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Krefeld
Henkel-Supernasen kreieren feine Düfte

Krefeld: Henkel-Supernasen kreieren feine Düfte
Die Parfümeure bei Henkel komponieren aus über 1000 natürlichen und synthetischen Stoffen Düfte für Waschmittel, Reiniger, Seife oder Shampoos. FOTO: Henkel
Krefeld. Mit der parfümierten Seife Fa fing vor 60 Jahren alles an. Kurze Zeit später gelang mit dem frisch duftenden Waschmittel Persil der Durchbruch für das Henkel Fragrance Center im Krefelder Hafen. Heute suchen dort fünf eigene Parfümeure nach neuen Düften für die Produkte des Konzerns.  Von Norbert Stirken

Gerüche wie Bohnerwachs, Zigarrenrauch, Kernseife, Gewürze und Brandgeruch gehören nicht zu den täglichen Forschungsaufgaben der Parfümeure von Henkel Fragrance in Krefeld. Dieser ungewöhnliche Wunsch nach Hilfe bei der Erstellung von Duftstationen für die NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer kam vor rund zwei Jahren von der Historikerin Dr. Ingrid Schupetta.

Am Anfang stand die Idee, die Villa Merländer sinnlich erlebbar zu machen. "Ein Haus hat seinen typischen Geruch, und damit wollte ich arbeiten", berichtet die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle. Erste Selbstversuche scheiterten. Die Gerüche verflüchtigten sich oder waren viel zu dominant. Also holte die Historikerin sich Expertenrat bei dem im Krefelder Hafen ansässigen Unternehmen Henkel. Dort stieß sie sofort auf offene Ohren. Parfümeur und Flavourist Hubert Smyrek (der das Krefeld-Parfüm kreiert hat) und seine Chefin Anneliese Wilsch-Irrgang tüftelten an neuen Geruchsperlen, die in einer Kartusche auf Knopfdruck ihren Duft per Ventilator freigeben.

Die Duftentwicklung bei Henkel begann 1956 für die Feinseife Fa. FOTO: Henkel

Ihr tägliches Geschäft war und ist ein anderes: Ob Wasch- oder Reinigungsmittel, Duschgels oder Klebestifte: Bereits seit 1956 entwickelt das unternehmenseigene "Parfüm-Center" in Krefeld Düfte und Aromen für Henkel-Produkte rund um die Welt. Pro Jahr werden hier etwa 10.000 Tonnen Parfümöl produziert. Angefangen hat alles vor 60 Jahren - mit gerade einmal 57 Tonnen jährlich. Heute gehört das "Fragrance Center" mit rund 70 Mitarbeitern, darunter fünf eigene Parfümeure, zu den drei größten Herstellern für Parfümöle in Deutschland.

"Für den Erfolg unserer Produkte spielt der Duft eine enorme Rolle", erklärt Dr. Anneliese Wilsch-Irrgang, die seit 2011 das Henkel Fragrance Center in Krefeld leitet. "Denn nur was gut riecht, wird auch gekauft." Die Kreation eines Dufts ist komplex und Ergebnis eines kreativen Prozesses. Weltweit gibt es nur etwa 1000 Parfümeure. Fünf davon arbeiten bei Henkel. Aus mehr als 1000 natürlichen und synthetischen Stoffen komponieren sie Düfte für Waschmittel, Reiniger, Seife oder Shampoo.

Seit 1956 entwickelt das unternehmenseigene "Parfüm-Center" in Krefeld Düfte und Aromen für Henkel. FOTO: Henkel

Die Wurzeln der eigenen Herstellung von Riechstoffen bei Henkel führt zunächst nach Mönchengladbach und ab 1956 auf das Gelände der ehemaligen Dreiring-Seifenfabrik in Krefeld - der 'Geburtsstätte' von Fa. Die Feinseife Fa (Werbeslogan aus den 1970er-Jahren: "Die wilde Frische von Limonen") war es auch, für die die Duftentwicklung bei Henkel begann, bevor nur 1959 ein Meilenstein gelang: Persil kam als erstes parfümiertes Waschmittel Europas auf den Markt.

Ingrid Schuppetta, Hubert P. Smyrek und Anneliese Wilsch-Irrgang (v. l.) arbeiteten an Düften für die Villa Merländer. FOTO: Lammertz Thomas

Eine Herausforderung für die Duftexperten, besteht darin, die richtigen Düfte zu entdecken. Die Vorlieben sind je nach Region unterschiedlich. Jede Kultur habe ihre eigenen Gerüche. Während beispielsweise Südeuropäer Sauberkeit mit Chlorgeruch verbänden, stehe in Deutschland der Duft von frisch gemähten Wiesen und Zitronen für Reinheit, berichtet Henkel. Duftvorlieben orientierten sich auch an Jahreszeiten oder gesellschaftlichen Trends: Floral-fruchtige Kompositionen prägen häufig Sommereditionen oder Pastell-Trends in der Mode werden durch leichte Düfte ergänzt. Dabei müssten sie langanhaltend sein und den Alltagstest bestehen. Schließlich solle der saubere und frische Waschmittelgeruch nicht einfach weggewaschen werden. An dieser Stelle spielen Anwendungstests zur Geruchs- und auch zur Farbbeständigkeit eine entscheidende Rolle. Erst dann geht der Duft in die Produktion.

Quelle: RP
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