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Colonia Dignidad
Krefelder Staatsanwalt fordert Inhaftierung von Sektenarzt

Harmut Hopp von Colonia Dignidad: Staatsanwalt fordert Inhaftierung
Hartmut Hopp, Arzt der Colonia Dignidad. FOTO: Samla
Krefeld. Die Krefelder Staatsanwaltschaft unterstützt das Ersuchen der chilenischen Justiz, ein Urteil gegen Hartmut Hopp, Arzt der berüchtigten Sekte "Colonia Dignidad", in Deutschland zu vollstrecken. Von Jens Voß

Ein entsprechender Antrag  auf Zulassung der Vollstreckung ist jetzt an das Landgericht Krefeld ergangen, erklärte Axel Stahl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. Hopp war in Chile wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger zu fünf Jahren Haft verurteilt worden und hatte sich 2011 nach Deutschland abgesetzt. Hopp gehörte zum engeren Führungszirkel des Sektenführers Paul Schäfer (1921-2010), der in Chile die Colonia Dignidad gegründet hatte, die während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) als Folterzentrum des Geheimdienstes galt. Schäfer wurde zudem jahrzehntelanger sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vorgeworfen. Der heute 72-jährige Hopp lebt zurzeit in Krefeld.   

Da es kein Auslieferungsabkommen mit Chile gibt, ist er nicht an das südamerikanische Land ausgeliefert worden. Daher hat Chile ein Ersuchen gestellt, die Strafe in Deutschland zu vollstrecken. Hopps Verteidiger zogen in Zweifel, dass das chilenische Urteil deutschen rechtsstaatlichen Prinzipien entspricht - mit dieser Argumentation hatte sich die Krefelder Staatsanwaltschaft auseinanderzusetzen. "Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass grundlegende Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des chilenischen Verfahrens nicht begründet sind", erklärte Stahl.

Der Eingang zur Colonia Dignidad in Chile. FOTO: dpa, ef kno cul fpt

Die Entscheidung des Landgerichts kann dauern. Das chilenische Urteil umfasse rund 1000 Seiten, die sich in Diktion und Aufbau von deutschen Akten deutlich unterschieden, berichtet Stahl. Zudem seien die Einwände von Hopps Anwälten "nicht trivial" und verdienten sorgfältige Prüfung. Insofern müsse man dem Gericht genügend Zeit zugestehen.

Chiles Richter sind überzeugt, dass Hopp Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von Kindern geleistet hat. Missbraucht worden sind sie vom Gründer der Colonia Dignidad, Paul Schäfer. Schäfer, Jahrgang 1921, war 1961 mit rund 200 Getreuen von Deutschland nach Chile ausgewandert, besser: geflohen, denn er war schon in Deutschland in Verdacht geraten, Kinder zu missbrauchen. Hopp ging als 17-Jähriger mit ihm und wurde der Arzt der Colonia. Als sich Pinochets Militärdiktatur Anfang der 90er Jahre dem Ende zuneigte, geriet die Sekte unter den Druck der demokratisch gewandelten Justiz; Schäfer wurde 2006 zu 33 Jahren Haft verurteilt und starb 2010. Auch Hopp wurde angeklagt und floh 2011 nach Deutschland. Er machte immer geltend, von Schäfers Verbrechen erst nach dem Ende der Colonia Dignidad erfahren zu haben.

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