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Zum Tage
Herbstliche Bäume

Krefeld. Als Krankenhauspfarrer ging ich oft mit Patienten in den Park und gab ihnen den Auftrag, sich dort einen Baum zu suchen, der für sie da ist. Wir gingen einige Minuten in der Stille. Das allein tut schon gut. Man braucht nicht viel Mühe, den "eigenen" Baum zu finden, der einen persönlich anspricht. Er ist einfach da. An einem Baum kann man lernen, sich selbst das Leben schenken zu lassen, einfach da zu sein. An ihm kann man sehen, dass es nicht auf das ständige Rennen und Arbeiten ankommt. Man kann zur Ruhe kommen. Man kann sich selbst sagen: So wie der liebe Gott diesen Baum an diesem Platz gewollt hat, so hat er mich an meinem Platz im Leben gewollt.

Man kann ein Dankgebet oder Bittgebet zum Himmel schicken. An einem Baum kann man sehen, wie heftige Stürme im Leben überstanden werden. Gerade jetzt im Herbst kann man an vielen Bäumen auch das Reiche, Farbenfrohe, Üppige der Natur entdecken. Jeder Baum ist anders. Daran kann man ablesen, wie man getrost und ohne innere Verrenkungen anders sein kann als die anderen drum herum.

Die Bibel erzählt, dass Gott im Paradies Bäume wachsen ließ. Sie sahen verlockend aus, ihre Früchte schmackhaft. Zwei von ihnen werden besonders erwähnt: Der Baum des Lebens mitten im Garten, der Baum der eigenmächtigen Definition von Gut und Böse, von dem die Menschen nicht essen sollten.

Suchen Sie sich Ihren Baum des Lebens!

Vielleicht ist ja auch der Baum hier als Symbol für etwas anders gemeint. Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird Jesus der Baum des Lebens genannt. Warum? Weil an ihm und seinem Gottvertrauen etwas deutlich wird, was auch mir das Leben wieder schmackhaft macht. Etwas von der Freude, einfach da zu sein in der sich entfaltenden Welt Gottes.

DETLEF WENDLER, PSYCHIATRIEPFARRER

Quelle: RP
 
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