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Krefeld
Herbert Zangs - der andere Beuys

Krefeld: Herbert Zangs - der andere Beuys
Rüdiger K. Weng und seine Mitarbeiterin Hanna Welzel mit Herbert Zangs´"Antibücher", die auf der Documenta VI in Kassel zu sehen waren. FOTO: Lammertz
Krefeld. Kuratoren aus New York, London, Mailand, Amsterdam und Zürich informierten sich in Fischeln über den Krefelder Maler, der oftmals seiner Zeit voraus war. Hausherr Rüdiger K. Weng lädt RP-Leser zum exklusiven Rundgang ein. Von Norbert Stirken

Scharlatan oder Genie? Auf jeden Fall Provokateur und Pionier. An dem Krefelder Herbert Zangs scheiden sich bis heute die Geister. Fast auf den Tag genau 13 Jahre nach dem Tod des Krefelder Künstlers trafen sich in Fischeln Kuratoren berühmter Museen aus New York, London, Mailand, Amsterdam und Zürich, Vertreter bekannter Auktionshäuser und Sammler, um sich die Privatsammlung des internationalen Kunsthändlers Rüdiger K. Weng anzusehen. "Sie können davon ausgehen, dass demnächst mehr als ein Museum eine große Werkschau mit Arbeiten von Zangs zeigen wird", erklärte Weng.

Zangs war seiner Zeit oft voraus, hat vieles von dem, was zum Beispiel Joseph Beuys beredt und öffentlichkeitswirksam unter dem erweiterten Kunstbegriff als Theorie zusammenfasste, praktisch vorgelebt. Beide Krefelder hatten einige Gemeinsamkeiten. Sie lernten bei Professor Ewald Mataré an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, leisteten Militärdienst, waren bei der Luftwaffe und flogen Angriffe auf benachbarte Länder. Bei Zangs waren es die schneebedeckten Flächen Skandinaviens, die Eindruck hinterließen und sich in seinem künstlerischen Werk wiederfanden. Mit seinen Verweißungen Anfang der 1950er-Jahre war er etwa der künstlerischen Entwicklung, die als Zero gerade eine ungeheuere Renaissance erfährt, um mehr als eine Nasenlänge voraus. Zangs' Verweißungen sind Beuys' Fett und Filz. Seine Geschichte von Tataren, die ihn nach einem Flugzeugabsturz gesund pflegten, hat sich inzwischen als Märchen erwiesen. Auch Zangs hat Märchen erzählt. Er war überall zu Hause, fand stets Kontakt und war in der Lage, eine Gesellschaft köstlich zu unterhalten. Im legendären Kreuzherreneck in der Düsseldorfer Altstadt, in der er genauso zu Hause war wie in den Kneipen Krefelds, traf er den späteren Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der sich als Türsteher verdingte. Diese frühe Bekanntschaft und die temperamentvollen Geschichten Zangs mögen den Schriftsteller veranlasst haben, Zangs in dem berühmten Roman die Blechtrommel in der Rolle des Maler Lankes ein literarisches Denkmal zu schaffen. Weng zeigt in seiner Ausstellung, die noch bis zum 30. März in den Geschäftsräumen an der Kimplerstraße zu sehen ist, mit ausgewählten Exponaten die künstlerische Entwicklung des Raubbaus an seiner Gesundheit treibenden Globetrotters, der durch aller Herren Länder reiste und in Südfrankreich ein Haus besaß. Der Menschenfreund Zangs lernte viele prominente Zeitgenossen kennen. Neben Grass und Beuys unter anderem auch Pablo Picasso, Albert Camus, Erich Maria Remarque, Marlene Dietrich und Hildegard Knef.

Zangs war kein Freund der Konventionen. Er eckte an, er brüskierte. Wohlfeiles Geschäftskalkül war ihm fremd. Er lebte und liebte stattdessen das Tauschgeschäft. Viele in seinem Umfeld kamen so in den Besitz eines echten Zangs - Wirte, Händler, Apotheker, Anwälte und Ärzte. Nicht alle wussten den Wert der Arbeiten zu schätzen. Dass dies anders wird, daran arbeitet Weng, der Mitte der 1990er Jahre ein "Entdeckungserlebnis" hatte. Susannah Cremer-Bermbach und die Sparkasse Krefeld gaben Werkmonografien des Künstlers heraus. "Ich bin eineinhalb Jahre durch Deutschland gereist, habe Händler und Kollegen besucht und die Sinne geschärft", berichtet Weng. Zangs benutzte Fundstücke, Farbreste, Packpapier, Bierdeckel und Karton für seine Kunst, übermalte die Collagen und Materialbilder weiß, später schwarz, befasste sich als einer der ersten mit serieller Herstellung wie bei den Scheibenwischerbildern. In den 1970er Jahren sorgte er für einen Skandal, weil er Bilder rückdatiert hatte - aber mit einer charmanten Begründung. Die Bilder seien mit dem Jahr datiert, indem das Konzept dazu entstanden sei. In seiner letzten Lebensphase blieb er schwer beeinträchtigt nicht untätig, lieferte Rollstuhlbilder.

Verweißung: Der rutschfeste Gummibezug einer Personenwaage. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Weng zeigt Arbeiten aus den 1950-er, 60-er und 70-er Jahren, darunter auch das Schlüsselbild im Oeuvre von Zangs, die "verweißte Landschaft", seine erste Verweißung überhaupt. Daneben sind aber alle wichtigen Werkgruppen des Künstlers vertreten. Gegenübergestellt wird dieser Werkkomplex einer hochkarätigen Übersicht zu Arbeiten seines Künstlerfreundes Adolf Luther.

Verlosung: Rüdiger Weng lädt zehn RP-Leser für Donnerstag, 24. März, ab 17 Uhr zu einer exklusiven Führung durch die Zangs-Ausstellung ein. Interessierte schicken bitte bis 23. März, 12 Uhr, eine Mail mit Rufnummer und Stichwort Zangs an krefeld@rheinische-post.de. Wir rufen zurück und teilen den Treffpunkt mit.

Weiß und Schwarz, Positiv und Negativ - Zangs schaffte Strukturen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Quelle: RP
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