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Krefeld
Herzchirurgie vor dem Infarkt

Krefeld: Herzchirurgie vor dem Infarkt
Die Herzchirurgie soll ein Schmuckstück des Krefelder Klinikums sein. Mitarbeiter werfen dem Leiter der Klinik Mobbing vor. Das Haus steckt in einer Krise. RP-Archiv: Lammertz FOTO: RPO
Krefeld. Pflegepersonal und Ärzte werfen dem Leiter der Herzchirurgie, Professor Schmid, Mobbing vor. Angeblich soll die Sterblichkeitsrate in der Herzchirurgie über dem Bundesdurchschnitt liegen. Dem Haus droht eine Überprüfung. Von Dieter Hilla

Die Unzufriedenheit des Personals an der Herzchirurgie ist nach RP-Informationen eklatant. Ende vorigen Jahres hat sich das Pflegepersonal bei der Geschäftsführung über die Arbeitsumstände beschwert. Kurz darauf folgte ein Schreiben von Ärzten an die betriebliche Beschwerdestelle. 14 der damals noch 17 angestellten Ärzte haben diesen Brief, der der RP vorliegt, unterschrieben. Sie äußern darin schwere Mobbingvorwürfe gegen den Leiter der Herzchirurgie, Professor Franz-Xaver Schmid.

Mittlerweile haben sechs der 14 Unterzeichner gekündigt. Nach RP-Informationen wird der Personalmangel durch Ärzte anderer Abteilungen aufgefangen: Zwei Mediziner aus der Anästhesie, einer aus der Medizinischen Klinik I sowie zwei weitere Mediziner einer Leihfirma unterstützen nun die Arbeit an der Herzchirurgie.

Aushängeschild des Klinikums

Schmid ist zum 1. Juli 2007 von Regensburg nach Krefeld gewechselt und hat die Leitung der Herzchirurgie übernommen. Von seinem Vorgänger hatte sich das Klinikum getrennt. Damals führte das Klinikum als Begründung an, es habe Kritik wegen einer erhöhten Zahl von Komplikationen gegeben. Schmids Aufgabe war es, die Herzchirurgie wieder zu dem zu machen, was sie sein sollte: ein Aushängeschild des Klinikums.

Doch die Krise scheint nicht beseitigt. Nach RP-Informationen soll die Sterblichkeitsrate an der Herzchirurgie wieder über dem Bundesdurchschnitt liegen. Dies bedeutet, dass erneut eine Prüfung durch die Qualitätssicherung in Düsseldorf anstehen könnte. Die 1996 eröffnete Klinik musste sich erst vor zweieinhalb Jahren solch einer Überprüfung unterziehen. Bei sehr großen Mängeln kann solch eine Prüfung im schlimmsten Fall gar zu einer Schließung der Klinik führen.

Arbeitszeiten überschritten

Die Vorwürfe der Ärzte richten sich auf den Führungsstil und auf die Arbeitszeit. "Die systematische, prozesshafte, übergreifende Beeinträchtigung (Komplex "Mobbing") beeinflusst die Wertigkeit der Angestellten. Auch der Entzug von Führungsaufgaben liegt weit über dem Rahmen typischer arbeitsrechtlicher Konfliktsituationen", heißt es in dem Schreiben an die Beschwerdestelle.

 Das Personal wirft dem Direktor vor, dass Arbeitszeiten unzulässig überschritten werden. Zudem werfen sie ihm Mobbing vor: Sie fühlen sich unter Druck gesetzt und ungerecht beurteilt, da eindeutige Maßstäbe für die Beurteilung fehlten.

Nach RP-Informationen leiden mehrere Ärzte auf Grund dieser Situation unter extremen gesundheitlichen Problemen. Auch die Leistung der Herzchirurgie leidet: Nach RP-Informationen wurden bis Mai erst 350 Herzkranke operiert. In guten Zeiten gab es 1100 Operationen im Jahr.

Quelle: RP
 
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