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Krefeld
Herkulesaufgabe - zurück in den Beruf

Krefeld: Herkulesaufgabe - zurück in den Beruf
Die Rückkehr ins Berufsleben ist für Mütter oft kompliziert. Das Projekt "Zusammen Stark" unterstützt sie. Von links: Die Teilnehmerinnen Janette Groß und Verena Aydin und Veranstalterinnen Claudia Brüker und Gaby Wienges-Haupt. FOTO: TL
Krefeld. Mütter, die nach langer Auszeit wieder arbeiten wollen, erleben die Jobsuche oftmals als Herkulesaufgabe. Wie präsentiere ich mich gegenüber dem Arbeitgeber? Wer bringt die Kinder zur Schule und holt sie ab? Wie regele ich die Betreuung meiner Kinder? Viele gewillte Wiedereinsteiger quälen sich mit diesen Fragen. Das Projekt "Zusammen Stark" soll den Wiedereinstieg erleichtern. Von Martin Heuchel

Im Projekt "Zusammen Stark", das gemeinsam vom Krefelder Jobcenter und der Agentur für Arbeit angeboten wird, sollen Mütter, die nach längerer Auszeit wieder einen Beruf aufnehmen wollen, gezielt unterstützt werden. Zwölf Teilnehmerinnen, die sich nach einer Infoveranstaltung für das Projekt anmeldeten, wurden zwischen April und Juli auf den Wiedereinstieg und seine Tücken vorbereitet. Das Ziel: Zurück in die Beschäftigung.

Dazu sei eine umfassendes Zeitmanagment nötig. Ganz anders als bei den üblichen Beratungsstunden trafen sich die Frauen an acht Terminen gemeinsam in einem lockeren und vertrauensvollen Rahmen. "Die Teilnehmerinnen waren sehr kreativ darin, Lösungen zu finden und haben sich gegenseitig gute Tipps gegeben. Die Wertschätzung untereinander war spürbar", berichtet Gaby Wienges-Haupt, von der Agentur für Arbeit in Krefeld. Neun Teilnehmerinnen hielten bis zum Ende durch, vier von ihnen haben das Ziel, eine Anstellung zu finden, heute schon erreicht.

"Am Anfang haben wir den Frauen viel Input geliefert, uns war es aber trotzdem wichtig, die Einheiten nicht als reinen Fronatalunterricht zu gestalten", sagt Claudia Brüker vom Jobcenter Krefeld. Stattdessen habe man Raum für Austausch und Diskussion geboten, Stärken und Schwächen der Teilnehmer analysiert und Qualifizierungsbedarf aufgezeigt.

Die Situation der Teilnehmerinnen war dabei ganz unterschiedlich. Verena Aydin beispielsweise will in ihrem gelernten Beruf als medizinische Fachangestellte wieder Fuß fassen, war aber acht Jahre lang in "Familienpause". Das größte Problem sei die Kinderbetreuung, sagt sie. Denn Arbeitgeber erwarten, dass die Kinder versorgt sind. Für einen Kitaplatz müsse man aber einen Arbeitsvertrag vorweisen, sagte Verena Aydin. Ein Widerspruch in sich. Eine Lösung müsse dringend gefunden werden, fordert sie. Eine Chance sieht sie im offenen Ganztag. "So können die Kinder ihr Hobby nach der Schule ausüben, ohne dass ich den Chauffeur spielen muss", sagt sie. Gleichzeitig seien die Kinder gut betreut und hätten Spaß mit ihren Freunden. Der Wiedereinstieg in den Beruf sei für sie ein "schwierigen Spagat", schließlich wolle sie allen gerecht werden. Den Vorwurf einiger Arbeitgeber, Mütter seien auf der Arbeit gedanklich bei ihren Kindern, könne sie nicht nachvollziehen, sie habe große Lust wieder zu arbeiten.

Janette Groß ist nach dreijähriger Elternzeit, die sie sich "ganz bewusst" genommen habe, seit 2013 raus aus dem Beruf. Als ehemalige Flugbegleiterin ist eine Rückkehr in den alten Beruf aber nicht mehr möglich, da das ständige Reisen mit den familiären Verpflichtungen nicht in Einklang zu bringen sei. "Wohin soll die Reise gehen, habe ich mich gefragt." Für den Jobwechsel frage man sich, welche Qualifikationen die Teilnehmer mitbringen und wie man diese richtig einsetzt, so Wienges-Haupt. Groß hatte Glück und fand eine Anstellung beim Düsseldorfer Flughafen, statt aber abzuheben bleibt sie fortan aber am Boden. Die Arbeit passe genau in ihr Zeitfenster, um die Kinder zur Schule zu fahren und wieder abzuholen. Stress sei dennoch programmiert.

An den Erfolg des Projektes wollen Wienges-Haupt und Brüker schon bald anknüpfen. Für die nächste Woche am Donnerstag, 14. September, 9.30 Uhr, laden sie zu einer weiteren Infoveranstaltung in das Berufsinformationszentrum (BIZ) an die Philadelphiastraße 2 in den Raum E010 ein, damit sich eine neue Gruppe für ihr Projekt "Zusammen Stark" findet. Am Dienstag, 12. September, findet zwischen 9 und 12 Uhr auch ein Bewerbungsmappencheck für Väter und Mütter im BIZ in Form von Einzelgesprächen statt. Dazu ist keine Anmeldung notwendig.

Quelle: RP
 
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