, dass die Tiere das Futterangebot zwar annähmen, aufgrund der guten Sättigung aber offenbar auch einen größeren Fortpflanzungsdrang entwickelten.

Benjamin Keßner von Duisburger Schädlingsbekämpfungsunternehmen A & B Keßner aus Duisburg hat in Krefeld schon dutzende Gebäude mit Taubenabwehrsystemen ausgestattet, darunter auch den Krefelder Hauptbahnhof. "Tauben sind in Krefeld wie in vielen anderen Großstädten der Region ein Problem", berichtet Keßner. "Sie nutzen gerne leerstehende Gebäude oder offene Dachstühle als Rückzugsort." Er verweist darauf, dass das Tierschutzgesetz das grundlose Töten von Tauben nicht erlaube. Nur mit Sondergenehmigung, wenn die Tiere eine besondere Gefahr darstellen, sei das Töten erlaubt.

"Es gibt aber andere Maßnahmen", berichtet Keßner. In Dortmund habe die Stadtverwaltung systematisch die Eier in den Nestern gegen Gipseier ausgetauscht. Auch die von der UWG in Krefeld vorgeschlagene Bestandsdezimierung durch Eieraustausch in Taubenhäusern könne funktionieren. Die Stadt Duisburg habe zudem Erfolg mit ihrer Maßnahme gehabt, ein Falkenpärchen am Rathaus anzusiedeln. "Seitdem gibt es am Rathaus und der Salvatorkirche in Duisburg kein Taubenproblem mehr." Dieses Modell sei aber nicht einfach auf andere Städte übertragbar, sagt Keßner: "Die Falken benötigen geeignete Plätze, die sind nicht einfach zu finden."

Quelle: RP
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