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Krefeld
Heinrich Hussmann baut Hülser Gitarren

Echte Hülser Gitarren
Echte Hülser Gitarren FOTO: T. Lammertz
Krefeld. Der Gitarrist, Komponist und Musiklehrer fertigt individuelle Instrumente an, beispielsweise mit der Hülser Skyline als Elfenbein-Intarsie. Von Jochen Lenzen

Mit 50 hat der Elektro-Ingenieur sein Leben zugunsten seiner wahren Passion umgekrempelt. Nach 20 Jahren bei der Deutschen Post hat Heinrich Hussmann gekündigt und sich als Musiklehrer, Komponist und Produzent in Krefeld am Inrath selbstständig gemacht. Das ist jetzt gut zwölf Jahre her. Anfang dieses Jahres hat er seine private Musikschule "Picking Club" nebst Studio in Hüls an der Krefelder Straße 45 eröffnet - und ein halbes Dutzend ganz individuell gestalteter Konzert-Gitarren fertiggestellt, mit deren Bau er vor rund vier Jahren begonnen hatte.

Die inzwischen mit Schellack polierten Exemplare hängen als Gruppe an einer Wand des Studios. "Ich habe einfach drauflos gebastelt und unter dem Motto ,learning by doing' den ersten Versuch gestartet", blickt Hussmann zurück. Herausgekommen ist eine Gitarre aus Ahorn und Fichte ("Die Decken sind immer aus langsam wachsender Höhenfichte"), der er den Namen "Overweight" gegeben hat. Übergewichtig wirkt sie aber nur wegen der etwas zu breit geratenen Taille. "Dann habe ich bei der zweiten Gitarre eine neue Bautechnik versucht. Das ist völlig misslungen, und deshalb hat das Instrument auch keinen Namen bekommen."

Die dritte Gitarre aus Palisander und Mahagoni hat er - wie zwei weitere Exemplare - seinem Stadtteil Hüls gewidmet und nicht nur so benannt: Im Griffbrett hat Hussmann die Hülser Skyline als einfache Linie eingearbeitet. Bei der zweiten Hülser Gitarre hat er die Silhouette gar als Vollflächen-Intarsie aus Elfenbein von alten Klaviertasten gestaltet.

Ein Prachtexemplar ist Heinrich Hussmann mit der dritten Hülser Gitarre gelungen: Sie besticht durch das Olivenholz-Furnier (auf Ahorn) auf Boden und Seitenteilen; auch Steg und Schallloch-Deko sind aus Olivenholz, das auf der hellen Fichtendecke besonders schön zur Geltung kommt. Ganz filigran und elegant wirkt die millimeterdünne Leiste aus bunten Hölzern am Rand der Decke. Die als Linie dargestellte Hülser Silhouette auf dem Griffbrett ist aus einer Goldstaub-Mischung.

Wer neben Gitarren auch Pferde mag, wird an dem "Mustang" genannten Instrument seine Freude haben. Hussmann hat die Pferde rundumlaufend und dezent auf die Palisanderseiten, in der Schallochverzierung und als ein einziges Exemplar auf dem Griffbrett eingearbeitet, dessen Rückseite aus optisch besonders beeindruckendem Vogelaugenahorn besteht.

Hussmann, ein angenehm ruhiger Mensch, ist in Veen bei Xanten aufgewachsen, hat schon als Zwölfjähriger in einer Schülerband mitgemacht, über die Jahre in vielen anderen Oldie- und Coverbands musiziert und mit der in den 1980er Jahren sehr populären Wells Fargo Band als Bassist Southern Rock gespielt. Sein erstes Gitarren-Solokonzert absolvierte er Anfang der 80er Jahre im Krefelder Jazzkeller. Für einem Hip-Hop-Wettbewerb des WDR-Senders 1 Live hat er mal einen Rap-Song geschrieben, der mit dem Gesang eines jungen Trios unter die ersten Zehn kam und auf der Sieger-CD gelandet ist.

Das "Picking", das seiner Musikschule den Namen gegeben hat, ist das englische Wort für "Zupfen" - eine Spielart auf der Gitarre. Neben Klassik spielt Hussmann auch Flamenco und andere Arten von Folklore. Auf bisher drei "ernsthaften" CDs mit Eigenkompositionen der lyrischen Art kann man sein Können bewundern. "Und was ich kann, gebe ich als Lehrer weiter. Mein Unterrichtsangebot reicht von Liedbegleitung über Klassik und Fingerstyle bis hin zum Rock-Solo. Auf Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Klavier, Keyboard oder Bass geht's mir neben Fingerfertigkeit auch um das Verständnis der musikalischen Zusammenhänge", sagt der heute 62-jährige Musiker - und zupft launig einen witzigen Ragtime. www.heinrich-hussmann.de

Quelle: RP
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